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Verfassungsschutz: Erstmals über 2.000 Rechtsextreme in MV

Rechtsextremistische Positionen greifen nach Beobachtungen der Verfassungsschützer in MV um sich. Ein Befund beunruhigt die Sicherheitsbehörden dabei besonders.

Von dpa

11.06.2026

Auch 2025 bleibt Rechtsextremismus die größte Bedrohung für die Demokratie im Nordosten, sagt Innenminister Christian Pegel (SPD).Jens Büttner/dpa

Auch 2025 bleibt Rechtsextremismus die größte Bedrohung für die Demokratie im Nordosten, sagt Innenminister Christian Pegel (SPD).Jens Büttner/dpa

© Jens Büttner/dpa

Die rechtsextreme Szene in Mecklenburg-Vorpommern ist laut Verfassungsschutz im vergangenen Jahr weiter gewachsen - und sie ist jünger geworden. Erstmals zählten die Sicherheitsbehörden mehr als 2.000 Rechtsextremisten im Land, wie Innenminister Christian Pegel (SPD) bei der Vorstellung des jüngsten Verfassungsschutzberichtes sagte. Genau seien es 2.030. Im Jahr zuvor wurden der Szene den Angaben zufolge 1.950 und noch ein Jahr davor 1.855 Personen zugerechnet. 

Besonders auffällig sei, dass immer mehr junge Menschen dazukämen, sagte Pegel. Viele von ihnen stammten aus einem bislang locker organisierten Umfeld und rutschen schrittweise in extremistische Strukturen ab. 

Große Sorgen bereite in dem Zusammenhang eine zunehmende Radikalisierung im Internet, die bis in den Schulalltag hineinwirke. „Dadurch stehen Lehrkräfte und Schulen vor immer größeren Herausforderungen, wenn es darum geht, extremistischen Tendenzen frühzeitig zu begegnen“, so der Minister. 

Partyähnliche Formate 

Die Szene nutze zudem moderne Musikstile und partyähnliche Formate, um junge Leute zu erreichen. Sie wirkten auf den ersten Blick harmlos, transportierten aber extremistische Inhalte. Der Anstieg des rechtsextremistischen Potenzials auf über 2.000 Personen sei unter anderem auf den verstärkten Zulauf junger Akteure zurückzuführen. „Ein erheblicher Teil der Szeneangehörigen ist zwischen 14 und 24 Jahre alt“, heißt es im Verfassungsschutzbericht. 

Überdies beobachten die Verfassungsschützer den Angaben zufolge eine engere Verbindung zwischen Rechtsextremismus, Kampfsport und der Hooligan-Szene. Die Zahl gewaltorientierter Rechtsextremisten sei mit 700 im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. 

Verfassungsschutz-Leiter Thomas Krense (l) und Innenminister Christian Pegel stellen den Verfassungsschutzbericht 2025 vor.Jens Büttner/dpa

Verfassungsschutz-Leiter Thomas Krense (l) und Innenminister Christian Pegel stellen den Verfassungsschutzbericht 2025 vor.Jens Büttner/dpa

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Linksextremistische Szene ist kleiner 

„Der Rechtsextremismus bleibt die größte Bedrohung für die Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern“, sagte Pegel. Die linksextreme Szene ist nach seinen Worten deutlich kleiner und im vergangenen Jahr mit rund 450 Personen weitgehend stabil geblieben (2024: 440). 

An Bedeutung gewonnen hätten ideologisch ausgerichtete Jugendgruppen mit kommunistischer Prägung, etwa die Rote Jugend Rostock. Die Zahl gewaltorientierter Linksextremisten in MV sei mit rund 200 ebenfalls etwa auf dem Niveau des Vorjahres geblieben. 

Radikalisierung im Internet - in jeder Richtung 

Radikalisierung finde immer häufiger im Internet statt, berichtete der Minister weiter. „Das betrifft alle Formen des Extremismus.“ Über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, Musik, kurze Videos, Memes oder geschlossene Chats versuchten extremistische Gruppen gezielt, vor allem junge Menschen zu erreichen und an ihre Ideologien heranzuführen. 

„Besonders gefährlich ist dabei die Mischung aus dem Gefühl dazuzugehören, bewussten Provokationen, einfachen Feindbildern und der Verherrlichung von Gewalt.“ Extremisten nutzten die digitalen Räume sehr geschickt. Die Aufgabe ist laut Minister klar: „Wir dürfen das Internet nicht sich selbst überlassen, sondern müssen dort klar Haltung zeigen.“ Prävention im digitalen Raum sei heute ein zentraler Bestandteil der Sicherheitsarbeit. 

Reichsbürger und „Großherzogtum Friedrich Maik“ 

Deutlich gestiegen ist dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr die Zahl der „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ - sie leugnen die Existenz beziehungsweise die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland. Ging der Verfassungsschutz 2024 noch von rund 690 Personen im Nordosten aus, wird die Szene jetzt auf 780 Menschen geschätzt. Straff organisiert ist sie den Erkenntnissen zufolge nicht - nur gut ein Viertel (27 Prozent) gehören demnach Gruppen oder Zusammenschlüssen an. Fast jeder Fünfte (19 Prozent) gilt als gewaltorientiert. 

Am bekanntesten ist wohl das „Großherzogtum Friedrich Maik“ mit etwa 100 Mitgliedern laut Verfassungsschutzbericht. Die Ideologie sei antisemitisch, queerfeindlich und an Verschwörungserzählungen orientiert, heißt es. Seit 2025 beanspruche die Reichsbürgerorganisation nicht nur die einstigen Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz als Staatsterritorium, sondern auch das Herzogtum Pommern und Preußen in den Grenzen von 1918. 

Islamismus 

Dem islamistischen Lager rechnet der Verfassungsschutz in MV etwa 200 Personen zu nach 180 im Jahr davor. Fast alle (190) sind demnach Salafisten. Als regionale Schwerpunkte werden Güstrow und Rostock genannt. Größere Strukturen gebe es nicht, es stünden Einzelpersonen im Fokus der Behörden. „Ihre isolierte Vorgehensweise erschwert eine frühzeitige Erkennung potenzieller Anschlagsplanungen erheblich“, heißt es im Bericht. Dem Verfassungsschutz komme hier eine zentrale Rolle als Frühwarnsystem zu. 

Die hybride Bedrohung ist real, sagt Innenminister Pegel.Jens Büttner/dpa

Die hybride Bedrohung ist real, sagt Innenminister Pegel.Jens Büttner/dpa

© Jens Büttner/dpa

Hybride Bedrohungen 

Der Verfassungsschutz beobachtet auch sogenannte hybride Bedrohungen - wobei Russland als wichtiger Akteur genannt wird. Als hybride Bedrohungen gilt die gezielte Kombination aus Spionage, Cyberangriffen, Desinformation und politischer Einflussnahme. Auch 2025 war Deutschland, und damit auch Mecklenburg-Vorpommern, Ziel solcher Aktivitäten, wie es hieß. 

Konkrete Fälle nennt der Verfassungsschutzbericht für MV nicht, jedoch gefährdete Objekte etwa für das Ausspähen - so das Marinearsenal in Rostock, den Fliegerhorst in Laage, die Marinetechnikschule Parow und die Flugabwehrgruppe 24 in Bad Sülze. Vor der Landtagswahl am 20. September wird überdies vermehrt Desinformation erwartet. Dazu kündigte Pegel die Kampagne „Wählen - aber sicher“ an.

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