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Was der Flughafen Frankfurt bei den Abflügen plant

Es soll mehr Starts Richtung Nordwesten geben – nun äußern sich die Anrainer-Kommunen zu dem Vorhaben des Flughafenbetreibers Fraport. Wie die Pläne im Einzelnen aussehen.

Von dpa

10.06.2026

Nach Prognosen wird es künftig wieder mehr Starts und Landungen in Frankfurt geben. Daher müsse die Verteilung der Flüge in der Region geändert werden, teilte der Betreiber des größten deutschen Flughafens Fraport mit. Das neue Betriebskonzept wird scharf kritisiert, vor allem in den betroffenen Gemeinden. 

Wo wird es nach dem neuen Konzept lauter? 

Anwohner im Nordwesten des Frankfurter Flughafens müssen sich auf zusätzlichen Fluglärm einstellen. Das Konzept sieht vor, Abflüge von der Center-Bahn häufiger als bislang in Richtung Taunus zu leiten. 

Die sogenannte Südumfliegung mit einer weit gezogenen Kurve über die Stadtgebiete von Mainz und Wiesbaden soll hingegen seltener genutzt werden. 

Die Änderungen betreffen Abflüge bei Flugbetrieb in Richtung West, dies ist etwa an zwei Dritteln der Tage in Frankfurt der Fall. Neue Flugrouten werden nicht eingerichtet. 

Welche Kommunen trifft dies insbesondere? 

Zusätzliche Lärmbelastung wird vor allem in den Orten Flörsheim und Hattersheim-Eddersheim (Main-Taunus-Kreis) erwartet, die bereits durch Landungen bei Betriebsrichtung Ost belastet sind. An dieser Doppelbelastung hatte sich die Kritik besonders entzündet. Auch in Hochheim wird es mehr Lärm geben. 

Im eng besiedelten Rhein-Main-Gebiet gibt es Streit um Fluglärm. Arne Dedert/dpa

Im eng besiedelten Rhein-Main-Gebiet gibt es Streit um Fluglärm. Arne Dedert/dpa

© Arne Dedert/dpa

Das vorgelegte Betriebskonzept ist laut einer Prüfung des hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums aber konform zum Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau des Flughafens, in dem rechtsverbindlich auch Regelungen zum Thema Fluglärm festgeschrieben wurden. Die Zahl der insgesamt Betroffenen steige nicht, der Lärm werde verlagert. 

Warum muss es Änderungen geben? 

Hintergrund der Neuauflage ist ein prognostizierter Anstieg der Flugbewegungen: Bis zum Jahr 2033 werden in Frankfurt 560.000 Starts und Landungen erwartet. Im vergangenen Jahr waren es rund 460.000 Flugbewegungen. In der Planfeststellung für den Ausbau des Flughafens war man noch von bis zu 701.000 ausgegangen. 

Möglicherweise schon zum Ende des laufenden Jahrzehnts könnten die Flüge nicht mehr mit dem bislang gültigen Konzept sicher abgewickelt werden, erklärte Fraport. 

Der Flughafenbetreiber begründet die Änderungen mit der Sicherheit des Luftverkehrs. (Archivbild)Arne Dedert/dpa

Der Flughafenbetreiber begründet die Änderungen mit der Sicherheit des Luftverkehrs. (Archivbild)Arne Dedert/dpa

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Welche Änderungen stehen noch an? 

Es gibt auch gute Nachrichten: In einigen Orten südlich des größten deutschen Flughafens soll es leiser werden, so in Rüsselsheim und Nauheim (Landkreis Groß-Gerau). 

Der ursprüngliche Entwurf des Betriebskonzepts wurde nach starker Kritik zudem überarbeitet, eine Arbeitsgruppe wurde eingesetzt, an der auch die betroffenen Kommunen beteiligt waren. Nun sind auch Entlastungen für den Nordwesten vorgesehen. So sollen dort Starts vor 6.00 Uhr verboten sein und bis 7.00 Uhr wenn möglich vermieden werden. Haupt-Abflugbahn soll die Startbahn West bleiben. 

Zudem soll es Anreize für den Einsatz leiserer Flugzeuge und zusätzliche Mittel für den Lärmschutz geben. 

Wie sind die bisherigen Reaktionen? 

Die Kommission zur Abwehr des Fluglärms, in der die Anrainerkommunen vertreten sind, nahm das nachgebesserte Konzept zur Kenntnis - allerdings unter Bedingungen. Bei einer Sondersitzung forderte das Gremium strengere Regelungen zum Lärmschutz. Das Vorhaben lasse in seiner bisherigen Form zu viel Spielraum.

Dies gelte beispielsweise für die vorgesehene Lärmpause für Starts Richtung Nordwesten. Sie müsse verbindlich zwischen 5.00 und 8.00 Uhr festgelegt werden - das wären zusätzliche zwei Stunden. Nordwestabflüge müssten verbindlich auf das erforderliche Mindestmaß beschränkt werden, fordert die FLK. 

Die besonders betroffenen Gemeinden Flörsheim, Hattersheim und Hochheim wollen juristische Schritte prüfen. Dabei würden die Gemeinden von den Städten Wiesbaden und Mainz sowie dem Main-Taunus-Kreis unterstützt, sagte der Hochheimer Bürgermeister Dirk Westedt (FDP).

Die FLK kritisierte, entgegen aller Zusagen nach dem Flughafenausbau würden nun die bereits am meisten belasteten Kommunen nochmals mehr Lärm hinnehmen müssen.

Streitpunkt sind Pläne, nach denen vermehrt in Richtung Nordwesten gestartet werden soll. (Archivbild)picture alliance / Boris Roessler/dpa

Streitpunkt sind Pläne, nach denen vermehrt in Richtung Nordwesten gestartet werden soll. (Archivbild)picture alliance / Boris Roessler/dpa

© picture alliance / Boris Roessler/dpa

Was sind die nächsten Schritte?

Die FLK erklärte, ihr Beschluss werde an das Wirtschafts- und Verkehrsministerium weitergeleitet. Behörden und Institutionen sind nicht an die Beratungsergebnisse der FLK gebunden, wie diese in ihrer Aufgabenbeschreibung mitteilt. Ein Abweichen müsse aber begründet werden. 

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) kündigte an, beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung eine Anpassung der Durchführungsverordnung zu den Frankfurter Flugverfahren zu beantragen. „Sie ist Voraussetzung dafür, dass das weiterentwickelte Betriebskonzept in Betrieb gehen kann, sobald es die Kapazitäten notwendig machen“, erklärte Dirk Mahns, Geschäftsführer Betrieb der DFS. 

Das bisherige Betriebskonzept bleibe mindestens bis zum Jahr 2028 maßgeblich, hatte das Wirtschafts- und Verkehrsministerium Wiesbaden mitgeteilt.

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