Jagd auf Wölfe – Schafhalter reagieren enttäuscht
Wenn Wölfe Schafe reißen, soll es ihnen leichter an den Kragen gehen können. Schafhalter fragen sich: Ist das wirklich so?
Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium veröffentlicht Handlungsempfehlungen zur Jagd auf Wölfe - die Schafhalter reagieren enttäuscht. (Symbolbild) Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa
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Nach der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium Empfehlungen veröffentlicht - und damit Schafhalter auf die Palme gebracht. Um die Tierart nicht zu gefährden, dürften im Jagdjahr 2026/2027 maximal 27 ausgewachsene Wölfe abgeschossen werden, heißt es in der Handlungsempfehlung. Das schließe Fallwild, also durch Krankheit, Hunger oder Verkehrsunfälle getötete Tiere ein.
Der Vorsitzende des Fördervereins der deutschen Schafhaltung, Wendelin Schmücker, bezeichnete dies als „politisches Wegschauen auf Kosten unserer Weidetierhalter“.
Ministerium: Handlungsempfehlungen als Richtschnur
Eine Sprecherin des Landeswirtschaftsministeriums sagte, mit dem Inkrafttreten des Bundesjagdgesetzes sei das sogenannte Schnellabschussverfahren möglich, wenn Wölfe den Herdenschutz überwinden. Das Landesjagdgesetz werde entsprechend angepasst werden, als Orientierungshilfe oder Richtschnur für Jäger und Naturschutzbehörden dienten bis dahin die Handlungsempfehlungen.
Anfang März hatte der Bundestag zum Schutz von Weidetieren einen erleichterten Abschuss von Wölfen beschlossen. Das Tier wurde ins Jagdrecht aufgenommen, unter anderem können damit sogenannte Problemwölfe einfacher getötet werden - etwa wenn sie Zäune überwunden und Schafe gerissen haben.
Schmücker: „Politische Realitätsverweigerung“
Selbst die geringe Zahl schließe bereits Tiere ein, die im Straßenverkehr gestorben seien, kritisierte der Förderverein. „27 Wölfe – und ein Großteil davon liegt bereits auf der Straße. Das ist kein Management, das ist politische Realitätsverweigerung“, sagte Schmücker und betonte: „Wir haben in Niedersachsen eine der höchsten Wolfsdichten Europas, aber gleichzeitig eines der schwächsten Instrumente zur Regulierung.“
Laut Förderverein wurden nach Auswertung der Monitoringdaten allein 2025 etwa 25 bis 40 Wölfe in Niedersachsen tot gefunden, davon rund 20 bis 30 im Straßenverkehr getötet. Insgesamt leben nach Angaben des Vereins in Niedersachsen derzeit rund 58 Wolfsrudel, was einem Gesamtbestand von etwa 450 bis 600 Wölfen entspreche. Bundesweit wurden zuletzt nach Behördenangaben mehr als 1.600 Wölfe gezählt - vor allem im Gebiet von Niedersachsen über Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Sachsen.
„Was hier als Wolfsmanagement verkauft wird, ist in Wahrheit eine reine Verwaltung des Problems“, sagte Schmücker. So bleibe „am Ende praktisch kein Handlungsspielraum mehr“.