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Studie: Bevölkerung Deutschlands wird bis 2045 schrumpfen

In den kommenden knapp 20 Jahren wird Deutschlands Bevölkerungszahl moderat schrumpfen. Welche Kreise zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern gehören - und warum.

Von Antje Kayser, dpa

06.10.2026

Die entscheidende Frage sei nicht, ob Deutschland wachse oder schrumpfe, sondern wo, sagt Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts.Oliver Berg/dpa

Die entscheidende Frage sei nicht, ob Deutschland wachse oder schrumpfe, sondern wo, sagt Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts.Oliver Berg/dpa

© Oliver Berg/dpa

Von derzeit 83,3 Millionen auf 81,8 Millionen - die Bevölkerung Deutschlands wird bis 2045 einer Studie zufolge moderat zurückgehen. Das zeigt die Studie „Demografische Lage der Nation“, die das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung vorgestellt hat. Gut zwei Drittel der 400 Kreise und kreisfreien Städte Deutschland müssen demnach mit einem Bevölkerungsrückgang rechnen. Auch 184 Regionen, die vor wenigen Jahren noch gewachsen sind, dürften schrumpfen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben 2026 rund 83,3 Millionen Menschen in Deutschland. 

Die entscheidende Frage sei nicht, ob Deutschland wachse oder schrumpfe, sondern wo, sagte Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts. Regional gibt es deutliche Unterschiede: Regionen, die wirtschaftlich stark sind, hohe Einnahmen verzeichnen und dadurch auch viele Menschen anziehen, und Landesteile, die mit einer schwachen Wirtschaft und viel Abwanderung kämpfen. Manche Regionen müssten Wohnungen und Infrastruktur für mehr Menschen schaffen, andere für weniger Einwohnerinnen und Einwohner die Daseinsvorsorge mit weniger Arbeitskräften bewältigen, sagt Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. 

Für die Studie hat das Berlin-Institut gemeinsam mit der Wüstenrot-Stiftung zum fünften Mal die 400 Kreise und kreisfreien Städte untersucht. In das bundesweite Bewertungssystem fließen 26 Indikatoren aus Demografie, Wirtschaft, Bildung und sozialen Bedingungen ein. 

Das sind gute Voraussetzungen:

Für gute Voraussetzungen brauchen die Kreise Arbeitsplätze mit guten Bedingungen und Einkommen, ausreichend Arbeitskräfte für Unternehmen, finanziell gut ausgestattete Kommunen, Betreuungsmöglichkeiten für Familien mit Kindern und eine funktionierende Mobilität, so die Studienautoren. Wie gut eine Region aufgestellt ist, bestimme auch ihre Zukunftsfähigkeit, und damit, wie attraktiv sie für Menschen und Unternehmen sind. 

Mit wenigen Ausnahmen gibt es in allen Regionen Deutschlands mehr Sterbefälle als Geburten, eine Folge jahrzehntelanger geringer Geburtenziffern, sagte Frederick Sixtus vom Berlin-Institut. Daher entscheiden insbesondere die Zu- und Wegzüge über das Bevölkerungswachstum von Regionen. 

Viele Großstädte dürften weiter wachsen

Viele Großstädte dürften künftig weiter wachsen, einige ländliche Regionen dagegen deutlich an Bevölkerung verlieren, sagt Manuel Slupina von der Wüstenrot-Stiftung. Für Leipzig, Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, München, Nürnberg, Düsseldorf, Potsdam und Dresden etwa wird ein teils deutliches Bevölkerungswachstum prognostiziert. Essen, Dortmund und Stuttgart dagegen müssen mit einem Rückgang der Bevölkerung bis 2045 rechnen. 

Es gebe aber nicht flächendeckend die klassischen Unterschiede zwischen Stadt und Land, so die Autoren. Das Umland zahlreicher Großstädte dürfte ebenfalls wachsen. Während junge Menschen eher in die Metropolen ziehen, ziehen Familien mit Kindern eher ins Umland. Am Ende des Rankings befänden sich viele dünn besiedelte Gegenden, wie der Kreis Elbe-Elster in Brandenburg oder Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen und der Kyffhäuserkreis in Thüringen. Ländlich heiße aber nicht automatisch schwach - und städtisch nicht automatisch stark, betonen die Autoren. Unter den 100 letztplatzierten Regionen finden sich auch Großstädte wie Bremen, Duisburg, Lübeck, Salzgitter und Kaiserslautern. 

Große Unterschiede im Osten

Insbesondere im Osten entwickeln sich die Regionen der Studie zufolge immer unterschiedlicher: 12 der 20 Kreise und kreisfreien Städte mit den schwächsten Gesamtbewertungen liegen in Ostdeutschland - 2019 waren es noch 5. 

Der größte Gewinner und der größte Verlierer bei der Bevölkerungsentwicklung laut Studie liegen beide im Osten: Der Brandenburger Landkreis Dahme-Spreewald kann mit einem Plus von 17 Prozent bis 2045 mit dem stärksten Wachstum rechnen, während die Stadt Suhl und der Kreis Sonneberg in Thüringen jeweils mit einem Minus von 30 Prozent rechnen müssen. 

Auch im Westen gebe es große Unterschiede. Das Saarland etwa dürfte weiter an Bevölkerung verlieren, auch Südniedersachsen und Südwestfalen haben eher trübe demografische Aussichten. Viele Kreise in Baden-Württemberg und Bayern dürften dagegen wachsen. 

Deutliches Nord-Süd-Gefälle

Ein bekanntes Muster zeige sich weiterhin: ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Unter den Bundesländern setze sich Bayern an der Spitze immer deutlicher ab: 18 der 20 bestplatzierten Kreise und kreisfreien Städte liegen in Bayern. 2019 seien es noch 12 gewesen, sagte Adrián Carrasco Heiermann vom Berlin-Institut. Auch in Baden-Württemberg sind die Aussichten vielerorts gut.

In Bayern kämen mehrere günstige Faktoren zusammen: Zum einen gehe es der Wirtschaft in vielen Kreisen gut, zum anderen seien vergleichsweise viele Frauen und Menschen ohne deutschen Pass und auch ältere Menschen kurz vor dem Rentenalter sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das Ranking zeige, dass wirtschaftlich erfolgreiche Regionen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen besser in den Arbeitsmarkt einbinden. Schwächere Regionen haben oft gemein, dass sie bei der Beschäftigung von Frauen und Menschen ohne deutschen Pass schlechter abschneiden. 

Neben der reinen Bevölkerungszahl wirkt sich auch die Altersstruktur auf die Regionen aus. Ein Faktor ist der nahende Ruhestand vieler Babyboomer. Bis 2045 wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter den Prognosen zufolge bundesweit um 4,7 Prozent schrumpfen. In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland betrage der Rückgang sogar 12 bis 18 Prozent. Nur Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen erwarten auf Landesebene noch Zuwächse. 

Die Teilhabe am Arbeitsmarkt werde daher zum Standortfaktor und der Wettbewerb um Arbeitskräfte zu einer zentralen demografischen Herausforderung, so die Autoren der Studie.

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