dpa

Thüringen rutscht im Bildungsranking weiter ab

Einst gehörte Thüringen in einem Ranking einer arbeitgebernahen Initiative zur Spitzengruppe. Inzwischen fällt der Freistaat immer weiter zurück. Wo die Autoren Stärken und Schwächen sehen.

Von dpa

14.09.2026

Thüringen hat sich in einem Bildungsranking verschlechtert. (Symbolbild) Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Thüringen hat sich in einem Bildungsranking verschlechtert. (Symbolbild) Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Thüringen rutscht im Bildungsmonitor der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) weiter ab. Der Freistaat landet in dem Ländervergleich der Bildungssysteme auf Platz sechs. Damit ist das Land in dem Ranking binnen weniger Jahre von der Spitzengruppe ins Mittelfeld gewandert. 

Der östliche Nachbar Sachsen steht erneut auf Platz eins, gefolgt von Bayern, Hamburg, Baden-Württemberg und dem Saarland. Am Ende der Skala steht wie schon im Vorjahr Bremen. Sachsen-Anhalt belegt Platz 15, Nordrhein-Westfalen steht auf Platz 14. 

Bewertung aus bildungsökonomischer Sicht

Die vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführte Vergleichsstudie untersucht anhand 98 sogenannter Indikatoren die Bildungssysteme der Bundesländer. So werden etwa die Bildungsausgaben pro Schüler ins Verhältnis zu den Gesamtausgaben öffentlicher Haushalte pro Einwohner gesetzt. Verglichen werden zudem die Investitionen in Schulen und Hochschulen, der Betreuungsschlüssel in Bildungseinrichtungen, die Klassengrößen, die Schulabbrecherquote oder die Beteiligung an Ganztagsangeboten. 

Im Fokus stehe, welchen Beitrag das Bildungssystem leiste, um den Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten, heißt es.

Stärken in der Schulqualität

Thüringen hat aus Sicht der Autoren Stärken in den Bereichen Hochschulen, Förderinfrastruktur, berufliche Bildung, Ausgabenpriorisierung und Schulqualität. So gebe es gemessen an der akademischen Bevölkerung viele Hochschulabsolventen. Im Bereich der Kindergarten-Ganztagsbetreuung messen die Autoren einen Höchstwert, und der Anteil von Jugendlichen ohne Ausbildungsangebot sei der zweitniedrigste in Deutschland. 

Schwächen bei der Integration

„Deutliches Verbesserungspotenzial besteht in Thüringen vor allem in den Handlungsfeldern Integration, Internationalisierung und Zeiteffizienz“, heißt es in einer Mitteilung zur Studie. Unter ausländischen Schulabgängern bleibe ein hoher Anteil ohne Abschluss. Unterdurchschnittlich viele Berufsschüler haben Fremdsprachenunterricht, und das Alter der Erstabsolventen von Hochschulen sei eher hoch. 

Ostdeutsche Flächenländer stünden vor der Hausforderung des demografischen Wandels. In Thüringen nehme die Zahl der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen von 2025 bis 2035 um 16 Prozent ab. „Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren in Ostdeutschland deutlich einbrechen und den Wohlstand massiv gefährden“, heißt es in der Mitteilung. 

Thüringens Bildungsminister Christian Tischner (CDU) sagte, der Bildungsmonitor basiere auf Daten aus dem Jahr 2024 - und bilde damit Entwicklungen aus der Zeit der Vorgängerregierung ab. „Das ist die Bilanz von Jahren, in denen das Thüringer Bildungssystem durch eine große Unruhe geprägt war, die den Schulen geschadet hat.“ Die aktuelle Landesregierung stehe nun vor der Aufgabe, diesen Trend zu drehen. Tischner verwies auf Erfolge bei der Eindämmung des Unterrichtsausfalls. „Was Thüringen jetzt voranbringt, ist eine gezielte Schul- und Unterrichtsentwicklung“, sagte er.