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Ekel-Funde in Restaurants – darum sind Kontrollen lückenhaft

Schimmel, mangelhaft gekühlte Speisen: Bei Kontrollen werden regelmäßig Hygienemängel in Restaurants und anderen Betrieben aufgedeckt. Doch viele vorgeschriebene Kontrollen finden nicht statt. Warum?

Von Isabell Scheuplein, dpa

30.01.2026

Betriebe, die Lebensmittel verarbeiten, müssen regelmäßig kontrolliert werden. (Symbolbild)Katharina Kausche/dpa

Betriebe, die Lebensmittel verarbeiten, müssen regelmäßig kontrolliert werden. (Symbolbild)Katharina Kausche/dpa

© Katharina Kausche/dpa

Schimmel, schmutzige Küchengeräte, mangelhaft gekühlte Lebensmittel: Bei Kontrollen in Gaststätten, Cafés und anderen Betrieben werden regelmäßig Ekel-Funde gemacht. Veröffentlicht sind sie in Hessen auf einer Internetplattform der Landesregierung zu Hygienemängeln. Dort können Verbraucher und Verbraucherinnen den Betrieb und die Art der Beanstandungen erfahren - und selbst Verdachtsfälle melden.

Ein Dönerladen und ein Einkaufsmarkt in Frankfurt, Restaurants im Main-Kinzig-Kreis und anderen Kommunen: 24 der hessenweit 26 Überwachungsbehörden machen mit bei dem Angebot, das über das Verbraucherfenster Hessen online erreichbar ist. 

Amt würde gern mehr kontrollieren

Zuständig sind in Hessen die kreisfreien Städte und Landkreise. Bei deren Kontrollen gibt es allerdings Lücken, wie Nachfragen vor Ort zeigen. Die Stadt Frankfurt führte im vergangenen Jahr 4.790 Kontrollen in Lebensmittelbetrieben durch. Von der vorgeschriebenen Zahl wurden nach Angaben des Ordnungsamts 46 Prozent erreicht. 

Als Grund für die geringe Quote führt das Amt auf Anfrage zum einen Personalmangel an. Zum anderen steige der Aufwand für die Dokumentation und Nachbearbeitung. Dies verringere die effektive Zeit für Kontrollen.

Wer wird wie häufig kontrolliert?

Kontrolliert werden alle Betriebe, die Lebensmittel produzieren, verarbeiten oder vertreiben. Bei großen Betrieben, die mit besonders empfindlichen Lebensmitteln arbeiten, ist dies häufiger der Fall als bei kleineren Betrieben mit geringerem Risiko – wie zum Beispiel Kioske. Denn auf der Liste stehen auch Betriebe, die Kosmetika und Tabakerzeugnisse herstellen und vertreiben. 

Der Main-Kinzig-Kreis führte 37 Prozent der planmäßigen Kontrollen durch, wie ein Sprecher mitteilt. Auch er berichtet von Personalmangel. Zudem gebe es viele weitere Kontrollen, die nicht in der Statistik auftauchten, etwa nach Beschwerden.

Personalmangel und weite Wege

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg führt neben dem Fachkräftemangel weite Fahrtzeiten zwischen den Betrieben im flächenmäßig größten Landkreis Hessens sowie hohe Fluktuation der angemeldeten Betriebe an. Von den vorgeschriebenen Kontrollen hätten 88 Prozent stattgefunden.

Personalmangel ist auch im Rheingau-Taunus-Kreis Thema, dazu hätten Tierseuchen viel Kapazität gebunden. Die Quote bei den planmäßigen Routinekontrollen habe 59 Prozent betragen, teilt eine Sprecherin mit. 

Was bedeutet das für die Verbraucher?

Wie problematisch sind diese Lücken? Als gesundheitsschädlich erweisen sich nach Angaben des zuständigen Ministeriums in Wiesbaden „nur rund 0,8 Prozent der im Labor untersuchten, bereits risikoorientiert gezogenen Proben“. Dieser Wert sei bereits seit Jahren stabil. Die Überwachung in Hessen funktioniere gut, bilanziert eine Sprecherin.

Die Zahl der Kontrolleure und Kontrolleurinnen sei seit 2019 um 15 Prozent gestiegen. „Der Bereich wurde insgesamt auf allen Ebenen gestärkt.“ 

Der Landesverband der Lebensmittelkontrolleure ist anderer Ansicht. Die Aufgaben der amtlichen Lebensmittelüberwachung könne „nicht mehr in dem erforderlichen Umfang wahrgenommen werden, der notwendig wäre, um das dauerhaft hohe Schutzniveau sicherzustellen“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende, Philipp Adanic. In Hessen wie in anderen Bundesländern würden die Soll-Vorgaben nicht erreicht. 

Verband fordert mehr Ressourcen

Nötig seien ausreichende Ressourcen, auch angesichts wachsender Aufgaben, sagt Adanic. Die Tatsache, dass die Kommunen zuständig sind, verursache zudem vor Ort unterschiedliche Rahmenbedingungen. 

„Die staatlichen Kontrollsysteme verfügen über einen guten Ruf. Voraussetzung dafür sind qualifiziertes und kontinuierlich fortgebildetes Personal sowie eine angemessene finanzielle und technische Ausstattung der Behörden und Labore“, erklärt Adanic.

Mit dem Internet-Portal setzt Hessen auch auf die Mithilfe der Menschen vor Ort. Denn dort kann man eigene Verdachtsfälle melden. Sie werden direkt an die zuständige Behörde weitergeleitet. 2025 gab es mehr als 300 auf diese Weise eingegangene Beschwerden, teilt das Ministerium mit.

Ekel-Funde werden in Hessen in einem Internetportal veröffentlicht. (Symbolbild)Katharina Kausche/dpa

Ekel-Funde werden in Hessen in einem Internetportal veröffentlicht. (Symbolbild)Katharina Kausche/dpa

© Katharina Kausche/dpa

Nur ein geringer Prozentsatz der Proben ist tatsächlich gesundheitsschädlich. (Symbolbild) Jens Büttner/dpa

Nur ein geringer Prozentsatz der Proben ist tatsächlich gesundheitsschädlich. (Symbolbild) Jens Büttner/dpa

© Jens Büttner/dpa

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