Verfassungsviertelstunde an Thüringer Schulen ausgeweitet
Mit 22 Schulen hat das Format, das die politische Bildung von Schülern stärken soll, begonnen. Inzwischen wird die Verfassungsviertelstunde an immer mehr Schulen erprobt. Kommt sie flächendeckend?
Die Zahl der teilnehmenden Schulen ist auf insgesamt 68 gewachsen, wie der Bildungsminister erklärte. (Archivbild)Martin Schutt/dpa
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Die sogenannte Verfassungsviertelstunde an Thüringer Schulen ist ausgeweitet worden. Seit diesem Herbst beteiligen sich 46 weitere Schulen an dem wöchentlichen Unterrichtsformat, wie Bildungsminister Christian Tischner (CDU) in Erfurt sagte. Damit liege die Zahl nun bei 68 Schulen. Demnach handelt es sich um Einrichtungen aller Schularten, die sich freiwillig für das Projekt gemeldet hatten.
Die Verfassungsviertelstunde war Anfang des Jahres an 22 Pilotschulen eingeführt worden, um die politische Bildung von Schülerinnen und Schülern zu stärken. Dabei sollen sie dem Bildungsminister zufolge etwa lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen, Argumente abzuwägen und eigene Standpunkte zu entwickeln.
„15 Minuten pro Woche im bestehenden Unterricht, kein neues Fach, keine zusätzliche Unterrichtsstunde, auch keine Noten - sondern ein Raum, wo Schülerinnen und Schüler über aktuelle Themen sprechen können“, erklärte Tischner das Format. Eine flächendeckende Einführung sei zum Schuljahr 2027/2028 geplant.
Konkrete Umsetzung liegt bei Schulen
Das Format findet den Angaben nach einmal pro Woche statt. Dabei werden demnach alle Schularten einbezogen: von der Grund- bis zur berufsbildenden Schule. Das Konzept gebe einen gemeinsamen Rahmen für die Schulen vor - die konkrete Umsetzung liege jedoch bei den Schulen, so der Minister. Zudem sei es in den Schulen selbst überlassen, in welchen Klassen die Verfassungsviertelstunde durchgeführt werden.
Demokratiebildende Themen könnten dabei fächerübergreifend aufgegriffen werden - also nicht nur im Sozialkundeunterricht. Als Beispiel nannte Tischner, dass etwa im Biologieunterricht beim Thema Genetik im Rahmen des Unterrichtsformats auch über die Menschenwürde diskutiert werden könnte.
Ein Bestandteil der weiteren Einführung sei zudem die gezielte Qualifizierung von Lehrerinnen und Lehrern. Sie sollen als Multiplikatoren ihre Kollegen bei der Umsetzung unterstützen und ihre Erfahrungen weitergeben. Die Konzeption und Durchführung wird von der Professur für Didaktik der Politik der Universität Jena unter Leitung von Michael May begleitet. Eine konkrete Zahl, wie viele Lehrer als Multiplikatoren ausgebildet werden sollen, liege bisher nicht vor.