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Jungaale für die Schlei – Rettung oder Scheinlösung?

Der Aalbestand ist stark zurückgegangen. Besatzmaßnahmen sollen helfen. Doch es gibt auch Kritik an den Maßnahmen.

Von dpa

01.10.2026

Bereits im 17. Jahr werden kleinen Aale beim traditionellen „Aalutsetten“ in die Schlei gesetzt.Martin Ziemer/dpa

Bereits im 17. Jahr werden kleinen Aale beim traditionellen „Aalutsetten“ in die Schlei gesetzt.Martin Ziemer/dpa

© Martin Ziemer/dpa

74.000 Jungaale mit einem Gewicht von rund 5 Gramm sind von den Schleifischern bei Maasholm und an anderen Orten in die Schlei ausgesetzt worden. Im Frühjahr dieses Jahres hatten sie bereits 1,05 Millionen Glasaale - das sind Aale von nur rund 0,33 Gramm - in neun verschiedene Gewässer im Land ausgesetzt. Die Fischer tragen eigenen Angaben zufolge so dazu bei, die inzwischen wieder anwachsende Population des Wanderfisches im Ostseeraum weiter zu stärken. Doch es gibt auch Kritik an den Besatzmaßnahmen. 

Die Ausgangslage

Früher war der Aal ein „Brotfisch“ der heimischen Fischerei. Nach Angaben des Deutschen Angelfischer-Verbands (DAFV) machte der Europäische Aal einst etwa die Hälfte der Fischbiomasse in den europäischen Binnengewässern aus. 

Seit den 1970er Jahren ist die Anzahl junger, durchsichtiger Glasaale an den europäischen Küsten laut WWF um 98 Prozent gesunken. Umweltgifte, Verbauung von Flüssen und Seen sowie Überfischung und Klimawandel setzen nach Einschätzung von Experten dem Aal zu. Weitere Mortalitätsursachen sind nach Angaben von Fischern Wasserkraftanlagen sowie Prädatoren, insbesondere der Kormoran. 

Maßnahmen sollen den Bestand stützen

Auch weil der Bestand so stark zurückgegangen ist, hat die EU 2007 eine Aal-Verordnung beschlossen. Laut DAFV ist der Europäische Aal die einzige Fischart in Europa, für die es eine eigene EU-Verordnung gibt. In dieser sind diverse Maßnahmen aufgelistet, um den Bestand zu stützen und wieder aufzubauen. Dazu gehören auch Besatzmaßnahmen, wie sie regelmäßig nicht nur in Schleswig-Holstein stattfinden. 

Die EU-Aalverordnung wurde nach Angaben der Schleifischer in den vergangenen Jahren einem Fitnesscheck unterzogen. Anfang 2020 wurde das Ergebnis veröffentlicht, nach dem die Aalverordnung nach wie vor relevant und grundsätzlich zweckmäßig als Instrument zur Erholung des europäischen Aalbestands ist. 

Die Schleifischer sehen noch viel zu tun, erkennen aber auch einen „wachsenden Silberstreifen am Horizont“. Immer häufiger tauchten in den vergangenen Jahren in den Reusen und an den Angelhaken Aale aus den Besatzaktionen auf.

Aale können nicht kommerziell in Gefangenschaft gezüchtet werden 

Alle Aale Europas und Amerikas stammen aus der mehr als 6.000 Meter tiefen Sargassosee vor der Küste Floridas. Von dort kommen die Aallarven, die zwei Jahre lang bis an Europas Küste wandern und hier in die Flüsse aufsteigen. Nach Jahren oder Jahrzehnten entscheidet er sich, zurück in die Sargassosee zu wandern, um Eier zu legen.

Auch die Miniaale, die nun in die Schlei bei Maasholm gesetzt werden, kommen ursprünglich aus der Sargassosee. Sie wurden an der europäischen Atlantikküste gefangen und anschließend in speziellen Aalfarmen aufgezogen. Aufgrund ihres komplexen Lebenszyklus können Aale laut DAFV noch nicht kommerziell in Gefangenschaft gezüchtet werden. 

Zweifel von Umweltverbänden und Experten

Insbesondere Umweltverbände kritisieren die Besatzaktionen. „Wir sind ganz klar dagegen“, sagte die Sprecherin des BUND-Landesverbands Schleswig-Holstein. Es sei völlig sinnlos eine bedrohte Art dort wegzufischen, wo sie noch relativ häufig sei, um sie dann woanders auszusetzen. „Das ist überhaupt nicht nachhaltig.“ 

Bereits anlässlich Beginn der Besatzaktionen im Frühjahr nannte Rainer Borcherding vom BUND Schleswig-Holstein das Aussetzen von Aalen eine Scheinlösung, „die den Aalfischern die Reusen füllt und das Aussterben des Aals noch beschleunigt“. „Statt die stark gefährdete Art in ihren letzten Rückzugsgebieten (...) in Ruhe zu lassen, wird sie hier im Fischbrötchen verbraten.“ 

Beim Fang und Transport der Glasaale für Besatzmaßnahmen sterben nach Angaben des BUND viele Tiere, da sie in diesem Lebensstadium extrem verletzlich sind. Zudem sei es wissenschaftlich umstritten und bisher nicht bewiesen, ob der Aalbesatz etwas zur Erholung der Aale beiträgt.

Die Besatzmaßnahme hat viele Befürworter, stößt aber auch auf Kritik.Martin Ziemer/dpa

Die Besatzmaßnahme hat viele Befürworter, stößt aber auch auf Kritik.Martin Ziemer/dpa

© Martin Ziemer/dpa

Insbesondere Umweltschützer kritisieren die Maßnahme als nicht nachhaltig, um den Bestand des Aales zu stärken. Martin Ziemer/dpa

Insbesondere Umweltschützer kritisieren die Maßnahme als nicht nachhaltig, um den Bestand des Aales zu stärken. Martin Ziemer/dpa

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