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Versuchter Mord an Ehefrau: Angeklagter zeigt Reue

Ein 37-Jähriger steht in Kiel vor Gericht: Er soll versucht haben, seine Ehefrau mit einem Messer zu töten. Die Staatsanwaltschaft spricht von Heimtücke – doch dem Angeklagten fehlen Erinnerungen.

Von dpa

02.09.2026

Der Angeklagte weiß nach eigenen Angaben nicht mehr was bei der Tat vorgefallen sei, nachdem er das Messer gezogen habe.Christian Charisius/dpa

Der Angeklagte weiß nach eigenen Angaben nicht mehr was bei der Tat vorgefallen sei, nachdem er das Messer gezogen habe.Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Nach einem Messerangriff auf seine Ehefrau im vergangenen Jahr steht ein 37-jähriger Mann wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Kiel. Der angeklagte Afghane soll versucht haben, aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch einem Menschen das Leben zu nehmen, sagte Staatsanwältin Ulrike Nützelmann. Dafür sei er im Dezember 2025 zu der von ihm getrennt lebenden Frau nach Neumünster mit zwei Messern und einem Beil gefahren.

Er hatte das gemeinsame vierjährige Kind dabei, um seine Ehefrau dazu zu bringen, die Tür zu öffnen. Als dies nicht gelang, gab er nach Angaben der Staatsanwältin vor, auf die Toilette zu müssen. Nachdem die Frau die Tür geöffnet hatte, soll der Angeklagte unvermittelt mit einem Einhandmesser mit neun Zentimeter langer Klinge zugestochen haben – in Anwesenheit des Vierjährigen und der gemeinsamen zehnjährigen Tochter. Gleichzeitig habe er über einen Bluetooth-Lautsprecher ein Liebeslied abgespielt.

Auch als die Frau bereits am Boden lag, soll der Mann weiter auf ihren Oberkörper eingestochen haben. Sie erlitt 15 Stichverletzungen sowie Abwehrverletzungen an Hand und Arm. Zudem soll er ihr das Messer durchs Gesicht gezogen haben, um sie nach Darstellung der Staatsanwältin für andere Männer unattraktiv zu machen. Anschließend stach er sich demnach mit einem Teppichmesser mehrfach in den Hals.

Angeklagter mit Erinnerungslücke

Die Frau überlebte trotz der Verletzungen und eines massiven Blutverlusts nur, weil die Tochter aus dem Fenster um Hilfe rief und so Rettungskräfte rechtzeitig eintrafen. Motiv ist der Anwältin zufolge gewesen, dass sich die Frau im August 2025 aufgrund häuslicher Gewalt von ihm getrennt hatte und seitdem einen neuen Partner habe. Dies habe der Angeklagte nicht mit seinem Selbstbild vereinbaren können.

Der Angeklagte gab beim heutigen Prozessbeginn an, die Tat zu bereuen. „Jeden Tag, an dem ich aufwache, schäme ich mich vor mir selbst“, sagte er unter Tränen. Er wisse aber nicht mehr, was bei der Tat geschah, nachdem er das Messer gezogen hatte, erklärte er bei seiner Einlassung. Nach eigenen Angaben hatte er vor der Tat Drogen genommen. Die Tat wolle er nicht leugnen, an die Details erinnere er sich jedoch nicht mehr.

Zuvor war er nach eigenen Angaben mit drei von fünf Kindern des Paares in seinem Schrebergarten. Dann fuhr er in die Wohnung der Ehefrau, weil das vierjährige Kind nach Hause wollte. Die beiden anderen Kinder blieben im Auto, während er mit dem Kind nach oben ging, wo seine Ehefrau sowie die zehnjährige Tochter waren. Messer und Beil habe er nur mitgenommen, um einen Dornenbusch im Garten zu beschneiden. In der Wohnung geriet er mit seiner Frau in Streit. Dort ende seine Erinnerung.

Vorgeschichte

Der Angeklagte gab an, seine Frau in Afghanistan kennengelernt zu haben. Bevor sie ein Paar wurden, sei sie gegen ihren Willen verheiratet worden. Nach der Trennung von ihrem ersten Mann habe ihre Familie sie verstoßen, erklärte er. Sie verliebten sich, und er wollte sie heiraten. Dafür musste er jedoch Geld verdienen, um den Vater der Frau zu bezahlen.

Er arbeitete als Soldat, um das nötige Geld aufzubringen, und konsumierte in dieser Zeit Drogen wie Crystal Meth und Heroin. Schließlich heirateten sie nach seiner Aussage, lebten aber weiter in Angst vor ihrer Familie und flohen deshalb nach Deutschland. Ab 2015, so der Angeklagte, blieb er clean und nahm stattdessen Medikamente.

Doch auch in Deutschland gab es Probleme in der Beziehung, vor allem finanzieller Art. Immer wieder kam es zu Streit. Der Mann hielt es zunehmend nicht mehr aus und übernachtete oft im Schrebergarten. Er dachte über eine Trennung nach, die schließlich im September 2025 erfolgte. Seine Frau hatte einen neuen Partner, allerdings nur nach islamischer Tradition, nicht staatlich. Der Angeklagte zog endgültig aus.

Angeklagter: Rückfällig nach zehn Jahren

Nach der Trennung änderte sich das Verhältnis. Besonders die Kinder spürten, dass er nicht mehr zu Hause war. Sie erzählten ihm, die Mutter schlage sie. Daraufhin ging er mit ihnen zur Polizei, wie er vor Gericht schilderte. Die Frau erhob daraufhin ihrerseits Vorwürfe gegen ihn, und es wurde eine Gewaltschutzverfügung erlassen.

Der ständige Streit belastete ihn so sehr, dass er nach zehn Jahren wieder zu Drogen griff. Er überlegte, sein Auto zu verkaufen, um seiner Frau Geld zu geben, damit sie ihn in Ruhe lasse. Am Tattag war er mit den drei Kindern im Schrebergarten und wollte ein Lagerfeuer machen. Während die Kinder spielten, nahm er unbeobachtet Kokain. Später fuhr er, nach eigenen Angaben auf Wunsch seines vierjährigen Kindes, mit ihnen zur Mutter, wo es dann zum Streit kam. 

Richterin: Erinnerungslücken schwer zu glauben

Die Richter hingegen halten die Erinnerungslücke genau bei der Tat für wenig plausibel. „Bisschen schwer zu glauben, dass sie Erinnerungslücke genau da haben, wo sie auf ihre Frau losgegangen sind“, sagte die Vorsitzende Richterin Irina Tsukida. Zudem schildere die angegriffene Frau die Tat ganz anders.

Warum dies so sei, wolle der Angeklagte nach eigenen Angaben nicht beurteilen. Er betonte: „Ich möchte die Tat nicht leugnen“. Neben dem heutigen Prozessauftakt sind sechs weitere Verhandlungstermine geplant. Das Urteil soll voraussichtlich am 29. September fallen.

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