SLUB erhält Nachlass von DDR-Kochbuchautorin Winnington
Vom handgeschriebenen Familienkochbuch bis zu Leserbriefen: Ursula Winningtons Nachlass ist künftig in Dresden für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich.
Ursula Winnington schrieb acht Kochbücher. (Archivbild)Monika Skolimowska/dpa
© Monika Skolimowska/dpa
Der Nachlass der DDR-Kochbuchautorin Ursula Winnington wird kurz vor ihrem ersten Todestag Teil des Deutschen Archivs der Kulinarik in Dresden. Maraike Wittbrodt und Lilly Böhm, Tochter und Enkelin der Autorin, übergaben den Nachlass der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) als Schenkung. Das teilte die Bibliothek mit.
Zum Nachlass gehört die mehr als 150 Bücher umfassende Kochbuch- und Arbeitsbibliothek von Ursula Winnington. Auch ein handschriftliches Kochbuch ihrer Großmutter aus dem 19. Jahrhundert zählt dazu, mit dem Winnington ihre Kochleidenschaft entdeckte. Zudem erhielt die SLUB zahlreiche ihrer Publikationen seit 1964, beispielsweise in den Zeitschriften „Das Magazin“, „Guter Rat“ und „Sibylle“, sowie Leserbriefe und umfangreiche Korrespondenz aus den Jahren 1971 bis 1999. Diese führte sie zum Beispiel mit dem VEB Exzellent Dresden, dem Hersteller der beliebten Worcestersauce.
Kochbuchautorin veröffentlichte mehr als 1.250 Rezepte
Winnington starb im Mai 2015 im Alter von 96 Jahren in Berlin. Mehr als 1.250 Rezepte hatte sie veröffentlicht. Es gibt acht Kochbücher sowie eine Sammlung der Rezepte und Kolumnen. Winningtons letztes Buch erschien 2012. Darin finden sich Rezepte etwa für Mecklenburger Götterspeise oder französisches Boeuf Bourguignon.
„Das Archiv ist eine bedeutende Quelle für vielfältigste Forschung und hochinteressant für Freundinnen und Freunde der schönen Kunst des Kochens“, sagte Lilly Böhm laut Mitteilung. Ihrer Großmutter hätte es sehr gefallen, dass sich ihr Nachlass nun bei jenen des DDR-Fernsehkochs Kurt Drummer und des deutschen Gastronomiekritikers Wolfram Siebeck befinde. „In ihren Kochbüchern und Rezept-Kolumnen mit charmanten kulturhistorischen Ausflügen in die ferne Welt zeigt sich eine ostdeutsche Lebensart, die gängige Bilder bereichern wird.“
Bedeutende Zeugnisse zur Kochkunst in der DDR
Das Deutsche Archiv der Kulinarik begründete die SLUB 2022 gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden. Mit der Schenkung könne man weitere bedeutende Zeugnisse zur Geschichte der Kochkunst der DDR aufnehmen, sagte Generaldirektorin Katrin Stump.
Der Nachlass wird den Angaben nach nun bibliothekarisch erschlossen und für die Recherche zugänglich gemacht. Die Bücher sollen im „FoodStudio“ der SLUB Dresden öffentlich präsentiert werden.