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Briefträger bringen selten neue Pässe - Änderungen geplant

Den Ausweis per Post nach Hause - dieser Service wird wenig genutzt, wie Kommunen berichten. Sie sehen mehrere Gründe. Was sich ändern soll und warum ein früher Blick in den Pass von Vorteil ist.

Von dpa

03.05.2026

Die meisten Bürger holen sich ihren neuen Pass im Amt ab. (Symbolbild)Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn

Die meisten Bürger holen sich ihren neuen Pass im Amt ab. (Symbolbild)Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn

Einen neuen Personalausweis oder Reisepass können sich Antragsteller seit rund einem Jahr gegen eine Gebühr nach Hause schicken lassen, statt die Dokumente im Amt abzuholen. Doch dieser Service wird bisher nach Angaben von Kommunen kaum genutzt. Das Bundesinnenministerium kündigt Vereinfachungen im Postzustellverfahren an. Unterdessen warnen Kommunen vor einem Andrang nach neuen Reisepässen kurz vor Ferienbeginn. Der dingende Rat: Frühzeitig die eigenen Pässe auf Gültigkeit überprüfen. 

Wie funktioniert der Direktversand?

Zusteller der Deutschen Post händigen nur dem Empfänger das Kuvert mit dem neuen Ausweisdokument an der Haustür aus. Zuvor muss er sich mit einem gültigen Ausweisdokument legitimieren. Bei einem neuen Reisepass also mit dem Personalausweis. Denn der alte Reisepass wird bereits beim Antrag entwertet. Der Zustellservice kostet 15 Euro zusätzlich. Wann der Postbote das Dokument voraussichtlich liefert, wird per E‑Mail angekündigt. Wer dann nicht da ist, kann zur Postfiliale, wo der Pass sieben Werktage aufbewahrt wird. 

Wie sind die Erfahrungen der Kommunen?

„Nach einem Jahr Praxis mit dem Direktversand von Pass- und Ausweisdokumenten durch die Bundesdruckerei ist Ernüchterung eingekehrt“, sagte der Geschäftsführer des Städtetages NRW, Christian Schuchardt, der dpa. Der Direktversand werde nur von einer sehr geringen Zahl der Bürger genutzt. „Genau das hatten wir befürchtet.“ Denn zahlreiche Bedingungen für die Postzustellung und vor allem die Zusatzkosten von 15 Euro führten dazu, dass die Bürger „lieber kostenfrei den Weg zum Bürgeramt antreten“. 

Die Städte würden durch die zusätzliche Option so leider nicht entlastet. Im Gegenteil, der Aufwand sei sogar gewachsen. Die Mitarbeitenden in den Pass- und Ausweisstellen berieten die Bürger über ein Angebot, dass diese im ersten Moment interessant fänden, dann aber nicht nutzen wollten. Dies erzeuge zusätzliche Arbeit bei den Mitarbeitern und enttäusche die Bürger. 

Wie reagieren Bund und Post?

Den Kommunen werde ein breitgefächertes Angebot an Flyern, Plakaten und diversen Bildformaten für Monitore in Wartezimmern und Social-Media-Auftritte zur Verfügung gestellt, erklärte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Dieses Info-Angebot sei im Februar erheblich ausgebaut worden. Geplant sei, künftig weitere Dokumente wie Krankenkassenkarte oder Führerschein an der Wohnungstür zu akzeptieren, um Name und Vorname der Sendung mit der Person abzugleichen, die diese Sendung in Empfang nehmen möchte. 

Auch die Deutsche Post erklärte, dass an einer Vereinfachung der Zustellung zum Beispiel durch das Ausweisen mit Führerschein oder Gesundheitskarte gearbeitet werde. Eine Sprecherin verwies darauf, das das Angebot höchste Anforderungen an Sicherheit erfülle und flächendeckend angeboten werde. Die Zusatzkosten für den Ausweisversand seien als Verwaltungsgebühr festgelegt worden und könnten von der Deutschen Post nicht beeinflusst werden. Zahlen, wie viele Bürger den Direktversand genutzt haben, nannte die Post nicht. 

Wie lange muss ich auf einen neuen Pass warten?

Zunächst geht es um einen Termin für den Antrag bei der Kommunalbehörde. Wie schnell ein Termin verfügbar ist, variiert je nach aktueller Nachfrage und den Kapazitäten. In Köln ist etwa von einer Vorlaufzeit je nach Kundenzentrum von aktuell ein bis vier Wochen für einen Termin die Rede. Man könne an bestimmten Tagen auch ohne einen Termin kommen. In einer dpa-Umfrage unter den zehn größten NRW-Kommunen erklärten viele Städte wie auch Köln, dass täglich neue Termine im Internet zum Buchen freigegeben würden. 

Dann kommt die Produktionszeit für den Reisepass hinzu. Wurde der Reisepass per Express beantragt, lag der fertige Pass im März nach durchschnittlich 2,3 Werktagen abholbereit in der Behörde, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums (BMI). Bei normalen Reisepassbeantragungen dauerte die Produktion im März im Schnitt 11,8 Werktage und habe damit etwa im Jahresdurchschnitt gelegen. Konkret seien im März 99,5 Prozent der regulär bestellten Pässe innerhalb von 14 Werktagen oder schneller produziert worden.

Die Bearbeitungszeiten in den kommunalen Behörden fielen nach hiesiger Kenntnis bundesweit unterschiedlich aus, so der Ministeriumssprecher. Die Wartezeit für regulär beantragte Pässe betrage in der Regel mindestens drei Wochen.

Bei der dpa-Umfrage unter den zehn größten NRW-Kommunen wurden unterschiedliche Erfahrungen bei der Lieferzeit genannt. In Köln ist von rund sechs Wochen Wartezeit, in Dortmund, Duisburg und Münster von vier bis sechs Wochen im Standardverfahren die Rede. In anderen Städten heißt es: drei bis vier Wochen. Essen spricht von etwa zwei Wochen. Düsseldorf verweist auch auf das Expressverfahren, in dem ein neuer Reisepass hier nach drei bis fünf Arbeitstagen abgeholt werden könne. 

Was muss ich noch zeitlich beachten?

Zahlreiche Länder forderten bei der Einreise eine Reisepass-Gültigkeit von mindestens sechs Monaten über das geplante Rückreisedatum hinaus, betont die Stadt Köln. Erfahrungsgemäß setze kurz vor Beginn der Sommerferien ein verstärkter Andrang ein, da viele Reisende erst kurz vor knapp die Gültigkeit ihrer Ausweisdokumente prüften. Dortmund spricht von der kundenstärksten Zeit des Jahres in den drei Wochen vor und drei Wochen nach Ferienbeginn. 

Auch im Bundesinnenministerium hieß es, dass in den Monaten bis zum Sommer beim Passhersteller in der Regel mehr Bestellungen eingingen als in der zweiten Jahreshälfte. Im ersten Quartal 2026 habe die Bundesdruckerei monatlich zwischen 413.000 und 517.000 Pässe produziert. Bisheriger Spitzenreiter sei der Januar 2025 mit etwa 688.000 produzierten Pässen gewesen.

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