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Betonvordach-Absturz auf Sylt: Händler bangen um Umsatz

Das schwere Vordach war in Westerland plötzlich auf den Gehweg gekracht. In der Hauptsaison rechnen Ladenbesitzer nun mit finanziellen Verlusten.

Von Lea Sarah Albert, dpa

02.06.2026

Viele Geschäfte mussten zunächst geschlossen bleiben, weil die Schaufenster zersplittert sind und die Eingänge nicht passierbar sind. Lea Albert/dpa

Viele Geschäfte mussten zunächst geschlossen bleiben, weil die Schaufenster zersplittert sind und die Eingänge nicht passierbar sind. Lea Albert/dpa

© Lea Albert/dpa

Trümmerteile liegen am Dienstag auf einem Gehweg mitten in Westerland - die Geräusche von zersplitterndem Glas und brechendem Beton sind auf Sylt schon aus der Ferne zwischen Möwengeschrei zu hören.

Im Zentrum von Westerland, an einer belebten Straße nur wenige Meter vom Hauptstrand entfernt, war am Montagabend das Beton-Vordach eines Wohn- und Geschäftshauses auf den Bürgersteig gestürzt. Verletzt wurde dabei nach Angaben der Polizei niemand. Nun laufen die Aufräumarbeiten auf der Nordseeinsel. 

„Es war sehr, sehr großes Glück“, sagte Adrian Dahlkamp, Geschäftsführer eines betroffenen Modeladens, der Deutschen Presse-Agentur. Wäre der Sonnenschutz vor dem Geschäft nicht ausgefahren gewesen, hätten sich dort möglicherweise Kunden aufgehalten und von den herabstürzenden Betonteilen getroffen werden können.

Ladenbetreiber: Geräusch wie „Bomben-Explosion“

Ernst Janssen, Betreiber eines Teeladens, zeigte sich am Tag nach dem Unglück sichtlich schockiert: „Es hat sich angehört wie eine Bomben-Explosion“, sagte er der dpa. Es sei reiner Zufall gewesen, dass keine Menschen vor dem jetzt völlig zerstörten Schaufenster standen, als die schweren Betonteile herabstürzten und die Scheibe des Ladens zersplitterte. 

Der Teeladen von Ernst Janssen blieb am Tag nach dem Unglück geschlossen.Lea Albert/dpa

Der Teeladen von Ernst Janssen blieb am Tag nach dem Unglück geschlossen.Lea Albert/dpa

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Nur wenige Minuten nach dem Vorfall sollte ein Teeseminar im Laden starten - zum Glück hatten erst wenige Leute auf ihren Plätzen gesessen, als die Scheibe zersplitterte und Teile davon in den Laden flogen, sagte der Betreiber. 

Ursache für Unglück wird ermittelt

Das Gebäude wird als kombinierter Komplex mit Einzelhandel im Erdgeschoss sowie mehr als 80 Wohnungen in den oberen Etagen genutzt. „Wir haben bisher keine Ahnung, wie das passieren konnte“, sagte ein Mitarbeiter der zuständigen Hausverwaltung aus Kiel der dpa. So etwas habe er noch nicht erlebt. „Es ist Wahnsinn, dass niemand verletzt wurde“, sagte er sichtlich bestürzt. 

Das Gebäude gegenüber dem Schwimmbad „Sylter Welle“ sei vor zwei oder drei Jahren saniert worden, dabei sei auch eine Architektin vor Ort gewesen. Sachverständige und Architekten wollen das Haus und den Schaden demnach untersuchen und die Ursache herausfinden. 

Läden zunächst dicht

Vier der insgesamt sechs Geschäfte im Gebäude blieben am Dienstag geschlossen, weil die Schaufenster teils komplett demoliert sind und die Eingänge nicht passierbar waren. Das noch intakte Dach angrenzender Läden wurde mit einem Spezialgerüst abgestützt, um zu verhindern, dass auch hier Betonteile herabstürzen.

Trümmer und Glas lagen auf dem Gehweg vor einem Teeladen. Lea Albert/dpa

Trümmer und Glas lagen auf dem Gehweg vor einem Teeladen. Lea Albert/dpa

© Lea Albert/dpa

Dort, wo hinter Schaufenstern ohne Scheiben jetzt zerbrochene Teebecher in demolierten Regalen stehen, werden provisorische Holzverkleidungen eingesetzt. Arbeiter fegten Glassplitter und Schutt vom Gehweg, zertrümmerten die Betonteile mit Maschinen.

Händler rechnen mit Umsatzeinbußen

Der Weg, auf dem sonst zahlreiche Passanten flanieren, ist jetzt mit einem Gerüst abgesperrt. „Laufkundschaft ist für uns ganz, ganz wichtig - Window-Shopping und Laufkundschaft fällt jetzt weg - mitten in der Saison“, sagte eine Mitarbeiterin des Teeladens. Ihren Angaben zufolge könnte es zwei bis drei Monate dauern, bis die Holzverkleidung entfernt wird und die neuen Scheiben eingesetzt werden. Solange bleibt das Schaufenster dicht. 

Auch die Stromversorgung lag vielerorts brach. Im Laden floss nur Notstrom. Wer für Umsatzeinbußen und Sachschäden aufkommt, soll nun ermittelt werden. 

Passanten bestürzt

Zahlreiche Passanten blieben vor den Trümmern stehen, fotografierten und beobachteten die Aufräumarbeiten. Unter ihnen Kathrin von Wieterheim: „Das ist richtig, richtig schlimm - ich weiß nicht wie so etwas passieren kann“, sagte die Urlauberin aus Augsburg der dpa. Angesichts der massiven Betonstücke auf dem Gehweg schauere sie bei dem Gedanken, dass dort jemand gestanden haben könnte, sagte eine andere Urlauberin aus Ingolstadt. 

Alternative Unterkünfte für Bewohner 

Die Polizei teilte mit, es seien nach dem Absturz unter anderem Notarzt, Feuerwehr und THW im Einsatz gewesen. Das Vordach sei auf einer Länge von etwa 30 Metern abgebrochen. Die Bewohner seien vorsorglich kurzzeitig evakuiert worden, konnten aber dann in ihre Wohnungen zurückkehren. Für Menschen, die sich dort nicht mehr sicher gefühlt hätten, seien alternative Unterkünfte bereitgestellt worden. 

Ein Statiker habe unterdessen festgestellt, dass keine Gefahr für das Haus und die Bewohner bestehe. Die Polizei geht derzeit von Baumängeln als Ursache für den Einsturz aus. Der Schaden wird nach ersten Schätzungen im fünf- bis sechsstelligen Bereich vermutet.

Sylt1-TV berichtete, ein lauter Knall habe Anwohner in der Dr.-Nicolas-Straße in zentraler Lage aufgeschreckt. Wie der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (shz) berichtet, verschaffte sich auch der Ordnungsamtsleiter ein Bild von der Lage.

Der Geschäftsführer (l) eines Modeladens in Westerland und ein Mitglied der Hausverwaltung schauten sich die Unglücksstelle gemeinsam anLea Albert/dpa

Der Geschäftsführer (l) eines Modeladens in Westerland und ein Mitglied der Hausverwaltung schauten sich die Unglücksstelle gemeinsam anLea Albert/dpa

© Lea Albert/dpa

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