Organisatoren gehen gegen Verbot von Punk-Camp auf Sylt vor
Der Kreis Nordfriesland stoppte die Pläne für ein weiteres Punk-Protestcamp – er zweifelt am politischen Charakter. Die Organisatoren sehen das anders und zeigen sich zuversichtlich.
Seit 2023 ist das Camp auf Sylt auf dem Tinnumer Festplatz untergebracht. (Archivbild)Lea Albert/dpa
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Die Organisation „Aktion Sylt“ hat Widerspruch gegen einen Bescheid des Kreises Nordfriesland eingelegt, der das Punk-Protestcamp auf Sylt in diesem Jahr ablehnt. „Der Widerspruch des Veranstalters hat keine aufschiebende Wirkung gegen unseren Feststellungsbescheid“, teilte eine Sprecherin des Kreises Nordfriesland der Deutschen Presse-Agentur mit. Der Veranstalter habe nun die Möglichkeit, beim Verwaltungsgericht in Schleswig dagegen im Eilverfahren zu klagen.
Punk-Protestcamp: Organisatoren sind zuversichtlich
„Unser Anwalt prüft das jetzt, er hat den Widerspruch rausgeschickt und Akteneinsicht beantragt. Er prüft das jetzt und dahingehend werden wir unsere weiteren Schritte planen“, sagte einer der langjährigen Camp-Organisatoren der dpa. Die Gruppe plant demnach einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht einzureichen, um ihr vierwöchiges, für den 19. Juli bis 16. August 2026 geplantes Projekt auf der Insel umzusetzen.
„Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Verwaltungsgericht in unserer Argumentation folgen wird“, sagte er. Er gehe fest davon aus, dass die Organisation ihre Pläne erfolgreich durchsetzen wird. In manchen Punkten könnte der Kreis seiner Einschätzung nach milder sein und Entgegenkommen zeigen – beispielsweise, indem er die Versammlungsdauer von aktuell vier Wochen begrenzt.
Kreis: Meinungsäußerung steht nicht im Vordergrund
Für ein Punk-Protestcamp in Tinnum auf Sylt hatten die Camp-Organisatoren zuletzt einen Antrag gestellt, den der Kreis aber ablehnte. Einen entsprechenden Feststellungsbescheid erließ der Kreis eigenen Angaben zufolge am 21. April. Nach Auffassung des Kreises handelt es sich bei dem Camp nicht um eine Versammlung im Sinne des Versammlungsfreiheitsgesetzes.
Grund sei demnach, dass das gemeinsame Campen, nicht aber die gemeinsame Meinungskundgabe im Vordergrund stehe, teilte der Kreis mit. Das Camp sei überwiegend ein Schlaf- und Versorgungscamp und nicht hauptsächlich eine Versammlung zur gemeinsamen politischen Meinungsäußerung.
Punk-Camp auf Sylt im vierten Sommer
Mit dem 9-Euro-Ticket waren im Sommer 2022 zahlreiche Punks aus ganz Deutschland nach Sylt gereist und hatten unter anderem mit ihrem Protestcamp bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Damals campierten rund 100 Punks in Zelten vor dem Rathaus in Westerland. Seit 2023 ist das Camp weiter außerhalb auf dem Tinnumer Festplatz untergebracht.