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Berlin startet neues Projekt gegen digitale Gewalt

Digitale Gewalt bedroht Betroffene, aber auch Schutzeinrichtungen wie Frauenhäuser. Berlin setzt auf gezielte Hilfe und technisches Know-how für mehr Sicherheit.

Von dpa

24.04.2026

Einrichtungen wie Frauenhäuser sollen in Berlin Hilfe beim Umgang mit digitaler Gewalt bekommen. (Symbolbild) Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Einrichtungen wie Frauenhäuser sollen in Berlin Hilfe beim Umgang mit digitaler Gewalt bekommen. (Symbolbild) Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

© Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Berlin startet ein neues landesweites Projekt gegen digitale geschlechtsspezifische Gewalt aus dem sozialen Umfeld. Das teilte die Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales mit. Ziel der Initiative „Ein Team gegen digitale Gewalt“ ist es, Fachkräfte in Frauenhäusern, Schutzunterkünften und Beratungsstellen zu unterstützen und damit auch Betroffenen schneller passgenaue Hilfe zu ermöglichen.

„Berliner Fachberatungsstellen und Frauenhäuser berichten seit Jahren von einem deutlichen Anstieg digitaler Gewalt“, teilte die auch für den Bereich Gleichstellung und Antidiskriminierung zuständige Senatsverwaltung mit. „Gleichzeitig fehlt es vielerorts an Schulungsangeboten, technischem Wissen und einheitlichen Schutz- und Handlungskonzepten.“ 

Genau hier soll das neue Projekt ansetzen. Es bietet Fortbildungen für Fachkräfte, technische Fallberatung bei konkreten Verdachtsfällen sowie Unterstützung beim Aufbau von Sicherheitskonzepten in den Einrichtungen. 

Hilfe im Umgang mit digitaler Gewalt 

Das bestehende Hilfesystem soll damit gezielt um technische Expertise im Umgang mit digitaler Gewalt erweitert werden. „Gerade digitale Gewalt greift immer tiefer in den Alltag von Betroffenen ein und verschärft bestehende Gewaltverhältnisse oft zusätzlich“, sagte Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD). „Deshalb entwickeln wir unsere Schutzstrukturen in Berlin konsequent weiter. “

Miriam Ruhenstroth von der neuen Initiative ergänzte, digitale Gewalt gehöre für Fachkräfte in Frauenhäusern und Beratungsstellen zum Alltag. „Das geht weit über das Phänomen „Hatespeech“ hinaus: Täter installieren zum Beispiel heimlich Spionage-Apps und überwachen den Standort mit Hilfe versteckter Bluetooth-Tracker.“ Das gefährde nicht nur gewaltbetroffene Personen, sondern zum Beispiel auch Schutzeinrichtungen, deren Adressen geheim seien.

IP-Adressen sollen Ermittlern zugänglich gemacht werden

Mit Blick auf die strafrechtliche Verfolgung von digitaler Gewalt sagte Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) in der RBB-„Abendschau“: „Das große Problem, was die Strafverfolgungsbehörden haben, ist doch das Problem, dass man die Täter gar nicht identifizieren kann, weil sie ja nicht unter ihrem echten Namen auftreten.“ Das müsse sich ändern, zum Beispiel, indem im Bedarfsfall die IP-Adresse herausgegeben werde.

Die IP-Adresse ist so etwas wie die Anschrift eines Computers im Internet, mit der dieser identifiziert werden kann. Laut einem Vorschlag des Kabinetts sollen Internetzugangsdiensteanbieter künftig per Gesetz verpflichtet werden, die an Anschlussinhaber vergebenen IP-Adressen ohne konkreten Anfangsverdacht drei Monate lang zu speichern. Dadurch sollen Straftäter und Terrorverdächtige leichter ermittelt werden können.

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