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Hesse soll Kinder in 13 Ländern missbraucht haben - Anklage

Ein 77-Jähriger aus dem Großraum Wetzlar steht im Verdacht, in 13 Ländern Kinder und Jugendliche missbraucht und die Taten gefilmt zu haben. Ermittler fanden Millionen Bild- und Videodateien.

Von dpa

22.01.2026

Ein 77-jähriger Mann aus dem Lahn-Dill-Kreis ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt worden. Die mutmaßlichen Taten soll er in 13 Ländern begangen haben. (Symbolbild)picture alliance/dpa

Ein 77-jähriger Mann aus dem Lahn-Dill-Kreis ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt worden. Die mutmaßlichen Taten soll er in 13 Ländern begangen haben. (Symbolbild)picture alliance/dpa

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Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern ist Anklage gegen einen Mann aus Hessen erhoben worden. Der 77-Jährige aus dem Lahn-Dill-Kreis steht im Verdacht, in 13 unterschiedlichen Ländern eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen schwer sexuell missbraucht und die Taten durch Foto- und Videoaufnahmen dokumentiert zu haben. Das teilten das Hessische Landeskriminalamt (HLKA) und die Zweigstelle Wetzlar der Staatsanwaltschaft Limburg mit.

Wegen der Schwere der mutmaßlichen Taten, Wiederholungs- sowie Flucht- und Verdunklungsgefahr hatte die Behörde einen Haftbefehl gegen den Angeschuldigten erwirkt. Bereits Ende September vergangenen Jahres sei der festgenommen worden. 

Vorgeworfene Taten reichen bis 1996 zurück

Der 77-Jährige soll vor allem in Asien Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Den Ermittlungen war ein Hinweis der U.S.-amerikanischen Organisation „National Center for Missing and Exploited Children“ (NCMEC) vorausgegangen. In einer Cloud - also einem digitalen Speicherplatz - des Angeschuldigten seien mehrere Dutzend verdächtige Bild- und Videodateien hochgeladen worden, auf denen der Mann zu identifizieren war. Nach derzeitigem Ermittlungsstand reichen die mutmaßlichen Taten bis in das Jahr 1996 zurück und umfassen einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren.

Im September 2025 hätten daraufhin Ermittlerinnen und Ermittler der Einheit „FOKUS“ des HLKA hatten im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Wohnung des Mannes durchsucht und zahlreiche Beweismittel, darunter hauptsächlich Datenträger, sichergestellt. Die forensische Aufbereitung dauere noch an, erklärten die Ermittler. Der aktuelle Stand liege bei 4,9 Millionen Bild- und Videodateien. Um das Verfahren zu beschleunigen, sei daher „ein kleiner Teil“ der Vorwürfe bereits zur Anklage gebracht worden.

Behörden: Auch Taten im Ausland werden mit Nachdruck verfolgt

„Wer denkt, Unrecht hört an der Grenze des eigenen Landes auf, liegt falsch: Dank internationaler und vor allem digitaler Vernetzung gelingt es uns, auch Strafverfahren im internationalen Kontext erfolgreich abzuschließen“, erklärte HLKA-Präsident Daniel Muth. Der Fall mache zudem deutlich, „dass sich durch intensive und akribische Ermittlungsarbeit auch lange zurückliegende mutmaßliche Taten aufklären lassen“.

Der Oberstaatsanwaltschaft und Sprecher der Zweigstelle Wetzlar der Staatsanwaltschaft Limburg, Manuel Jung, ergänzte: „Dieser Fall zeigt, dass sich Täter auch nach dem Ablauf vieler Jahre nicht sicher wähnen sollten und dass auch Auslandstaten mit allem Nachdruck verfolgt werden.“

Die Einheit „FOKUS“ hatte im Oktober 2020 aufgrund stetig steigender Fallzahlen ihre Arbeit aufgenommen. Sie zielt darauf ab, polizeiliche Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie in Hessen zu bündeln und zu intensivieren.

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