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Untersuchung: tote Robben teils mit merkwürdigen Spuren

Behörden und Wissenschaftler in MV widmen sich der Frage, wie mehrere Robben an der vorpommerschen Küste verendet sind - erneut. Neue Untersuchungen fördern teils Ungewöhnliches zutage.

Von dpa

31.07.2026

Erneut hat das Deutsche Meeresmuseum tote Robben untersucht. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

Erneut hat das Deutsche Meeresmuseum tote Robben untersucht. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

© Stefan Sauer/dpa

Die Untersuchung der seit Mai an der vorpommerschen Küste gefundenen toten Robben hat teils ungewöhnliche Ergebnisse zutage gefördert. Einer im Südosten Rügens gefundenen Robbe fehlte nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums vollständig der Kopf. Wegen der glatten Kante der Haut im Hals- und Kehlenbereich gehen die Experten davon aus, dass ein Mensch den Kopf abgetrennt hat. Ob dies vor oder nach dem Tod des Tieres geschah und wieso, sei unklar, sagte eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums.

Insgesamt sehen die Experten bei vier von zehn untersuchten Robben Anzeichen für Einwirkungen durch Menschen. Da alle untersuchten Tiere bereits stark verwest seien, sei unklar, ob diese vor oder nach dem Tod erfolgten. Laut Bericht hält es das Deutsche Meeresmuseum für möglich, dass diese vier Tiere Beifang und damit der Fischerei zum Opfer gefallen sind.

Bei vier weiteren Tieren ist eine unbekannte Todesursache vermerkt, bei einem weiteren Tier eine Tumorerkrankung und bei einer anderen Robbe schließlich Unterernährung und hohes Alter.

Backhaus: keine Vorverurteilung

An der Nordost-Küste Mecklenburg-Vorpommerns sind seit Anfang Mai 20 tote Robben registriert worden. Die Fundorte konzentrierten sich vor allem auf die südöstliche Küste der Insel Rügen - vereinzelt seien Tiere auch an der Außenküste Usedoms und im Greifswalder Bodden entdeckt worden, hatte das Umweltministerium vergangene Woche mitgeteilt.

Zehn Tiere konnten wegen ihres Zustands oder der Fundumstände nicht geborgen werden, wie das Ministerium nun mitteilte. 

Die jüngsten Untersuchungsergebnisse zeigten, „dass wir jeden einzelnen Fund sorgfältig und ohne Vorverurteilungen bewerten müssen“, erklärte Umweltminister Till Backhaus (SPD). „Hinweise auf mögliche menschliche Einwirkungen nehmen wir sehr ernst und werden sie gemeinsam mit den zuständigen Fachbehörden weiter auswerten.“ Auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse wäre es seiner Aussage nach weder fachlich gerechtfertigt noch verantwortungsvoll, die Küstenfischerei Mecklenburg-Vorpommerns unter Verdacht zu stellen.

Grundsätzlich mehr Totfunde im Frühjahr und Sommer

Das Deutsche Meeresmuseum will abgleichen, ob sich in diesem Jahr mehr lebende Robben im Gebiet aufhalten. Auch solle geprüft werden, ob es sich um eine Häufung von Funden handelt. Zudem stünden auch noch virologische Untersuchungen aus.

„Grundsätzlich kommt es im Frühjahr und Sommer an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns zu mehr Totfunden als im Herbst und Winter“, erklärte Lisa Klemens, Biologin des Deutschen Meeresmuseums. „Ein Grund dafür ist, dass sich in dieser Zeit mehr Kegelrobben in unseren Küstengewässern aufhalten.“ Zudem handele es sich um die kritische Phase für Jungtiere. „Kegelrobben werden nach einer etwa zweiwöchigen Säugezeit von ihrer Mutter verlassen und müssen selbstständig lernen zu jagen. In dieser Lebensphase ist die natürliche Sterblichkeit mit rund 50 Prozent vergleichsweise hoch.“

Die Zahl der jüngsten Todesfunde erreiche zumindest längst nicht die Ausmaße vom Herbst 2024 als im Oktober in kurzer Zeit mehr als 40 tote Robben an Rügens Küste gefunden worden waren. Ein natürlicher Tod wurde nach damaligen Untersuchungen ausgeschlossen. Laut Experten des Deutschen Meeresmuseums gab es Hinweise darauf, dass die Robben ertrunken sind, etwa in einem Netz oder einer Reuse.

Gerichtsprozess wegen Totfunden von 2024 steht noch an

Die Staatsanwaltschaft Stralsund hatte Anfang dieses Jahres nach langwierigen Ermittlungen schließlich mitgeteilt, dass Strafbefehle gegen zwei Fischer erlassen worden seien. Sie macht die zum Zeitpunkt der Mitteilung 43 und 66 Jahre alten Männer von der Insel für den Tod von mindestens fünf der geschützten Tiere im Herbst 2024 verantwortlich. Sie hätten keine Schutzmaßnahmen dagegen ergriffen, dass wiederholt Kegelrobben auf Nahrungssuche in ihre Schwimmreuse schwammen und darin erstickten. Weil beide Einspruch gegen die Strafbefehle samt Geldstrafen einlegten, steht eine Gerichtsverhandlung an, die aber bis zuletzt noch nicht terminiert war.

Vergangene Woche hatte das Umweltministerium erklärt, alle in diesem Jahr aufgestellten Reusen verfügten über die durch das Umweltministerium vorgeschriebenen Einschwimmsperren zum Schutz von Robben. Kontrollen durch die Fischereiaufsicht bestätigten dies. Hinweise auf Robbenbeifänge lägen der Fischereiaufsicht bislang nicht vor.

Laut den Experten des Deutschen Meeresmuseums geben die jüngsten Untersuchungen allerdings Hinweise, dass den Tieren teils doch Fischereigeräte zum Verhängnis geworden sein könnten. Angedaute Fischreste bei einer Robbe und Speisereste in der Speiseröhre bei einer weiteren Robbe legten etwa nahe, dass die Tiere kurz vor ihrem Tod gefressen haben. Eine dieser Robben, die zudem sehr gut ernährt gewesen sei, habe zudem Hämatome aufgewiesen, die etwa von einer Reuse stammen könnten.

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