Messerangriff auf B221: Prozess gegen 56-Jährigen gestartet
Im Prozess um den Angriff auf der B221 schweigt der Angeklagte. Das Opfer berichtet von jahrelangen Konflikten und erlebter Gewalt zwischen Ex-Partnern.
Ausgebremst und niedergestochen - die Aussagen des Opfers vor dem Krefelder Landgericht sind erschütternd. (Symbolbild)Rolf Vennenbernd/dpa
© Rolf Vennenbernd/dpa
Nach einer Messerattacke auf der Bundesstraße 221 im niederrheinischen Brüggen hat vor dem Landgericht Krefeld der Prozess gegen einen 56-Jährigen begonnen. Dem Mann werden versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
Der Anklage zufolge soll er den neuen Lebensgefährten seiner Ex-Frau gezielt angegriffen haben. Der Mann äußerte sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen.
Auto gezielt ausgebremst, Sohn bei Festnahme dabei
Vor rund einem halben Jahr soll der Angeklagte den Wagen des heute 33-jährigen Opfers auf der B221 nahe der deutsch-niederländischen Grenze gezielt ausgebremst haben. Nach der Anklage entwickelte sich anschließend eine Auseinandersetzung, bei der der 56-Jährige den neuen Lebensgefährten seiner Ex-Frau mit einem Messer angegriffen haben soll.
„Ich hatte drei Kinder im Auto“, sagte das als Nebenkläger im Prozess auftretende Opfer. Der 33-Jährige erlitt einen Stich in den Bauch und wurde nach Polizeiangaben schwerst verletzt, schwebte aber nicht in Lebensgefahr. Der Beifahrer wurde mit einem Faustschlag verletzt.
Nach der Anklage war der Auseinandersetzung ein Bierflaschenwurf des 33-Jährigen auf das Auto des Angeklagten vorausgegangen. Der 56-Jährige soll daraufhin mehrfach mit einem Messer auf den Mann eingestochen haben. Erst als weitere Zeugen hinzukamen, habe er die Attacke beendet.
Der Mann wurde wenig später von der Polizei in der Nachbargemeinde Bracht festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der 56-Jährige mit syrischer Staatsangehörigkeit ist mehrfacher Vater. Bei seiner Festnahme war einer seiner minderjährigen Söhne dabei.
Konfliktreiche Vorgeschichte
Der Attacke gingen nach Angaben des Opfers jahrelange Streitigkeiten zwischen dem Angeklagten und dessen Ex-Frau voraus. Hauptstreitpunkt sei das Umgangsrecht für die beiden gemeinsamen Kinder gewesen, sagte der 33-Jährige vor Gericht. Die Beziehung des früheren Ehepaars sei von Gewalt und Angst geprägt gewesen. Auch ihm habe der Angeklagte gedroht. Er habe den 56-Jährigen unter anderem angezeigt, „weil er versucht hatte, mich mit einem Auto zu überfahren“.
Der Angeklagte verfolgte die Aussagen teils kopfschüttelnd, teils mit einem amüsierten Lächeln. Für den Prozess (AZ: 22 Ks 20/26) sind bis Anfang September noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt. Dem Angeklagten droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe.