dpa

Kiel für Bewerbung als olympischer Segelstandort

Die Kieler Bevölkerung hat sich für eine Bewerbung als Segelstandort für künftige Olympische Spiele ausgesprochen. Eine finale Entscheidung über den deutschen Bewerber fällt erst im September.

Von dpa

19.04.2026

Kiel war bereits bei den Olympischen Spielen von 1936 und 1972 Austragungsort der Segelwettbewerbe. (Archivbild)Marcus Brandt/dpa

Kiel war bereits bei den Olympischen Spielen von 1936 und 1972 Austragungsort der Segelwettbewerbe. (Archivbild)Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa

Die Bürgerinnen und Bürger von Kiel haben sich für eine Olympiabewerbung der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt entschieden. Bei dem Bürgerentscheid votierten 63,5 Prozent der Stimmberechtigten dafür, dass sich die Stadt für künftige Spiele in Deutschland als Segelstandort empfiehlt – sei es 2036, 2040 oder 2044. 

Die Wahlbeteiligung lag bei dem Entscheid bei 29,1 Prozent. Die Entscheidung über den deutschen Bewerber soll auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am 26. September getroffen werden. 

„Dieses Ergebnis ist ein starkes Zeichen und gibt uns ganz viel Power und Rückenwind“, sagte Kiels scheidender Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der im nächsten Jahr als Spitzenkandidat der SPD in den Landtagswahlkampf geht: „Heute ist nur ein Zwischenschritt. Wir müssen uns schon noch in den kommenden Wochen und Monaten richtig ins Zeug legen, damit der Bürgerentscheid etwas gebracht hat.“

Hamburgs Bürgermeister: „Starkes Signal“

Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU) ergänzte: „Das klare Votum der Kielerinnen und Kieler für Olympia in unserer Landeshauptstadt ist ein starkes Signal für Zusammenhalt, Engagement und die Sportbegeisterung in unserem Land.“

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sprach von einem „starken Signal im Wettbewerb der Regionen um die bedeutendste Sportveranstaltung der Welt“. Er setzt „auf ein ebenso positives Ergebnis im Referendum am 31. Mai in Hamburg“.

Kritik äußerte erneut der Kreisverband Kiel der Linken: „Der grün-roten Rathauskooperation ist es nicht gelungen, eine überzeugend große Mehrheit für Olympia zu begeistern und ihr selbst gestecktes Ziel von 70 Prozent Zustimmung zu erreichen.“

Neben Berlin bemühen sich Hamburg, München und die Region Rhein-Ruhr, der deutsche Kandidat zu werden. Nationaler Konkurrent von Kiel als Standort für olympische Segelregatten ist Rostock-Warnemünde.

Hamburg hat sich bereits für Kiel ausgesprochen. Sollte Berlin zum Hauptaustragungsort gewählt werden, will die Bundeshauptstadt die Segelwettbewerbe in Mecklenburg-Vorpommern austragen lassen.

In Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel fanden die Segelwettbewerbe bereits bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin und 1972 in München statt.

Günther sieht Stärkung für Tourismus und Wirtschaft

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) betonte vor dem Referendum, dass er in einer Austragung der Wettkämpfe einen „riesigen Gewinn“ für das Land sieht. So würden die Olympischen Spiele Tourismus und Wirtschaft im Norden stärken.

„Unser Vorteil mit dem Standpunkt Kiel ist, dass hier schon sehr viel Know-how, Logistik und Infrastruktur für die Ausrichtung großer Sportereignisse und Volksfeste vorhanden sind“, sagte Günther. Das olympische Konzept der Stadt stelle außerdem sicher, dass alles, was für Olympia neu entsteht, langfristig der Bevölkerung zugutekommt.

Olympia kann Entwicklung Kiels vorantreiben

Kiels künftiger Oberbürgermeister, Samet Yilmaz, misst der Olympiabewerbung zudem strategische Bedeutung bei. Sie könne den Ausbau von Infrastruktur, Mobilität und Stadtentwicklung vorantreiben. „Durch zusätzliche Mittel von Bund und Land lassen sich Projekte, die ohnehin geplant sind, schneller und besser umsetzen, ohne den städtischen Haushalt allein zu belasten“, sagte der Grünen-Politiker.

Ein Blick auf die vergangene Olympia-Austragung im Jahr 1972 zeige, was möglich ist: „Damals hat der Bund den Großteil der Kosten übernommen und Infrastruktur geschaffen, von der Kiel bis heute profitiert“, erklärte Yilmaz. Olympia dürfe kein Selbstzweck sein, sondern müsse den Alltag der Menschen spürbar verbessern. Yilmaz tritt sein Amt am 21. April an und löst damit Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) ab.