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Mehr Notfälle in Kliniken - wen die Hitze besonders trifft

Dehydrierung, Schwindel, Kreislaufbeschwerden - die Hitzewelle führt mehr Patienten in Notaufnahmen der Kliniken. Besonders ältere und pflegebedürftige Personen sind betroffen.

Von Christine Schultze und Andrea Löbbecke, dpa

26.06.2026

Die Hitze macht vulnerablen Gruppen wie älteren Menschen in Pflegeheimen und mit Vorerkrankungen zu schaffen. (Symbolbild)Daniel Karmann/dpa

Die Hitze macht vulnerablen Gruppen wie älteren Menschen in Pflegeheimen und mit Vorerkrankungen zu schaffen. (Symbolbild)Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Angesichts der Hitzewelle behandeln Notaufnahmen und Rettungsdienste in Hessen mehr Menschen mit hitzebedingten Symptomen. In den vergangenen Tagen seien verstärkt solche Patientinnen und Patienten in die Notaufnahme in Gießen gekommen, erklärte eine Sprecherin des Universitätsklinikums Gießen und Marburg auf Anfrage. Meist litten die Betroffenen unter der sogenannten Exsikkose, einer Austrocknung des Körpers bedingt durch den Mangel an Flüssigkeit und Elektrolyten. 

„Wir hatten auch schon einen Patienten mit Hitzeschlag, dabei kann die Körpertemperatur auf über 40 Grad ansteigen“, erklärte die Sprecherin. Zumeist betreffe es Menschen, die wegen ihres Alters oder Vorerkrankungen zu den vulnerablen Gruppen zählen. Warnzeichen könnten Schwindel, Kopfschmerzen, starke Erschöpfung, Übelkeit, Konzentrationsstörungen oder Kreislaufprobleme sein. „Diese Beschwerden sollten ernst genommen werden, da sie auf eine Überlastung des Körpers durch die Hitze hinweisen können.“

Unimedizin Frankfurt sieht „gewisse Hitzeroutine“

Auch die Notaufnahme der Universitätsmedizin Frankfurt hat nach Angaben eines Sprechers in den vergangenen Tagen „sehr viele“ Patientinnen und Patienten versorgt, die wegen „saisonaler Ursachen“ in die Klinik kamen. Dazu zählt das Klinikum neben direkt hitzebezogene Notfällen auch etwa Schlaganfälle, Motorrad- und andere Unfälle oder auch Alkoholvergiftungen. 

„Wir sehen in der Notaufnahme aktuell hitzebedingte Erkrankungen auch mit schweren Ausprägungen - wie zum Beispiel Dehydrierung oder Hitzschlag“, erklärte Simon Meier, Leiter des Zentrums für Notfall- und Akutmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt. Die Betroffenen stammten überwiegend aus vulnerablen Gruppen - darunter wohnungslose und ältere Menschen sowie Kinder. 

Allerdings sei die Zahl der Patienten mit solchen direkt hitzebedingten Symptomen verglichen mit Phasen mit durchschnittlichen Sommertemperaturen nicht übermäßig erhöht, erklärte Meier. „Dies könnte auch an geeigneten Informationen durch Behörden und Medien sowie guter Vorbereitung durch Einrichtungen beziehungsweise Einzelne liegen. Es scheint nach den letzten Jahren eine gewisse Hitzeroutine eingetreten zu sein.“

Mehr Einsätze für die Retter

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) verzeichnet nach eigenen Angaben an besonders heißen Tagen regelmäßig einen Anstieg hitzebedingter Notfälle. Im Gegenzug nähmen Sport- und Freizeitunfälle teils ab, weil viele Menschen körperliche Belastungen bei großer Hitze mieden. Für die Einsatzkräfte bedeute die Hitze dennoch eine zusätzliche Belastung - einerseits durch mögliche zusätzliche Notfalleinsätze, andererseits durch die körperliche Beanspruchung im Einsatz selbst.

„Häufig sehen wir Kreislaufbeschwerden im Zusammenhang mit Hitze und Flüssigkeitsmangel“, erklärte der DRK-Landesverband Hessen. „Typisch sind etwa Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erschöpfung, niedriger Blutdruck oder auch kurzzeitige Bewusstlosigkeit.“ Bei längerem Aufenthalt in direkter Sonne könne es zudem zu einem Sonnenstich kommen. 

Auch Pflegeheimbewohner belastet

Auch den Bewohnern und Beschäftigten von Pflegeheimen setzt die Hitze zu. „Besonders gefährdet sind Pflegebedürftige, vor allem ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen oder eingeschränktem Durstempfinden“, erklärte Tim Helfert aus der Geschäftsführung der Awo gemeinnützige Gesellschaft für soziale Einrichtungen und Dienste in Nordhessen. Pflegekräfte und weitere Beschäftigte im Pflegebereich müssten zudem oft körperlich anstrengende Tätigkeiten unter hohen Temperaturen ausüben und seien deshalb belastet.

Für die Pflege sei Hitze schon immer eine Herausforderung gewesen, erklärte Helfert. „Die zunehmende Zahl und Intensität von Hitzewellen hat das Thema aber stärker in den Fokus gerückt. Viele Einrichtungen arbeiteten heute mit festen Hitzeschutzkonzepten und bereiten sich frühzeitig auf entsprechende Wetterlagen vor.“ 

Pflegeaufsicht hat Hitzeschutz im Blick

Für die hessische Betreuungs- und Pflegeaufsicht (BPA) spielt der Hitzeschutz der Einrichtungen eine entscheidende Rolle, wie eine Sprecherin betonte. Die Behörde verfüge über eine langjährige Erfahrung mit Schwerpunktprüfungen zum Hitzeschutz. 

„So sind Teams der sechs Betreuungs- und Pflegeaufsichten intensiv für Beratungen und Prüfungen vor Ort in den Einrichtungen der stationären Langzeitpflege und den besonderen Wohnformen der Eingliederungshilfe.“ Die Einrichtungen im Bundesland seien somit grundsätzlich bereits sensibilisiert, passten ihre Speisepläne an oder böten den Bewohnern kleine Aktionen wie kühlende Fußbäder und gemeinsame Trinkpausen. Bereits im Frühjahr sei den Einrichtungen zum Thema „Außergewöhnliche Hitzeperioden“ auch ein Leitfaden an die Hand gegeben worden.

Risikofaktor Hitze auch bei Vermisstenfällen 

Besonders kritisch kann die Hitze auch werden, wenn orientierungslose Menschen - etwa Demenzkranke - ihr Zuhause oder eine Pflegeeinrichtung verlassen und vermisst werden. In solchen Fällen drohe den Betroffenen noch schneller Gefahr als bei normalen Temperaturen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Gießen. Bei den täglichen Lagebeurteilungen spiele das Wetter grundsätzlich immer eine Rolle, derzeit achte man aber ganz besonders auf den Faktor Hitze.

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