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Hessen im All: Wo steht das Land bei der Raumfahrt?

Zwischen Nord- und Südhessen gibt es eine Vielzahl von Raumfahrtaktivitäten. Wie können diese weiter vorangetrieben werden? Und was kommt dabei beim Bürger und der Bürgerin an?

Von Oliver Pietschmann, dpa

22.10.2026

Mit dem Europäischen Raumflugkontrollzentrum der Esa beherbergt Hessen eine wichtige internationale Institution. (Symbolbild)Sebastian Gollnow/dpa

Mit dem Europäischen Raumflugkontrollzentrum der Esa beherbergt Hessen eine wichtige internationale Institution. (Symbolbild)Sebastian Gollnow/dpa

© Sebastian Gollnow/dpa

Kontrollzentren, Satellitensteuerung oder Forschung für eine Reise ins All: Hessen gehört zu den führenden Raumfahrtstandorten in Deutschland. Am Donnerstag trafen sich Vertreter aus Raumfahrt, Forschung, Industrie und Politik in Frankfurt, um sich zu vernetzen und über neue Vorhaben auszutauschen. 

Warum ist Hessen so wichtig für die Raumfahrt?

Mit der europäischen Raumfahrtbehörde Esa und der europäischen Agentur für meteorologische Satelliten Eumetsat haben gleich zwei Raumfahrtagenturen ihre Kontrollzentren in Darmstadt. Von hier aus steuern sie Satelliten. Alleine bei der Esa sind dies nach Angaben des Leiters des Kontrollzentrums, Simon Plum, 25 und gut 20 weitere sind in Vorbereitung.

Hessen biete sich als internationaler Standort mit dem deutschlandweit größten Flughafen an für weitere Investitionen, betonte Staatsminister Manfred Pentz (CDU) zur Eröffnung der Konferenz „Hessen in Space“, die die Landesregierung zum vierten Mal veranstaltete. Darmstadt sei mit Esa und Eumetsat sowie Forschungseinrichtungen und Unternehmen nicht nur Dreh- und Angelpunkt in Hessen, sondern in ganz Europa. 

Blick auf das Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Darmstadt. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Blick auf das Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Darmstadt. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Und warum ist die Raumfahrt wichtig für Hessen?

Pentz fügte hinzu, Entwicklungen und Investitionen in dem Bereich seien für den Wirtschaftsstandort Hessen extrem wichtig. Zugleich ist das Thema Raumfahrt ein Anziehungspunkt für Wissenschaft und Forschung, wie sich am Rande der Konferenz zeigte. Mit Ständen waren neben Unternehmen auch mehrere hessische Hochschulen präsent, darunter die Technische Universität Darmstadt, die Technische Hochschule Mittelhessen sowie die Universitäten Gießen und Marburg. 

Gezeigt wurden Vorhaben von Studierenden, unter anderem zum Thema Raketenbau. Auch das mittelhessische Projekt „SkyMI“ mit Wetterballonen von Schülerinnen und Schülern wurde vorgestellt.

Welche Missionen werden von Hessen aus gesteuert?

Neben Erdbeobachtungssonden für bessere Wettervorhersagen und Klimamodelle fliegt die Esa auch Forschungssatelliten mit spektakulären Missionen zur Erkundung des Sonnensystems und für die Sicherheit unseres Planeten. Bei der Esa entsteht derzeit ein neues, hochmodernes Kontrollzentrum.

Noch in diesem Jahr soll die aus Darmstadt gesteuerte Sonde „Bebicolombo“ am Merkur ankommen, um Daten über den am wenigsten erforschen Planeten im inneren Sonnensystem zu sammeln. Auch „Hera“ soll noch in diesem Jahr an ihrem Bestimmungsort ankommen. Sie untersucht die Auswirkungen eines Satelliteneinschlags in einen Asteroiden und ist Teil der Asteroidenabwehr. „Juice“ ist auf dem Weg zum Jupiter, unter anderem um an einem Mond des Gasriesen nach Spuren von Leben zu schauen. 

„Eumetsat arbeitet mit Agenturen aus allen Teilen der Welt zusammen und sichert sich dadurch zusätzliche Satellitendaten für Wettervorhersagen und Klimaüberwachung“, heißt es auf der Homepage der Agentur. Sie hatte erst kürzlich angekündigt, ihr Programm weiter auszubauen. Mit dem neuen Zentrum soll der Schutz von Satelliten, Bodenstationen und Kontrollsystemen vor äußeren Einflüssen gewährleistet werden.

Gibt es noch andere Aktivitäten?

Ja. Bei der Esa sitzt auch die Abteilung für Weltraumsicherheit. Sie beobachtet Asteroiden, die eine potenzielle Gefahr für die Sicherheit der Erde werden könnten. Ebenso behält sie den Weltraumschrott im Blick. Vergangenes Jahr wurde dort auch ein millionenschweres Zentrum für Cybersicherheit im Kontrollzentrum vorgestellt. 

Johann-Dietrich Wörner ist Hessens Raumfahrtkoordinator. (Archivbild) Sebastian Gollnow/dpa

Johann-Dietrich Wörner ist Hessens Raumfahrtkoordinator. (Archivbild) Sebastian Gollnow/dpa

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Beteiligt sich die Landesregierung an der Raumfahrt?

Ja. Seit 2021 ist der frühere Esa-Chef Johann-Dietrich Wörner Raumfahrkoordinator des Landes. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem die Koordination der raumfahrtbezogenen Aktivitäten der Landesregierung oder die Unterstützung bei der Ansiedelung weiterer entsprechender Unternehmen oder Forschungsinstitutionen.

Wörner sagte, zu Beginn seiner Tätigkeit seien alle Unternehmen und Einrichtungen gezählt worden, die in Hessen mit Raumfahrt zu tun haben - es sei die Zahl von rund 150 herausgekommen. 

Welche Forschung gibt es in Hessen zur Raumfahrt?

Die Technische Universität in Darmstadt bietet zum Beispiel einen Studiengang an, der sich mit Raumfahrt befasst. Dort haben unter anderem Studenten einen würfelförmigen Kleinsatelliten gebaut, der wissenschaftliche und technologische Missionen vereint.

Projekte von Studierenden waren auch bei der vierten Auflage der Konferenz zu sehen. (Symbolbild)Sebastian Gollnow/dpa

Projekte von Studierenden waren auch bei der vierten Auflage der Konferenz zu sehen. (Symbolbild)Sebastian Gollnow/dpa

© Sebastian Gollnow/dpa

Was haben die Bürger und Bürgerinnen davon?

Erkenntnisse aus der Raumfahrt und Daten aus dem All begleiteten uns auf Schritt und Tritt, sagt Raumfahrtkoordinator Wörner. Er verweist als Beispiel auf die Wettervorhersage. Auch Waldbrandfrüherkennung gehöre dazu.

Zudem seien Satellitendaten wichtig beim Thema Sicherheit und Verteidigung, wie das Beispiel Ukraine zeige. Hier werde auch die Bedeutung unabhängiger Daten klar. 

Europa müsse seine Satelliten und Daten schützen können, sagte Christoph Kautz als Vertreter der Europäischen Kommission auf der Konferenz. Künstliche Intelligenz erleichtere es auch nicht-staatlichen Akteuren zunehmend, Angriffe durchzuführen - Ergebnis seien etwa GPS-Störungen auch in größerem Ausmaß.

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