LeserbriefeFREI

Jüdischen Friedhof am Schabbat nicht besuchen

Stilles Gedenken

Dienstag, 11. Mai 2021 - 09:30 Uhr

von Von Walter Schiffer aus Borken

Leserbrief zum BZ-Artikel “ vom 5. Mai: 8. Mai 1945 - Ende des Zweiten Weltkrieges - (geschätzt) 60 Millionen Tote sind zu betrauern. Daran zu erinnern, ist sinnvoller Bestandteil der Gedenkkultur.

Foto: Peter Berger

Als Ort des Gedenkens in diesem Jahr den jüdischen Friedhof zu wählen, der am Schabbat nicht betreten werden darf, ist jedoch völlig unpassend. Wenn die SPD – trotz gegebener Hinweise – die Veranstaltung dort trotzdem durchgeführt hat, verstößt sie gegen die dort geltende „Hausordnung“ (eine kurze Recherche im Netz hätte den Hinweis bestätigen können). Auf diese Art, an diesem Ort, zu dieser Zeit zu gedenken, ist in sich widersprüchlich und unwürdig. Solch ein Verhalten der SPD-Funktionäre ist nur möglich, weil es keine jüdische Gemeinde mehr in Borken gibt. Diese, wie auch die dort Bestatteten, hätten sich einen Besuch des Friedhofs am Schabbat verbeten.

Die Einsender vertreten ihre eigene Meinung, für die die Redaktion keine Verantwortung trägt. Kürzungen bleiben in jedem Fall vorbehalten. Briefe ohne vollständigen Namen und Adresse werden nicht veröffentlicht.

Am 5. Mai in der BZ: SPD lädt ein – stilles Gedenken am 8. Mai

Anlässlich des 76. Jahrestags des Kriegsendes lädt die Borkener SPD am Samstag, 8. Mai, ab 18 Uhr zum stillen Gedenken auf dem jüdischen Friedhof am Replingsfunder ein. Dabei solle aller Opfer gedacht werden, egal welcher ethnischen, religiösen, nationalen oder weltanschaulichen Identität, die in der Zeit von 1933 bis 1945 durch das Wirken der Faschisten ums Leben kamen, teilen die Organisatoren mit. Für die Teilnahme gelten die pandemiebedingten Regeln Abstand halten und Nase- Mundschutz tragen.

Die jährliche SPD-Veranstaltung „Gegen das Vergessen“, die im November 2020 abgesagt wurde und eigentlich am 7. Mai stattfinden sollte, muss erneut verschoben werden. Neuer Termin ist nun der Donnerstag, 4. November. Referent ist weiterhin Niklas Frank. Er ist der Sohn von Hans Frank, Hitlers „Generalgouverneur“ im besetzten Polen.

1987 veröffentlichte der Journalist eine, wie es im Untertitel des Buches hieß, Abrechnung mit seinem Vater, der 1946 bei den Nürnberger Prozessen zum Tod durch den Strang verurteilt wurde. Unter dem Titel „Auf in die Diktatur!“ brachte Niklas Frank 2020 nach eigenen Angaben einen Wutanfall zu Papier. Der 82-Jährige erkennt in Rhetorik und Verhalten heutiger Politiker erschreckende Parallelen zur NS-Zeit.