Panorama

Wärmebusse helfen Obdachlosen in eisigen Nächten

In Berlin ist es extrem kalt werden. Für obdachlose Menschen ist das lebensbedrohlich. Die Teams der Kälte- und Wärmebusse bitten alle um Mithilfe.

Von dpa

08.01.2026

Lisa Wiedemann und Sebastian Ulm suchen Menschen auf, die trotz Kälte auf der Straße sind.Michael Ukas/dpa

Lisa Wiedemann und Sebastian Ulm suchen Menschen auf, die trotz Kälte auf der Straße sind.Michael Ukas/dpa

© Michael Ukas/dpa

Angesichts der eisigen Temperaturen in Berlin rufen das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Berliner Stadtmission dazu auf, obdachlose Menschen besonders im Blick zu behalten. Wie dringend Hilfe ist, zeigt sich auch bei den nächtlichen Touren der Wärmebus-Teams.

Lisa Wiedemann und Sebastian Ulm vom DRK-Wärmebus treffen am Donnerstagabend mehrere obdachlose Menschen, die bei Minusgraden in Hauseingängen oder unter Brücken liegen. Lucia ist eigenen Angaben zufolge seit drei Jahren obdachlos und sitzt im Rollstuhl. „Es ist scheiße. Ich hätte lieber gerne eine eigene Wohnung“, erzählt sie der dpa. Sie sei chronisch krank, seitdem sie auf der Straße sei, habe sich ihr Zustand verschlechtert. Wiedemann und Ulm fahren sie in eine Notunterkunft, in der sie die Nacht verbringen kann.

Lisa Wiedemann arbeitet seit dieser Saison beim Wärmebus, Sebastian Ulm engagiert sich seit fünf Jahren.Michael Ukas/dpa

Lisa Wiedemann arbeitet seit dieser Saison beim Wärmebus, Sebastian Ulm engagiert sich seit fünf Jahren.Michael Ukas/dpa

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Doch nicht alle lassen sich davon überzeugen, mitzukommen. Ein Mann nimmt zwar den heißen Tee der beiden Helfer an, lehnt eine Notunterkunft aber ab. „Ich hatte das Gefühl, dass ihm Vertrauen fehlt in Hilfsangebote“, sagt Wiedemann. Er sei schon einmal in einer Notunterkunft gewesen und habe keine guten Erfahrungen gemacht. „Es ist hart bei den Temperaturen nur einen warmen Tee mitzugeben, er wollte auch keinen Schlafsack und keine Decke.“ Immerhin sei er ganz gut ausgestattet.

Manche entscheiden sich trotz der Kälte gegen eine Notunterkunft.Michael Ukas/dpa

Manche entscheiden sich trotz der Kälte gegen eine Notunterkunft.Michael Ukas/dpa

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Das Rote Kreuz ist täglich mit zwei Wärmebussen im Einsatz, die Stadtmission mit drei Bussen. Wer Menschen sieht, die Hilfe brauchen, kann das DRK-Team unter der 030 600300 1010 erreichen, das Team der Stadtmission unter der 030 690 333 690. In den kommenden Nächten werden teils zweistellige Minusgrade erwartet. „Bitte schauen Sie nicht weg“, sagte der Sprecher des DRK-Landesverbandes, Karsten Hintzmann.

„Das Leben auf der Straße bei solchen Temperaturen ist immer lebensbedrohlich“, sagte Hintzmann der Deutschen Presse-Agentur. Auch Schlafsäcke hielten nur bis zu einem gewissen Grad warm, egal, wie dick sie seien. „Es ist eigentlich unzumutbar, draußen zu schlafen.“

Rund 120 Anrufe pro Nacht

Die Wärmebusse der DRK sind täglich zwischen 18 und 24 Uhr unterwegs. Wenn der Bedarf besonders hoch sei, könne aufgestockt werden, sagte Hintzmann. Die Busse der Stadtmission sind zwischen 20 und 2 Uhr auf der Straße. In besonders kalten Nächten gingen in der Vergangenheit rund 120 Anrufe ein, sagte Sprecherin Barbara Breuer. Die Teams versorgen obdachlose Menschen mit warmen Getränken, Schlafsäcken und Isomatten. Sie fahren sie auch, wenn gewünscht, in eine Notunterkunft.

Bei den aktuellen Temperaturen versuchen die Mitarbeiter besonders eindringlich, die Menschen zum Mitkommen zu bewegen, meinte Hintzmann. Zwingen könne man aber niemanden. Einige entschieden sich, trotz der Kälte draußen zu bleiben.

Die Wärmebus-Mitarbeiter verteilen Tee, Schlafsäcke und Isomatten.Michael Ukas/dpa

Die Wärmebus-Mitarbeiter verteilen Tee, Schlafsäcke und Isomatten.Michael Ukas/dpa

© Michael Ukas/dpa

Nicht genug Platz in den Notunterkünften

Und es gibt noch ein Problem: Erfahrungsgemäß sind ab 23 oder 24 Uhr alle Notunterkünfte voll, wie Breuer erklärte. „Wenn es so kalt ist, drängen viel mehr Leute in die Notübernachtungen.“ Von Dezember bis März gibt es in Berlin 1.144 Notübernachtungsplätze. Die Stadtmission schätzt die Zahl der Obdachlosen auf 6.000.

Diese Erfahrung machen auch Wiedemann und Ulm bei ihrer Tour durch die Stadt. Nachdem sie mehrere Notunterkünfte angerufen haben, finden sie für einen Mann gerade noch einen Platz in der Notübernachtung Franklinstraße. „Das war jetzt der letzte Platz, die Notunterkunft ist jetzt voll“, sagt Ulm. 

Was kann man tun, wenn man eine hilfsbedürftige Person auf der Straße entdeckt? „Auf jeden Fall die Leute ansprechen“, empfiehlt Breuer. Es sei wichtig, sicherzugehen, dass die Person bei Bewusstsein sei und noch lebe. Wenn man unsicher sei, könne man die Person vorsichtig anfassen. „Wenn man sieht, dass jemand blau ist, nicht mehr atmet, nicht mehr reagiert, sofort den Notruf anrufen.“

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