„Echt kacke“: Leipzigs Königsklassen-Fehlstart in Como
Klarer Sieger im Duell der Investoren-Clubs: Como zeigt Leipzig die Grenzen auf. Der Druck auf Trainer Demichelis wächst nach der zweiten Niederlage nacheinander.
Christopher Nkunku ist nach einem Gegentor enttäuscht.Jan Woitas/dpa
© Jan Woitas/dpa
RB Leipzigs Coach Martín Demichelis umarmte seinen siegreichen Trainerkollegen Cesc Fàbregas und drehte dann mit gesenktem Kopf ab. Der phasenweise chancenlose Bundesligist ist bei Emporkömmling Como 1907 erneut mit einer Niederlage in die Champions League gestartet. Am Ufer des Comer Sees war der vor sieben Jahren noch viertklassige italienische Neuling nicht zu stoppen und siegte völlig verdient 4:1 (2:0). Die Kulisse war für Leipzig traumhaft, das Spiel aber ein Alptraum.
„Es fühlt sich echt kacke an grad“, sagte Nationalspieler David Raum bei DAZN. Das Team habe „ordentlich einen auf den Deckel gekriegt heute. Alles in allem war das kein guter Auftritt von uns.“
Der Gastgeber siegte durch Tore von Martin Baturina (15. Minute), Tasos Douvikas (38.), Assane Diao (54.) und Maximo Perrone (90.). Andrija Maksimovic (58.) gelang nur der Ehrentreffer für RB.
Bereits bei der vorherigen Teilnahme an der Champions League war Leipzig ohne Punkte nach dem ersten Spieltag der Ligaphase geblieben. Am Ende verbuchte der Club aus acht Spielen nur einen Sieg und schied abgeschlagen aus. Durch die zweite Niederlage nacheinander, am Samstag hatte man 1:3 in Bremen verloren, wächst der Druck auf den neuen Trainer Demichelis.
Demichelis‘ Forderung verpufft
Der Argentinier hatte eine Reaktion von seiner Mannschaft gefordert - doch die blieb zunächst aus. Como bestimmte das Geschehen, hatte zu nahezu jedem Zeitpunkt der ersten Hälfte die Kontrolle. Demichelis wollte den Königsklassen-Neuling mit mehr Ballbesitz unter Druck setzen, doch dazu fehlte es an Passgeschwindigkeit, Abstimmung und Intensität. Zur Pause hatte Leipzig gerade einmal 40 Prozent Ballbesitz, die Handschrift von Demichelis war kaum zu erkennen.
Der Druck auf Trainer Martin Demichelis wächst.Jan Woitas/dpa
© Jan Woitas/dpa
Como war schlicht besser und nach zwölf Minuten musste Maarten Vandevoordt erstmals in höchster Not gegen Douvikas retten. Der Grieche stand allerdings bei der Aktion im Abseits. Drei Minuten später eroberte Baturina den Ball an der Mittellinie und schickte Douvikas. Der Stürmer schob den Ball flach in den Strafraum, wo Ridle Baku genau in die Füße des überragenden Baturina klärte - 0:1.
Douvikas erhöht eiskalt
Leipzig vermied zunächst weiteren Schaden, hatte dann nach einer halben Stunde eine gute Phase. Doch die große Doppelchance zum Ausgleich ließen die Sachsen ungenutzt. Den Schlenzer des in die Startelf gerückten Andrija Maksimovic hielt Jean Butez glänzend, Marc Guiu vergab per Kopf direkt im Anschluss aus kurzer Distanz.
Martin Baturina trifft zum 1:0 für Como.Jan Woitas/dpa
© Jan Woitas/dpa
Como erhöhte erneut die Intensität und stellte Leipzig vor Probleme. Baturina setzte sich mit einer einfachen Körpertäuschung in der eigenen Hälfte ab und spielte einen präzisen Ball in den Lauf von Douvikas. RB-Abwehrchef Willi Orban hatte das Abseits aufgehoben, der Angreifer lief allein auf Vandevoordt zu und vollendete nervenstark. Leipzig war angeknockt, schaffte es aber ohne weiteres Gegentor in die Pause.
Der erste Konter sitzt
Leipzig kam ballsicherer und bestimmender aus der Halbzeit, Como ließ sich etwas tiefer fallen. Allerdings saß gleich der erste Konter. Spielmacher Nico Paz schickte den mitgelaufenen Diao über die rechte Seite, der Senegalese drosch den Ball aus spitzem Winkel in die lange Ecke. Wenige Minuten später war Vandevoordt nach einem weiteren Konter bereits geschlagen, doch Como-Kapitän Lucas Da Cunha setzte den Ball aus zehn Metern neben das leere Tor.
Antonio Nusa gehörte noch zu den aktivsten Leipziger.Jan Woitas/dpa
© Jan Woitas/dpa
Dann war Leipzig plötzlich da. Christopher Nkunku spielte am Strafraum quer, Maksimovic traf sehenswert in den Winkel. Demichelis brachte in Assan Ouédraogo, Tidiam Gomis und Ezechiel Banzuzi gleich drei neue Spieler. Como überließ Leipzig mehr und mehr das Spiel, große Gefahr kam bei RB allerdings nicht mehr auf. Auf der anderen Seite dagegen schon: In der Schlussphase vergab Paz zunächst nach einem Konter (83.), dann bereitete er den Schlusstreffer von Perrone vor.