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Marienhospital Stuttgart meldet Insolvenz an

Trotz Tradition und Spezialisierung ein Sanierungsfall: Die Insolvenz des bekannten Krankenhauses wirft Fragen zur Zukunft vieler Kliniken in Baden-Württemberg auf.

Von dpa

17.06.2026

Das Marienhospital ist von der Insolvenz betroffen. (Archivbild)Bernd Weißbrod/dpa

Das Marienhospital ist von der Insolvenz betroffen. (Archivbild)Bernd Weißbrod/dpa

© Bernd Weißbrod/dpa

In Zeiten finanzieller Nöte bei vielen Kliniken hat das weit über Stuttgart hinaus bekannte Marienhospital Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Stuttgart habe auf Antrag der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH die vorläufige Eigenverwaltung unter der bisherigen Geschäftsführung anordnet, teilte diese mit. „Es ist sichergestellt, dass wir unsere Patientinnen und Patienten auch weiterhin vollumfänglich an allen Standorten behandeln und wir unseren Versorgungsauftrag unverändert und in gewohnter Qualität erfüllen“, sagte Interims-Geschäftsführer Jan Schlenker laut Mitteilung. 

Die Insolvenz erstreckt sich den Angaben nach auf alle Einrichtungen der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH. Das seien neben dem Marienhospital Stuttgart die Vinzenz Klinik und die Vinzenz Therme in Bad Ditzenbach sowie die Luise von Marillac Klinik in Bad Überkingen. Die rund 3.000 Mitarbeiter der Häuser seien über die Situation und das weitere Vorgehen informiert worden.

Kritik an Gesundheitspolitik

Der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Heiner Scheffold, erklärte: „Diese Insolvenz ist ein klares Zeichen dafür, dass die Politik des Bundes selbst bedarfsnotwendige große Krankenhäuser massiv bedroht und die Trägervielfalt gefährdet.“ Das Marienhospital mit rund 760 Betten, 2.000 Mitarbeitenden und etwa 30.000 Behandlungsfällen pro Jahr sei ein zentraler Baustein der medizinischen Versorgung - für Stuttgart, die Region und weit darüber hinaus. 

„Wenn sich ein für die Versorgung derart wichtiges Krankenhaus der Zentralversorgung gezwungen sieht, Insolvenz anzumelden, dann muss dies Konsequenzen haben“, erklärte der Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg, Achim Brötel, der zugleich Präsident des Deutschen Landkreistags ist. So müssten zuallererst die massiven Kürzungen verhindert werden, die der Bundestag schon in den nächsten Tagen mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschließen wolle. 

Ein Sprecher des Landesgesundheitsministeriums erklärte: „Die finanzielle Lage der Kliniken in Deutschland hat sich in den letzten zwei Jahren zunehmend verschlechtert. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, da sie die Grundlage für eine qualitativ hochwertige und verlässliche Gesundheitsversorgung gefährdet.“ Mit der aktuell auf Bundesebene beratenen Finanzreform der Gesetzlichen Krankenversicherung werde sich die Situation weiter verschärfen. 

Folgen weitere Insolvenzen?

„Angesichts der wirtschaftlich äußerst angespannten Situation sind weitere Insolvenzen von Kliniken zu befürchten“, teilte der Sprecher weiter mit. Auch versorgungsrelevante Häuser könnten von dieser Entwicklung betroffen sein.

Ohne entschiedene Kurskorrektur in der Krankenhauspolitik würden immer mehr Krankenhäuser aufgeben müssen, sagte auch Landrat Brötel laut Mitteilung. „Dann freilich wären, rechtlich gesehen, die Kreise in der Verantwortung, die Krankenhausversorgung aufrechtzuerhalten.“ Dazu seien diese aber allein schon finanziell nicht in der Lage. „Damit steht inzwischen nicht weniger als die Funktionsfähigkeit des Krankenhauswesens insgesamt auf dem Spiel.“

Die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal haben das Marienhospital Stuttgart 1890 gegründet. In dem katholischen Krankenhaus wurde unter anderem eines der Brandopfer aus dem Schweizer Skiort Crans-Montana behandelt. Das Marienhospital ist seit 1983 ein Zentrum für Schwerbrandverletzte in Baden-Württemberg.

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