Sinkende Umsätze drücken die Stimmung in MVs Handwerk
Explodierende Preise, fehlende Hoffnung auf Besserung und ein „fatales Signal“ aus Berlin: Eine aktuelle Umfrage der beiden Handwerkskammern im Nordosten ist ernüchternd.
Das Geschäftsklima sinkt laut den Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern. (Symbolbild)Marijan Murat/dpa
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Steigende Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten drücken auf die Stimmung in Mecklenburg-Vorpommerns Handwerk. Die Lage ist laut jüngster Konjunkturumfrage zunehmend angespannt, wie die beiden Handwerkskammern in MV mitteilten. Rund 45 Prozent der 900 befragten Betriebe meldeten in den ersten drei Monaten dieses Jahres weniger Umsätze als im Vorquartal.
„Signalisierte die Herbstumfrage bei den Betrieben noch Hoffnung auf eine positive Trendwende, so sprechen die Zahlen der Frühjahrsumfragen beider Handwerkskammern leider eine ganz andere Sprache“, sagte der Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Axel Hochschild. Ein wirtschaftlicher Aufschwung sei laut Umfrage nicht in Sicht.
Hohe Einkaufs- und Materialpreise
88 Prozent der Betriebe hätten über explodierende Einkaufs- und Materialpreise geklagt, im Vorjahr seien es noch 75 Prozent gewesen, so die Kammern. Die Folge: Etwa jeder zweite Betrieb habe die Verkaufspreise anpassen müssen. Dies schmälere die Erträge und führe dazu, dass Investitionen häufiger zurückgestellt würden.
Stabil sei die Zahl der neuen Ausbildungsverträge und Beschäftigten. Letztere seien im Handwerk das wichtigste Kapital der Unternehmen, betonte der Präsident der Handwerkskammer Schwerin, Uwe Lange. „Bevor Personal abgebaut wird, spart man lieber an anderer Stelle, zum Beispiel bei Investitionen.“
Kammern: Entlastungsprämie ist falsches Signal
Kritik von den Handwerkskammern gibt es an der von der Bundesregierung initiierten Entlastungsprämie. Sie sei ein „fatales Signal“ an die Unternehmen. In MV gebe es rund 19.000 Handwerksbetriebe mit rund 112.000 Beschäftigten. Würde eine solche Prämie an alle ausgezahlt werden, wäre dies eine hohe Summe – „die wir ganz einfach nicht haben“, wie Hochschild sagte.
Die Bundesregierung hatte wegen des stark gestiegenen Ölpreises infolge des Irankriegs in Aussicht gestellt, dass Arbeitgeber im laufenden Jahr eine steuer- und abgabenfreie Prämie von bis zu 1.000 Euro auszahlen können. Nach aktuellem Stand soll dies aber nicht verpflichtend sein.