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Hessen will Kirchen für Schulen und Soziales mehr öffnen

Weniger Mitglieder, weniger Einnahmen, teils mehr Sanierungsbedarf: Wie können Kirchen trotzdem erhalten werden? Welche Kritik wird im Wiesbadener Landtag laut?

Von Jens Albes, dpa

10.06.2026

Hessens Parlament in Wiesbaden hat über Kirchen debattiert - landesweit gibt es mehrere tausend. (Symbolbild)Friso Gentsch/dpa

Hessens Parlament in Wiesbaden hat über Kirchen debattiert - landesweit gibt es mehrere tausend. (Symbolbild)Friso Gentsch/dpa

© Friso Gentsch/dpa

Schwarz-Rot in Hessen dringt angesichts sinkender Mitgliederzahlen und schwindender Steuereinnahmen der Kirchen auch auf neue Konzepte für den Erhalt religiöser Gebäude. CDU-Fraktionschefin Ines Claus sagte im Wiesbadener Landtag, die rund 3.300 hessischen Kirchen prägten die Landschaft und erzählten lokale Geschichte. Sie seien Symbol des Glaubens und des Zusammenhalts. 

„Finanzielle Notlagen“

Rhetorisch fragte Claus: „Was passiert, wenn das Dorf bleibt, die Kirche aber verschwindet? Mit jedem aufgegebenen Kirchengebäude droht mehr verloren zu gehen als nur ein Bauwerk.“ Kirchen stiften nach ihren Worten Identität und geben Menschen Heimat. Zugleich gebe es „finanzielle Notlagen“ bei Kirchen. Bei vielen ist von Sanierungsbedarf die Rede.

Zwar gibt es laut Claus eine Trennung von Staat und Kirche, aber nicht von Politik und Werten. Die schwarz-rote Landesregierung wolle die Kommunen bei der Erhaltung und Sanierung von Kirchen nicht alleine lassen. Vor Ort könne auch an Synergien gedacht werden, beispielsweise wenn eine Schule für ihren Ganztagsbetrieb auch kirchliche Gemeinderäume nutzen könne.

Kultur und Bildung in Kirchen

In einem Antrag der Regierungsfraktionen von CDU und SPD heißt es in diesem Sinne: „Neben der rein kirchlich sakralen Nutzung sowie einzelnen vollständigen Umnutzungen werden künftig verstärkt Modell erweiterter Nutzungen notwendig sein, die Kirchen - und Sakralgebäude auch für soziale, kulturelle, bildungsbezogene oder gemeinwesenorientierte Zwecke öffnen.“

Die schwarz-rote Koalition dringt auf neue Konzepte für die Erhaltung religiöser Gebäude. (Symbolbild)Michael Brandt/dpa

Die schwarz-rote Koalition dringt auf neue Konzepte für die Erhaltung religiöser Gebäude. (Symbolbild)Michael Brandt/dpa

© Michael Brandt/dpa

Auch der SPD-Abgeordnete Sebastian Sack sagte, nicht alle Kirchen ließen sich künftig alleine sakral nutzen. Nötig sei hier eine Weiterentwicklung der Nutzung bei Bewahrung der religiösen Würde, beispielsweise auch im Zusammenwirken mit örtlichen Vereinen.

„Lassen wir die Kirche im Dorf!“

Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) verwies auf mögliche Subventionen bei Umbauten von Kirchen wie etwa Städtebauprogramme. Es gebe nicht die eine Lösung für alle Kirchen - jeder Fall einer zusätzlichen oder neuen Nutzung müsse einzeln vor Ort betrachtet werden.

Kirchen können laut dem Bildungsminister gerade auch für jungen Menschen Orte mit Zugängen zu Kultur und Religion sein, „etwa bei Gottesdiensten, Konzerten, Projekten oder Begegnungen“. Die Erhaltung sakraler Gebäude sei wichtig: „Lassen wir die Kirche im Dorf!“

„Die Kirchen verfügen über ein großes Vermögen“

Kritisch äußerte sich der FDP-Abgeordnete Matthias Büger. Zwar prägten Kirchen Hessen und seien nicht selten die ältesten Gebäude einer Stadt, sagte er. Zugleich gehörten nur noch weniger als die Hälfte der Bürger in Deutschland den großen Kirchen an - somit bräuchten diese tendenziell weniger Gebäude. Mit Blick auf den kostenträchtigen Sanierungsbedarf fügte Bürger hinzu: „Die Kirchen verfügen über ein großes Vermögen.“ Und Eigentum verpflichte. 

Der FDP-Parlamentarier monierte, die Kirchen befassten sich zunehmend auch mit politischen Fragen. Dies dürften sie - doch sei der „Grat zum Aktivismus“ schmal. Wenn etwa beim evangelischen Kirchentag „durchgängig gegendert“ und die Verpflegung vegetarisch und vegan ausgerichtet worden sei, dann werde die Mehrheit der Menschen nicht mehr mitgenommen. „Am Ende stimmen die Menschen mit den Füßen ab“, betonte Büger mit Blick auf die sinkenden Mitgliederzahlen in den Kirchen. 

„Steinerne Zeugen unserer Identität“

Auch der AfD-Abgeordnete Pascal Schleich gestand zwar zu, dass Kirchen „steinerne Zeugnisse unserer Identität“ seien und ihre Sanierung geboten sein könne. Zugleich warnte er ebenfalls, dass die „Zeitgeistbesessenheit der Kirchen“ die Verdrossenheit in ihrem Zusammenhang fördern könne.

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