Sparkassen-Coup: Opfer fordern Schadenersatz und Rücktritt
Nach dem Millionen-Coup in Gelsenkirchen gehen die Geschädigten auf die Straße: Sie fordern Schadenersatz und den Rücktritt des Sparkassenchefs. Der erste Termin dieser Art verlief tumultartig.
Tumultartige Szenen vor der Gelsenkirchener Sparkasse nach dem Millionen-Einbruch Ende 2025. Jetzt gibt es erneut eine Versammlung von protestierenden Kunden. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa
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Gut vier Monate nach dem spektakulären Millionen-Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse versammeln sich am Donnerstag Hunderte Schließfachkunden in der Nähe der Bank. 500 bis 1000 Teilnehmer seien angemeldet, sagte eine Polizeisprecherin. Die Polizei rechne mit einer emotionalen Versammlung und sei mit ausreichenden Kräften vorbereitet.
Die Kunden verlangten Aufklärung über mögliche Sicherheitsmängel in der Bank und eine volle Haftung für entstandene Schäden, hieß es in der Anmeldung. Ein Sparkassenkunde hatte die Kundgebung initiiert. Er fordere auch den Rücktritt des Sparkassenchefs als Konsequenz aus dem Millionen-Coup, hieß es.
Ein erstes Treffen von verunsicherten und wütenden Kunden vor der Sparkasse unmittelbar nach Bekanntwerden des Einbruchs Ende 2025 hatte für tumultartige Szenen und einen Polizeieinsatz gesorgt.
Hoher Millionenschaden - Klagen liegen bei Gericht
Bei dem Einbruch hatten die bislang unbekannten Täter nach Weihnachten 2025 alle Sicherheitssysteme der Sparkasse überwunden, sich mit einem riesigen Kernbohrer Zutritt zum Tresorraum verschafft und fast alle der 3.100 Schließfächer aufgebrochen. Der Gesamtschaden wurde kurz nach dem Einbruch von der Polizei auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschätzt, er könnte aber auch noch wesentlich höher im möglicherweise deutlich dreistelligen Millionenbereich liegen.
Nach dem spektakulären Kernbohrer-Einbruch fordern Sparkassenkunden in Gelsenkirchen vollen Schadenersatz. (Archivbild)Polizei Gelsenkirchen/dpa
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Mehrere Hundert Kunden erwägen Klagen, drei Zivilklagen mit einem Gesamtvolumen von mehr als einer halben Million Euro sind beim Landgericht Essen bereits terminiert. Die Kläger verlangen eine volle Haftung für die Schäden, weil die Sparkasse aus ihrer Sicht die Sicherheit des Tresor- und Schließfachraumes vernachlässigt habe. Die Sparkasse hat das immer wieder zurückgewiesen und betont, dass der Raum nach dem aktuellen Stand der Technik geschützt worden sei.
Kunden wollen Details über Sicherheit in der Sparkasse
Details hat die Sparkasse aber dazu nicht genannt - auch das ist Teil der Forderungen der Demonstranten. Standardmäßig zahlt die Versicherung nur bis zu 10.300 Euro pro Fach aus, falls Kunden den Nachweis über entsprechend wertvolle Inhalte erbracht haben. Bisher seien solche Entschädigungen über die Schließfachversicherungen aber nicht geflossen, hatte eine Sprecherin der Sparkasse am Dienstag gesagt. Zunächst müsse der Schaden der Kunden komplett ermittelt werden.
„Wir nehmen die geäußerte Kritik und die Demonstration sehr ernst“, betonte Sparkassenchef Michael Klotz vorab. Es sei der Bank wichtig, im direkten Austausch mit den Kunden zu bleiben. Ob Klotz sich am Donnerstag den Demonstranten vor der Sparkasse stellt, war zunächst offen.
Sparkasse gibt erste Wertsachen zurück
An diesem Freitag will die Sparkasse damit beginnen, Kunden erste Gegenstände und Dokumente aus ihren aufgebrochenen Schließfächern zurückzugeben. Es gehe dabei um rund 50.000 Gegenstände, die die Einbrecher in dem verwüsteten Tresorraum zurückgelassen haben, teilte die Sparkasse mit. Sie waren zuvor im Zuge der Ermittlungen monatelang von der Polizei beschlagnahmt worden.
Begonnen werde mit namentlich eindeutig zuzuordnenden Dokumenten wie Fahrzeugbriefen oder Kaufverträgen. „Unser Ziel ist es, für Freitag die ersten Termine zur Übergabe von Dokumenten zu vereinbaren“, sagte Sparkassenchef Klotz.