Niedrigwasser in der Schmalwasser-Talsperre mit Folgen
Nach Trockenperioden ist der Wasserstand in der Schmalwasser-Talsperre niedrig. Deshalb stehen nicht nur Turbinen in Erfurt still.
Weniger Wasser aus der Schmalwasser-Talsperre für den Fluss Apfelstädt. (Archivbild)Michael Reichel/dpa
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Die Schmalwasser-Talsperre bei Tambach-Dietharz (Kreis Gotha) ist nach Trockenperioden derzeit mit rund 9,8 Millionen Kubikmetern Wasser nur etwa zur Hälfte gefüllt. Damit sei es in diesem Jahr nicht möglich, den Wasserstand im Fluss Apfelstädt über die Mindestmenge hinaus mit Talsperrenwasser aufzufüllen, teilte die Thüringer Fernwassergesellschaft mit.
Die Apfelstädt ist etwa 34 Kilometer lang und mündet bei Molsdorf in den Fluss Gera. Auch die Turbinen in Erfurt, die über die sogenannte Westring-Kaskade mit Wasser aus der Talsperre angetrieben wurden, könnten nicht betrieben werden.
Minister: Vorrang für Trinkwasserversorgung
„Die Trinkwasserversorgung der Thüringerinnen und Thüringer durch unsere Talsperren hat oberste Priorität“, erklärte Umweltminister Tilo Kummer (BSW) auf Anfrage. „Deswegen stehen die Turbinen zur Energieerzeugung an der Westring-Kaskade schon seit April durchgehend still.“ Auch eine zusätzliche Wasserbereitstellung für die Apfelstädt sei nicht mehr möglich.
Laut Kummer greift eine Vereinbarung, nach der eine zusätzliche Auffüllung des Flusses nur bei hoher und anhaltender Zuflusssituation für die Schmalwasser-Talsperre erfolgen könne. „Leider erleben wir derzeit das Gegenteil. Die zunehmende Trockenheit wirkt sich nicht nur auf die Apfelstädt, sondern auf die meisten Gewässer Thüringens aus“, äußerte der Minister.
Wasserstand in der Ohra-Talsperre verbessert
Die Situation an der Apfelstädt, die oft nur wenig Wasser führt, ist seit Jahren ein Streitpunkt. Eine Bürgerinitiative hatte einen Grund darin gesehen, dass Wasser der Schmalwasser-Talsperre über das Fernwassersystem der Westring-Kaskade in Richtung Erfurt abgegeben wurde. Die Initiative hatte sich dafür eingesetzt, dass mehr Talsperrenwasser in den kleinen Fluss fließt.
Laut Thüringer Fernwasserversorgung wurde der Betrieb der Westring-Kaskade bereits seit dem Sommer 2025 erheblich reduziert und zeitweise sogar vollständig eingestellt. Derzeit sei die Fernwasserleitung außer Betrieb. Durch einen Verbund mit der Ohra-Talsperre bei Luisenthal (Kreis Gotha) sei der Füllstand dieser wichtigen Trinkwassertalsperre verbessert worden. Insgesamt seien durch die Trockenperioden wasserwirtschaftliche Handlungsspielräume zunehmend eingeschränkt, so das Landesunternehmen.
Wasser-Initiative im Bundesrat
Im Bundesrat unterstützten laut Ministerium die anderen Bundesländer am Freitag eine Thüringer Initiative zur Wasserversorgung. Der Bund sei aufgefordert worden, mehr EU-Geld im Zeitraum 2028 bis 2034 zu berücksichtigen, um unter anderem Wasserwerke und Speicher zu modernisieren.
„Sinkende Grundwasserstände, geringere Zuflüsse zu unseren Trinkwasser‑Talsperren und die Belastung durch Starkregen bedrohen die Versorgungssicherheit“, erklärte Kummer. Thüringen werde ein „Landesprogramm Wasserressourcen“ erarbeiten, kündigte er an. „Doch wir brauchen zusätzliche Fördermittel der EU und dafür die Unterstützung des Bundes.“