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Steinewerfen als Sport: Titschern im Freibad

Wenn die letzten Badegäste gehen, beginnt im Kreuzberger Prinzenbad das Steinewerfen. Ein Berliner Verein nutzt das Schwimmbecken für eine außergewöhnliche Sportart, dem Titschern.

Von dpa

19.05.2026

Die Mitglieder der Titscher-Abteilung lassen Steine auf der Wasseroberfläche hüpfen.Christophe Gateau/dpa

Die Mitglieder der Titscher-Abteilung lassen Steine auf der Wasseroberfläche hüpfen.Christophe Gateau/dpa

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Was viele aus Kindheitstagen kennen, wird in Berlin inzwischen als Vereinssport betrieben: Beim Stone Skimming, auch Titschern genannt, geht es darum, eine weite Strecke zurückzulegen, indem ein flacher Stein möglichst oft auf der Wasseroberfläche springt.

Trainiert wird neuerdings im Sommerbad Kreuzberg. Dort stellen die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) dem Verein THC Franziskaner FC nach Ende des Badebetriebs ein Schwimmbecken zur Verfügung. Zunächst sind insgesamt fünf Trainingseinheiten im Mai und Juni im Rahmen eines Pilotprojekts geplant, wie die BBB mitteilten. 

Damit im Bad nichts beschädigt wird, werden empfindliche Stellen vorher mit Matten geschützt. Geworfen wird erst am Abend, wenn die letzten Badegäste das Wasser verlassen haben.

Von der Ostsee nach Kreuzberg

Sebastian Naumann, Leiter der Titscher-Abteilung des Vereins, brachte das Stone Skimming nach Berlin. An der Ostsee sei er „quasi mit dem Stein in der Hand aufgewachsen“, erzählt er. Irgendwann habe er am Wasser gestanden und gedacht: „Da könnte man eigentlich einen Wettkampf draus machen.“ 

Sebastian Naumann, Abteilungsleiter Titschern beim THC Franziskaner FC, bereitet sich im Sommerbad Kreuzberg auf sein Training vor. Christophe Gateau/dpa

Sebastian Naumann, Abteilungsleiter Titschern beim THC Franziskaner FC, bereitet sich im Sommerbad Kreuzberg auf sein Training vor. Christophe Gateau/dpa

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Bei seinen Recherchen stellte Naumann fest, dass es bereits eine Weltmeisterschaft in Schottland und Wettbewerbe in anderen Ländern gibt. Aus ersten Turnieren am Landwehrkanal entstand 2024 das „Berlin Titscher Masters“, zu dem inzwischen jährlich Teilnehmende aus mehreren Ländern anreisen.

Drei Sprünge für Schottland

Im Prinzenbad trainieren die Berliner aus Spaß, aber auch für die Weltmeisterschaft in Schottland. Dort kommt man ins Finale, „wenn man von seinen drei Würfen, die man hat in der Vorrunde, einen an die Black Wall wirft mit drei Aufsetzern“, wie Naumann erklärt. 

Die Titscher lassen Steine auf dem 75 Meter langen Nichtschwimmerbecken hüpfen.Christophe Gateau/dpa

Die Titscher lassen Steine auf dem 75 Meter langen Nichtschwimmerbecken hüpfen.Christophe Gateau/dpa

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Steine haben etwas „Meditatives“

Beim Titschern komme es nicht nur auf die Technik, sondern auch auf den richtigen Stein an. Die Steine sollten möglichst flach sein, gut in der Hand liegen und nicht zu scharfen Kanten haben, so Naumann. Sogar spezielle Links- oder Rechtshänder-Steine gäbe es. „Das hört sich irgendwie komisch an, aber da ist was dran“, sagt der Titscher-Sportler. 

Am Ende des Trainings werden die Steine wieder eingesammelt.Christophe Gateau/dpa

Am Ende des Trainings werden die Steine wieder eingesammelt.Christophe Gateau/dpa

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Für viele gehe es dabei nicht nur um Wettkämpfe. „Steine sammeln finden wir alle ganz schön, glaube ich“, sagt Naumann. An den Sport gehe man eher mit einem Augenzwinkern heran und habe vor allem Spaß daran, gemeinsam am Wasser zu sein und die Steine übers Becken fliegen zu lassen. Es sehe „einfach toll aus, wenn so ein Stein über das Wasser segelt.“ Dennoch: Badegäste können künftig keine Steinlandschaft im Berliner Prinzenbad erwarten, denn die Steine werden wieder eingesammelt.

Auch das Steinesammeln gehört zum Sport dazu.Christophe Gateau/dpa

Auch das Steinesammeln gehört zum Sport dazu.Christophe Gateau/dpa

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Ein Stein titscht übers Nichtschwimmerbecken im Sommerbad Kreuzberg.Christophe Gateau/dpa

Ein Stein titscht übers Nichtschwimmerbecken im Sommerbad Kreuzberg.Christophe Gateau/dpa

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