Sachsen erinnert an Ende des Zweiten Weltkrieges
Wider das Vergessen: Der Jahrestag des Kriegsendes 1945 soll nicht aus dem Gedächtnis verschwinden. Darin sind sich viele einig. Landtag und Regierung laden zu einer Gedenkstunde ein.
Die Linken sehen den Jahrestag des Kriegsendes 1945 als fortwährende Verpflichtung zur Erinnerung. (Symbolbild)Frank Hammerschmidt/dpa
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Der Sächsische Landtag und Parteien erinnern an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 81 Jahren und begehen den 8. Mai als Tag der Befreiung. „Dieser Tag markiert das Ende von Terror, Krieg und Vernichtung in Europa. Dieses verbrecherische Regime musste beendet werden, damit auch die unmenschliche Gewalt und das unfassbare Leid, das von ihm ausgingen, endeten“, betonte Landtagspräsident Alexander Dierks.
Befreiung Deutschlands gelang nicht aus eigener Kraft
Der Parlamentspräsident erinnerte daran, dass die Befreiung Deutschlands nicht aus eigener Kraft gelang, sondern nur dank der alliierten Mächte, die dafür einen hohen Preis zahlten. „Auf die Befreiung vom Nationalsozialismus folgte für die Menschen in der sowjetischen Besatzungszone allerdings die Unfreiheit des Sozialismus. Erst mit der Friedlichen Revolution 1989 endete diese zweite Diktatur auf deutschem Boden.“
Dierks: Diktaturen entstehen nicht über Nacht
Dierks fand mahnende Worte: „Wir dürfen die Geschichte aber nicht nur vom Ende her sehen: Wir müssen uns auch immer wieder die Anfänge bewusstmachen. Es begann schleichend mit Verschwörungserzählungen, Hass, Gewalt und der Verachtung demokratischer Regeln. Diktaturen entstehen nicht über Nacht, Demokratien sterben nicht mit einem großen Knall – diese Erkenntnis ist auch für das Heute wichtig.“
Nach den Worten des Landtagspräsidenten geht es darum, sich autoritärem und menschenverachtendem Denken und Handeln entgegenzustellen - „wo immer es uns begegnet. Demokratie und Freiheit sind es wert, täglich geschützt und verteidigt zu werden – an Gedenktagen, aber vor allem im Alltag.“
Gedenkstunde von Landtag und Regierung
Landtag und Regierung halten am Freitag in der Staatskanzlei eine Gedenkstunde ab. Neben Dierks und Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wird auch der frühere Bundespräsident Joachim Gauck sprechen. Der 8. Mai ist seit vergangenem Jahr auf Beschluss des Sächsischen Landtags ein offizieller Gedenktag in Sachsen. Er kam auf Vorschlag der Linken zustande.
Linke sehen im 8. Mai eine fortwährende Verpflichtung
Die Linken sehen im Jahrestag des Kriegsendes 1945 eine fortdauernde Verpflichtung. „Der 8. Mai ist der Auftrag, gegen das Vergessen und für Demokratie einzutreten! Ein Ende dieser Aufgabe ist nicht abzusehen“, teilte die Parteispitze mit. Dieser Tag brauche nicht weniger, sondern mehr Erinnerung - zumal die Zahl der Überlebenden schwinde. Wer die Erinnerung einschränke, gefährde die demokratische Bildung künftiger Generationen. „Deshalb müssen Gedenkorte sicher finanziert und zeitgemäß ausgestattet werden.“
Linke: „Alle Menschen sind gleichermaßen wertvoll“
Nach Ansicht der Linken muss die Erinnerung an die Gräuel, die vom faschistischen Deutschland ausgingen, leben – so wie die Erinnerung an jene, die sie beendeten. „Unsere Verpflichtung lautet, dafür zu sorgen, dass die extreme Rechte niemals wieder Einfluss auf die Gesetzgebung bekommt. Alle Menschen sind gleichermaßen wertvoll. Wir dürfen es niemals zulassen, dass dieser Grundsatz relativiert wird.“ Das Denken, das Auschwitz möglich machte, sei präsent und müsse mit allen demokratischen Mitteln bekämpft werden.
Sozialministerin Köpping: 8. Mai ist Appell für die Gegenwart
Auch die sächsische Sozialministerin Petra Köpping (SPD) warb dafür, die Auseinandersetzung mit den im Zweiten Weltkrieg begangenen Verbrechen fortzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. „Der 8. Mai steht nicht nur für das Ende von Krieg und Gewaltherrschaft, sondern auch für die Befreiung Deutschlands und Europas vom Nationalsozialismus. Zugleich ist er ein eindringlicher Appell für die Gegenwart: Demokratie muss aktiv geschützt werden, bevor sie schleichend ausgehöhlt wird.“
Köpping zufolge sind Frieden, Freiheit und Menschenrechte keine Selbstverständlichkeiten, sondern brauchen Engagement, Solidarität und eine starke Zivilgesellschaft, die sie schützen. Es sei Aufgabe des Staates, sichere und gute Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. „Diese Aufgabe nehmen wir ernst und sind uns der besonderen Verantwortung in diesen Zeiten vielfältiger Krisen bewusst. Der Spaltung der Gesellschaft setzen wir Dialog, Bildung und soziale Gerechtigkeit entgegen und wir besinnen uns auf unsere gemeinsamen Werte.“