dpa

Rollende Arztpraxen in Brandenburg?- Rezept mit Hindernissen

Hausarzt gesucht: In Brandenburg fehlen Allgemeinmediziner vor allem in den ländlichen Regionen. Mobile Hausärzte gelten als Option. Was spricht dafür, was dagegen?

Von dpa

11.07.2026

Was tun, wenn Hausarztpraxen auf dem Land fehlen? Dazu gibt es in Brandenburg bereits Überlegungen. (Archivbild) Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Was tun, wenn Hausarztpraxen auf dem Land fehlen? Dazu gibt es in Brandenburg bereits Überlegungen. (Archivbild) Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

© Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Die Idee mobiler Hausarztpraxen für Brandenburg könnte aus Sicht des Gesundheitsministeriums ein Mittel gegen Ärztemangel sein - allerdings sind noch Fragen offen. Sie könnten insbesondere in strukturschwächeren Regionen eine Option sein, um in die künftige Ausrichtung regionaler Gesundheitsversorgung einbezogen zu werden, teilte das Ministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. Doch was als sinnvolles und flexibles Rezept klingt, birgt Hürden.

„Allerdings ist zu bedenken, dass bei rund 20 Prozent unbesetzter Hausarztsitze in Brandenburg jeder fahrende Hausarzt zusätzlich in seiner Praxis fehlen würde“, erklärt das Ministerium. Denn Ärztinnen und Ärzte müssten mit der mobilen Hausarztpraxis zum Teil weite Strecken zurücklegen.

Brandenburg bundesweit vorn bei Patienten pro Hausarzt

In Brandenburg musste eine Hausärztin oder ein Hausarzt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr 1.436 Menschen versorgen - das war bundesweit Spitze. In Bayern versorgt ein Hausarzt demnach 1.114 Patienten, das ist fast ein Viertel weniger. Regionen wie Jüterbog, Spremberg und Guben sind nach Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg besonders schlecht mit Hausärzten versorgt.

Doch es gibt noch mehr Gründe, die gegen rollende Arztpraxen sprechen könnten. „Auch mit Blick auf die notwendige Einhaltung hygienischer Anforderungen erscheint fraglich, ob dies zuverlässig gewährleistet werden könnte“, erklärt das Gesundheitsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage des BSW-Abgeordneten Sven Hornauf. Auch sei offen, wie mehrere Patienten bei einer parallelen Behandlung in abgetrennten Bereichen behandelt werden könnten. 

Ärztekammer: Rollende Arztpraxen sind nicht zulässig

Der Landesärztekammer Brandenburg sind derzeit keine mobilen Hausarztpraxen im Land bekannt. Sie sieht rechtliche Hürden dafür: „Eine ärztliche Versorgung im Umherziehen ist nach der Berufsordnung sowie dem Heilberufsgesetz ohnehin nicht zulässig“, teilte die Kammer auf Anfrage mit. Die Option mobiler Hausarztpraxen ist nach Einschätzung des Ministeriums allerdings „rechtlich nicht grundsätzlich unmöglich“.

Der BSW-Abgeordnete Hornauf dringt auf Lösungen: „Regionen dürfen keine weißen Flecken bilden oder in der Grundversorgung medizinisch ausbluten.“ Wenn keine stationären Lösungen wegen eines Ärztemangels möglich sei, kämen folglich Formen der mobilen Versorgung in Betracht.

Arztpraxis in Gemeinderäumen

Das Gesundheitsministerium bringt aber noch eine andere Möglichkeit ins Spiel: Der Ausbau von Praxen in Gemeinderäumen als Zweigpraxen von Ärztinnen und Ärzten mit Unterstützung der Kommunen könne die Möglichkeit für verlässliche Präsenz ärztlicher Versorgung schaffen, heißt es in der Antwort. Sie könnten feste Anlaufzeiten und parallele Betreuung von Patienten bieten, Telemedizin integrieren und Modelle der Zusammenarbeit ermöglichen.

Karte