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Leserbriefe

„Ein großer Verlust“

Geburtshilfe

Dienstag, 31. Dezember 2019 - 09:30 Uhr

von Dr. Regina Murnik (Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Coesfeld)

Leserbrief von Dr. Regina Murnik zum Thema Geburtshilfe und Frauenheilkunde in Borken.

Foto: Peter Berger

Voraussichtlich in zweieinhalb Jahren soll die Geburtshilfe im südlichen Kreis Borken in Bocholt konzentriert werden.

Die Hebammen am St. Marien-Hospital in Borken wünschen sich, dass der Kreißsaal erhalten bleibt, um ihre wertvolle Arbeit fortsetzen zu können. Die Politiker der Stadt Borken wünschen sich eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung junger Familien. Die Kirche wünscht sich Taufen. Die Krankenhausverwaltung wünscht sich gut funktionierende Fachabteilungen, spezialisierte Versorgungszentren und in Zeiten von Pflegenotstand und Fachärztemangel, attraktive Arbeitsbedingungen zu erhalten. Das sind alles gute Wünsche für die kommenden Jahre. Zur Geschichte des St. Marien-Hospitals Borken ist zu sagen, dass es einen seelsorgerischen Ursprung hat; es versteht sich als traditionsreiche Einrichtung in katholischer Trägerschaft mit gemeinnützigem Auftrag. Der Kaplan Johannes Vincke bat 1844 um Mittel aus den Armenfonds der Stadt und der Clemensschwestern. Es wurden ihm ein Haus Am Boltenhof für etwa zehn Kranke und genug Unterhalt für zwei Ordensschwestern, Elisabeth Timmermann und Barbara Rustemeier, bereitgestellt. Bemittelte Kranke durften nur aufgenommen werden, wenn die Pflege armer Kranker nicht darunter litt, ausgenommen Altersschwache und Wöchnerinnen. Bis 1900 war das Krankenhaus auf Schenkungen und Spenden angewiesen. Was hätten wohl Elisabeth und Barbara damals gemacht, wenn sie die Wöchnerinnen nicht mehr Am Boltenhof hätten versorgen können?

Damals haben den Schwestern die Stadt und die Kirchengemeinde mit der Kirchenkollekte für das Hospital ihre Arbeit ermöglicht. Heute sind wir im Zeitalter von Fallpauschalen und Zentralisation so weit, dass sich die Hebammen an die Seite der Frauen in Borken stellen, damit diese nicht lange Fahrten bis nach Ahaus, Bocholt oder Coesfeld haben, und um selbstbestimmt, individualisiert und familienfreundlich sicher ihr Kind zu bekommen. Da insbesondere in geburtshilflichen Notfällen für Mutter und Kind die bestmögliche Versorgung sichergestellt werden sollte, wäre die geplante Schließung des Kreißsaales meiner Meinung nach für Borken ein großer Verlust.