Jugendliche zu Prostitution gezwungen? Prozessbeginn
Zwei Männer sollen in Düsseldorf schwule Jugendliche online angelockt, missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Jetzt müssen sie sich vor Gericht verantworten.
Prozess um Zwangsprostitution gegen zwei Männer hat begonnen. (Symbolbild)Oliver Berg/dpa
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Zwei Männer sollen in Düsseldorf schwule Jugendliche auf Partys gelockt, mit Drogen gefügig gemacht und dann älteren Freiern zur Prostitution angeboten haben. Vor dem Landgericht Düsseldorf müssen die heute 25- und 30-Jährigen sich dafür verantworten. Das am Dienstag gestartete Verfahren findet vor einer Jugendstrafkammer statt, weil der jüngere der beiden Angeklagten zur Tatzeit noch Heranwachsender war.
Die Angeklagten, die vom Bodensee und aus der Schweiz stammen, folgten der Anklageverlesung aufmerksam, vermieden aber jeden Blick in den Zuschauerraum. Beide trugen weiße Hemden, die Haare modisch geschnitten, die Gesichter nur der Strafkammer zugewandt.
Zahlreiche Anklagepunkte
Die Anklage wirft ihnen Vergewaltigung, Zuhälterei, Menschenhandel, Zwangsprostitution, Besitz kinderpornografischer Inhalte sowie die Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige vor. Die mutmaßlichen Opfer waren zu den in der Anklage aufgeführten Tatzeitpunkten in den Jahren 2020 und 2022 zwischen 15 und 17 Jahre alt.
Laut Anklage hatten die damals 19- und 24-Jährigen über soziale Medien Kontakt zu Minderjährigen aufgenommen und sie in das von ihnen gemeinsam in Düsseldorf bewohnte Appartement zu Partys eingeladen. Dabei sollen die beiden Angeklagten gezielt nach jung aussehenden, blonden, zierlichen schwulen Jungen.
Online zu Partys gelockt und mit Drogen gefügig gemacht
In der Wohnung wurden die Jugendlichen laut Anklage mit Versprechungen über Luxus, vermeintliche Liebe oder eine dauerhafte Unterkunft gelockt. Auf Partys wurden sie mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und entweder von den Angeklagten selbst vergewaltigt oder älteren Freiern zugeführt. So wurde laut Anklage ein 17-Jähriger überzeugt, seinen „Lebensunterhalt mittels Prostitution im Bereich Escort zu verdienen“.
Auch eine 17-jährige Jugendliche wurde von dem jüngeren Angeklagten gedrängt, sich so ihre Miete zu verdienen. Die jungen Opfer wurden der Anklage zufolge auf entsprechenden Online-Portalen Freiern angeboten.
Angeklagter wurde als Schüler gehänselt
Zum Auftakt machte nur der jüngere Angeklagte Angaben zu seinem Werdegang. Der 30-jährige Hauptangeklagte dagegen schwieg. Er werde aber am nächsten Verhandlungstag etwas sagen, kündigte sein Verteidiger an. Der 25-Jährige erklärte, er sei schon früh in der Schule gehänselt worden. „Weil ich dünn war und entdeckt hatte, dass ich auf Jungs stehe.“
Öffentlichkeit ausgeschlossen
Für den Rest des Prozesses - bis Ende Oktober sechs weitere Verhandlungstage - wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung aus Jugendschutzgründen ausgeschlossen. Das heißt, die künftigen Aussagen der Angeklagten, Zeugen und die Plädoyers sind nicht öffentlich.
Die beiden Angeklagten waren nach mehreren Anzeigen bereits Anfang Juli 2022 in Düsseldorf festgenommen worden, kamen dann aber unter Auflagen wieder auf freien Fuß. In der Folge tauchte der heute 30-Jährige laut Gericht unter, wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht und konnte Ende August verhaftet werden.
Sind die Angeklagten ein Paar?
Beide Angeklagte gaben am Morgen an, verlobt zu sein. Wohl miteinander, heißt es aus dem Prozessumfeld. Dann müssten sie nicht gegeneinander aussagen.