CSD-Saison startet - So steht es um queerfeindliche Angriffe
2025 wurden mehr Straftaten gezählt, bei denen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung angegriffen wurden. Ab Samstag geht die queere Community wieder für Vielfalt und Respekt auf die Straße.
Laut und bunt treten die Menschen beim CSD für Vielfalt und Toleranz ein. (Archivbild)Heiko Rebsch/dpa
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Es wird wieder bunt und laut mit einem klaren Statement für Vielfalt und Toleranz: In Schönebeck beginnt an diesem Samstag die Christopher-Street-Day-Saison in Sachsen-Anhalt. Bis zum 26. September sind in Städten wie Dessau-Roßlau, Köthen, Wernigerode, Magdeburg, Halle und Stendal weitere Feste, Kundgebungen und Umzüge geplant. Falko Jentsch vom Vorstand des CSD Magdeburg sagte, es sei ganz viel Zuversicht und Freude auf die CSD-Veranstaltungen da, aber auch viel Kampfgeist. Vom 9. bis zum 11. Oktober wird Magdeburg dann zum Treffpunkt von Europas Pride-Bewegungen.
„Gerade in einer Zeit, in der queere Rechte zunehmend unter Druck geraten, ist es ein starkes Signal, dass die europäische Pride-Community sich hier - mitten in Sachsen-Anhalt - versammelt“, hatte es bei der Ankündigung im vergangenen Jahr geheißen. Laut dem Verein CSD Magdeburg wurden in den vergangenen Jahren CSDs behindert und queere Veranstaltungen angefeindet.
Mobile Opferberatung: 10 Angriffe bei CSDs 2025
Das Gewaltopferberatungsprojekt „Mobile Opferberatung“ hat für das vergangene Jahr zehn Angriffe mit elf direkt Betroffenen im Zusammenhang mit insgesamt sechs Christopher Street Days in Sachsen-Anhalt dokumentiert. Darunter sind drei gefährliche Körperverletzungen, zwei einfache Körperverletzungen und fünf Bedrohungen gewesen.
Faustschläge, Beleidigungen, rechte Gegendemos
So seien gleich zu Beginn der CSD-Saison am 26. April 2025 in Schönebeck (Salzlandkreis) Teilnehmer beleidigt und bedroht worden. Einem 20-jährigen Teilnehmer wurde den Angaben zufolge von einem 19-jährigen Rechten mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Täter habe danach „Heil Hitler!“ skandiert. Am 26. Juni seien in Wittenberg CSD-Teilnehmer unter anderem als „biologischer Abfall“ queerfeindlich beleidigt und bedroht worden. Parallel zur CSD-Demonstration hätten die Jungen Nationalisten, Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) eine Gegendemonstration mit etwa 70 Teilnehmenden veranstaltet.
Im vergangenen Jahr gingen in Magdeburg rechter Gegendemonstranten gegen den CSD auf die Straße. (Archivbild)Heiko Rebsch/dpa
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„Wir müssen uns leider auch für die kommende CSD-Session auf Angriffe einstellen, trotz Sicherheitskonzepten und verstärkten Polizeischutz“, sagt Antje Arndt von der Projektleitung der Mobilen Opferberatung. „Umso wichtiger ist es, sich solidarisch mit der queeren Community zu zeigen und für das Recht geschlechtlicher und sexueller Selbstbestimmung einzustehen.“
Zahlen aus dem Innenministerium zeigen einen Anstieg
Für das vergangenen Jahr sind in der Statistik zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK) für Sachsen-Anhalt 50 Straftaten im Themenfeld geschlechtsbezogene Diversität erfasst (2024: 32) sowie 77 Straftaten mit Blick auf sexuelle Orientierung (2024: 48), so das Innenministerium in Magdeburg. Straftaten könnten in beide Themenfelder fallen.
Die Delikte fallen unter Hasskriminalität, weil es sich um Straftaten handelt, bei denen Personen aufgrund einer von Vorurteilen gegen ein Geschlecht, eine geschlechtliche Identität oder eine sexuelle Orientierung geleiteten Tatmotivation heraus Opfer werden.
Mit Blick auf die sexuelle Orientierung von Personen seien das im vergangenen Jahr vorwiegend 28 Beleidigungen gewesen, 15 Propagandastraftaten, 9 Volksverhetzungen, 8 Sachbeschädigungen, 7 Bedrohungen und 3 Körperverletzungen. Bei der geschlechtsbezogenen Diversität wurden beispielsweise 17 Beleidigungen, je 7 Volksverhetzungen und Propagandastraftaten, 4 Bedrohungen und ebenfalls 3 Körperverletzungen erfasst.
CSD-Bilanz 2025 und die Pläne der Polizei 2026
„Im Umfeld von Veranstaltungen von Christopher-Street-Day-Veranstaltungen wurden in 28 Fällen Straftaten registriert, die dem Themenfeld „sexuelle Orientierung“ und/oder „geschlechtsbezogene Diversität“ zugeordnet wurden“, so das Innenministerium. Mit Blick auf die anstehenden CSDs befinde sich die Landespolizei in fortlaufender Abstimmung mit den Organisatoren sowie den zuständigen kommunalen Sicherheitsbehörden.
„Ziel ist es, einen sicheren und störungsfreien Verlauf des jeweiligen CSD zu gewährleisten. Die Einsatzkonzepte werden fortlaufend überprüft und erforderlichenfalls angepasst.“ Das Innenministerium betonte: „Anspruch der Landespolizei ist es, allen Betroffenen mit der nötigen Professionalität und Empathie entgegenzutreten.“
Sachsen-Anhalts Gleichstellungsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) erklärte: „CSDs stehen für das Recht, frei und sicher zu leben und zu lieben - und sie erinnern uns daran, dass Gleichstellung keine Selbstverständlichkeit ist. Die queere Community gehört unverrückbar zu Sachsen-Anhalt.“ Die Ministerin ergänzte: „Die Zunahme an queerfeindlichen Straftaten ist erschreckend. Wir alle sind gefordert, klar und entschlossen Position gegen Homo- und Trans*feindlichkeit zu beziehen. Wir müssen sicherstellen, dass diejenigen geschützt werden, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität Anfeindungen, Hass oder sogar Gewalt erleben.“