Neue Ermittlungsgruppe sucht Viehdiebe - Mehr Kontrollen
Mehr als 230 Rinder verschwinden, Bauern schlafen aus Sorge kaum noch. Steckt eine organisierte Bande hinter den Vieh-Diebstählen? Die Polizei reagiert mit Kontrollen - und schaut auch nach Osteuropa.
Die Polizei fahndet mit der Ermittlungsgruppe „Weide“ nach den Rinder-Dieben, die vor allem in Südbrandenburg zugeschlagen haben. Frank Hammerschmidt/dpa
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Mehr als 230 verschwundene Rinder, große Sorgen bei Landwirten: Nach einer Serie von Vieh-Diebstählen in kurzer Zeit verstärkt Brandenburg die Kontrollen von Viehtransporten - auch mit Unterstützung aus Polen und an Grenzübergängen. Das kündigte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) bei einem Treffen mit Landwirten in einem betroffenen Agrarbetrieb in Herzberg (Elster) an. Möglicherweise habe sich eine Tätergruppe in Osteuropa oder sogar auch außerhalb der EU darauf spezialisiert, diese Taten zu begehen.
Die Sorge vor weiteren Rinder-Diebstählen von Weiden und aus Ställen ist groß. Eine ähnliche Serie hatte es bereits vor etwa zehn Jahren gegeben. Die Polizei richtete die Ermittlungsgruppe „Weide“ ein, um die Taten aufzuklären. „Das ist keine leichte Aufgabe (...)“, sagte Polizeipräsident Oliver Stepien.
„Immer mehr Angst“
Für betroffene Landwirte ist die Situation belastend. Sie schildern, dass sie nachts kaum noch Schlaf finden. Der Vorstand der Agrargenossenschaft Gräfendorf, Olaf Kupfer, sagte: „Man hat im Prinzip immer mehr Angst jetzt.“ Der Betrieb mit insgesamt 2.100 Rindern hat 71 wertvolle Zuchttiere verloren. „Man kommt auf den Hof und ist froh, wenn alles da ist“, sagte er mit Blick auf Vieh-, aber auch Technikdiebstähle. Die Täter seien vermutlich nachts mit dem Sattelschlepper zum Stall gekommen. „Die haben sich genau ausgekannt.“
Landwirt Volker Naschke aus Vetschau in der Spreewald-Region hatte schon vor etlichen Jahren Vieh-Diebstähle zu verkraften. „Es ist eine Katastrophe“, sagte er. Finanziell sei es ein Desaster, aber auch emotional.
Polizei berät Betriebe
Die Polizei berät nun auch mit gefährdeten Agrarbetrieben, wie sie den Schutz vor Viehdieben etwa mit technischen Mitteln wie Lichtschranken oder Kameras und mehr Kontrollgängen erhöhen können. Minister Redmann betonte: „Es ist unmöglich, jede Koppel in Brandenburg mit einem Streifenwagen zu versehen.“
Die Polizei werde vor allem Viehtransporte nachts und am frühen Morgen kontrollieren, „um künftige Diebstähle dieser Größenordnung möglicherweise auf frischer Tat auch aufklären zu können“, sagte Redmann. Zudem gebe es mit der polnischen Polizei einen Austausch, um in der Grenzregion Viehtransporte in den Blick zu nehmen.
Sechsstelliger Schaden
Seit März gab es vier Fälle von Rinder-Diebstahl von Weiden und aus Ställen, überwiegend im südlichen Brandenburg. Es seien insgesamt 233 Rinder gestohlen worden, sagte Redmann. Der Gesamtschaden beträgt ihm zufolge 337.000 Euro. „Man sieht, das ist eine Größenordnung, die für die einzelnen Betriebe existenzgefährdend wird.“
Agrarministerin Hanka Mittelstädt (links) und Innenminister Jan Redmann (ganz rechts) trafen sich nach den Vieh-Diebstählen zu Beratungen mit Landwirten. Frank Hammerschmidt/dpa
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Agrarministerin Hanka Mittelstädt (SPD) sagte, es sei davon auszugehen, dass die gestohlenen Tiere weiter zur Zucht genutzt werden sollen oder auch in die Schlachtung gingen. Sie hält es auch für denkbar, dass Kriminelle mittels Schadsoftware etwa in Rinder-Datenbanken eindringen, weil dort Halter und Ortschaften ausgekundschaftet werden können, wie sie sagte.
Bauernverband vermutet Profis
Der Landesbauernverband geht von professionell agierenden Tätern aus, die nachts viele Tiere in einen Viehtransporter laden. Bauernpräsident Henrik Wendorff sagte, die Viehdiebe müssten den Umgang mit Rindern und ihre Besonderheiten kennen. Möglicherweise seien zuvor auch per Drohne Aufnahmen von Herden in abgelegenen Gebieten gemacht worden.
„Die Ermittlungen hier auf dem Land (...) gestalten sich dann schon recht schwierig“, sagte die Sprecherin des Polizeipräsidiums, Beate Kardels. Es würden Reifenspuren ausgewertet und geprüft, ob es Videoüberwachung gegeben habe. Auch mögliche Fälle aus anderen Bundesländern sollen laut Polizei abgefragt werden.
Die Ermittler hoffen aber auch auf Hinweise aus der Bevölkerung und bitten darum, verdächtige Beobachtungen zu melden. Der Diebstahl dutzender Rinder bedeute einigen Aufwand und könne nicht ganz im Verborgenen abgelaufen sein, sagte Innenminister Redmann.
Nach mehreren Rinderdiebstählen haben Innenminister Jan Redmann (CDU), Landesbauernpräsident Henrik Wendorff und Agrarministerin Hanka Mittelstädt (SPD) einen betroffenen Betrieb besucht.Frank Hammerschmidt/dpa
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