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Baustellen bremsen Züge – notwendig und nervig?

Unberechenbare Verspätungen und Zugausfälle: Aktuell herrscht Bahn-Chaos im Rhein-Main-Gebiet, obwohl die Baustellen angekündigt waren. Was steckt dahinter?

Von Franziska Stangl, dpa

16.03.2026

Aufgrund von Bauarbeiten im Rhein-Main-Gebiet erleben Passagiere aktuell hohe Wartezeiten und Ausfälle im Zugverkehr. (Symbolbild)Andreas Arnold/dpa

Aufgrund von Bauarbeiten im Rhein-Main-Gebiet erleben Passagiere aktuell hohe Wartezeiten und Ausfälle im Zugverkehr. (Symbolbild)Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Verunsicherung und Verwirrung herrschen am Bahnsteig im Frankfurter Hauptbahnhof. Ein Zug nach Mainz, der seit 30 Minuten planmäßig abgefahren sein sollte, verschwindet plötzlich von der Anzeigetafel. Einige Minuten später ertönt die Durchsage: „Dieser Zug fällt aus, wir bitten um Ihre Entschuldigung.“ Hunderte Reisende schauen sich planlos um – was jetzt? 

Szenen wie diese sind aktuell Alltag im Bahnverkehr. Der Website des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) zufolge sind wegen der Sanierung des Eisenbahnknotens Mainz besonders die Verbindungen zwischen Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und Darmstadt betroffen. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagt, die vielen in die Bauprojekte verwickelten Akteure machten eine einfache Erklärung für die Verspätungen nicht möglich.

„Momentan keine vernünftige Lösung für Reisende“

Klaus Zecher, stellvertretender Vorsitzender von Pro Bahn Hessen e.V., sieht das Problem bei den kurzfristigen Anmeldungen von Baustellen. Der Fahrgastverband findet, Finanzförderung müsse langfristiger geplant werden, nicht nur in dem Moment, in dem Geld da sei. Der Verein befinde sich regelmäßig im Gespräch mit DB InfraGO, RMV und anderen Verkehrsverbünden, aber letztendlich entscheide InfraGO anhand von Geldflusskapazitäten, wie gebaut werde. 

Nach Angaben von Zecher sind besonders die Main-Weser-Bahn und die Rheinstrecke Richtung Mainz baufällig geworden und das erfordert Vollsperrungen. Positiv daran sei, dass überhaupt Gelder zum Bauen da seien und Baustellen durch Vollsperrungen schneller fertig seien. Problematisch sei aber, dass sie Pendler stärker beeinflussten und zwängen, auf Autos umzusteigen. „Es gibt momentan keine vernünftige Lösung für Reisende“, sagt Zecher.

Weniger pünktlich, dafür zuverlässiger

Der RMV erhebt regelmäßig Werte zur Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der von ihm betriebenen Bahnen. Aktuell spiegeln diese „die hohe Dynamik des deutlich ausgeweiteten Baugeschehens wider,“ so ein Sprecher. Die Pünktlichkeit der Regionalbahnen bis Ende Februar liegt laut der Statistik bei rund 82,5 Prozent – circa drei Prozentpunkte weniger als zur gleichen Zeit im Vorjahr.

Auch S-Bahnen seien mit rund 87,5 Prozent leicht unpünktlicher als 2025. Die Zuverlässigkeit der Regionalbahnen sei allerdings auf etwa 94,1 Prozent im Gegensatz zu 87,6 Prozent im letzten Jahr gestiegen. „Zuverlässigkeit“ bedeutet in diesem Fall, wie viele der geplanten Zugkilometer tatsächlich gefahren wurden.

Kommunikation mit Fahrgästen

Aber wenn der eigene Zug zu spät ist oder ausfällt, sind die Werte für die Betroffenen zweitrangig. Der Fahrgastverband Hessen rät für weniger Stress: frühzeitig informieren, einen Zug früher nehmen und personenbezogene Beratung nutzen. Eine Sprecherin der Bahn sagt, dass versucht werde, Kunden mit möglichst viel Hilfe zur Seite zu stehen.

Es gebe etwa Reisendenlenker, die an Knotenpunkten Passagieren weiterhelfen, ausgeschilderte Wegleitungen zum Schienenersatzverkehr oder Servicestellen an größeren Bahnhöfen. Es werde alles getan, um Kunden transparent zu informieren. Ansonsten könne man sich in der RMV App und im DB Navigator informieren. Klaus Zecher aber sagt: Die Kommunikation zwischen den einzelnen Bahn-Unternehmen funktioniere nicht immer. 

Auch wenn sich vergangene Woche die Einschränkungen im Eisenbahnknoten Mainz leicht veränderten, bleibt offen, ob Passagiere bald wieder pünktlicher ans Ziel kommen.

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