Leichtatletik

Warum das DLV-Team nach der EM auf weitere Erfolge hofft

21 Medaillen nimmt die deutsche Auswahl aus Birmingham mit nach Hause. Weshalb Athleten und Verbandsführung auf einen anhaltenden Aufschwung hoffen.

Von Robert Semmler und Christian Johner, dpa

17.08.2026

Karl Bebendorf (l) und Frederik Ruppert wollen auch weiter erfolgreich über die Hindernisse laufen.Sven Hoppe/dpa

Karl Bebendorf (l) und Frederik Ruppert wollen auch weiter erfolgreich über die Hindernisse laufen.Sven Hoppe/dpa

© Sven Hoppe/dpa

Gina Lückenkemper fieberte nach Silber mit der Mixed-Sprint-Staffel vor einem Fernsehschirm im Alexander Stadium mit, als Frederik Ruppert über 3.000 Meter Hindernis zum Europameistertitel lief. Das abschließende Wochenende brachte dem deutschen Leichtathletik-Team noch einmal viele Medaillen, am Ende waren es insgesamt 21, so viele wie seit 1998 nicht.

Warum diese EM gut verlief und Mannschaft und sportliche Führung hoffen, sich bei der WM 2027 in Peking und Olympia 2028 in Los Angeles auch gegen die Weltspitze zu behaupten. 

Guter Teamgeist

Die 114 deutschen Athletinnen und Athleten traten bei den ersten Europameisterschaften auf britischem Boden als geschlossene Einheit auf. „Wir haben uns einfach unfassbar gut alle gegenseitig unterstützt. Das ist so ein Gesamt-Feeling, was man einfach in dieser Mannschaft gespürt hat“, sagte Sprinterin Gina Lückenkemper, die auch als Team-Kapitänin fungierte.

Die deutsche Mixed-Staffel sprintete zu Silber.Sven Hoppe/dpa

Die deutsche Mixed-Staffel sprintete zu Silber.Sven Hoppe/dpa

© Sven Hoppe/dpa

Es gab - anders als zum Beispiel bei Olympia 2024 in Paris - kaum internen Streit. Lea Meyer erkannte nach einem Frust-Interview schnell an, dass Gesa Krause über 3.000 Meter Hindernis die Bessere war.

Gewachsenes Selbstbewusstsein

Die deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten trauen sich wieder was zu und gehen offensiv in ihre Wettkämpfe. Nicht alles ging auf, so kam Robert Farken nach der öffentlich geäußerten Hoffnung auf Gold über 1.500 Meter nur auf Platz neun. 

„Man lernt daraus, macht den nächsten Schritt, und das ist das Entscheidende, und dann wächst ein Selbstvertrauen da draus“, sagte Leistungssport-Vorstand Jörg Bügner vom deutschen Leichtathletik-Verband, der ein ganz anderes Selbstverständnis im Team sieht.

Bügner erinnerte an den Tiefpunkt, die medaillenlose WM 2023 in Budapest. Nun könne das Team Birmingham mit breiter Brust verlassen. Bei der WM 2027 und Olympia 2028 würden aber wieder andere Regeln gelten, betonte Bügner. „Man muss die Erfolge feiern und realistisch einschätzen, dass das nächstes Jahr ein ganz anderer Markt ist.“

Größere Breite

Es gibt nicht mehr nur eine Handvoll Hoffnungsträger wie Zehnkämpfer Leo Neugebauer und Speerwerfer Julian Weber, die in Birmingham mit Gold ablieferten. „Vor zwei Jahren habe ich mich nackig gefreut über Bronze“, sagte Hindernisläufer Karl Bebendorf. Diesmal war ihm das nicht genug. Europameisterschaften fühlten sich inzwischen an wie deutsche Meisterschaften vor einigen Jahren.

„Ich finde es mega, wie die Entwicklung des deutschen Teams in diesem Jahr ist“, sagte Bebendorf. „Wir haben ja fast in jeder Disziplin hier Medaillenkandidaten dabei.“ Aufgrund von dieser Masse ist es einfach viel breiter, „als wenn man nur eine Malaika hat, mal einen guten Speerwerfer.“ In Nick Thumm, der Weber fast den Sieg entrissen hätte, gab es bei der EM noch zweiten.

Malaika Mihambo blieb diesmal ohne Medaille.Sven Hoppe/dpa

Malaika Mihambo blieb diesmal ohne Medaille.Sven Hoppe/dpa

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Weitspringerin Malaika Mihambo - vor zwei Jahren einzige Europameisterin - ging diesmal als Fünfte dagegen leer aus. Dafür holte die Männer-Sprint-Staffel Silber, und das auch ohne den von einer Sperre bedrohten 200-Meter-Europameister Owen Ansah.

Keine Klagen

Über verletzt fehlende Asse lamentierte in Birmingham niemand. Für den deutschen Rekordläufer Mohamed Abdilaahi und Hochspringer Tobias Potye sprangen andere ein. Florian Bremm holte über 5.000 Meter Silber, ebenso Speerwerferin Julia Ulbricht. Mit ihr hatte wohl kaum jemand gerechnet - am ehesten vielleicht noch sie selbst. „Ich habe gehofft, dass es in Erfüllung geht und ich das schaffe“, sagte Ulbricht.

Julia Ulbricht gewann überraschend Silber mit dem Speer.Sven Hoppe/dpa

Julia Ulbricht gewann überraschend Silber mit dem Speer.Sven Hoppe/dpa

© Sven Hoppe/dpa

Die Läuferinnen und Läufer

Deutschland hat wieder laufen gelernt. Neben Ansahs Erfolgen im Einzel überzeugten die Sprinterinnen und Sprinter vor allem im Team. Über die Hindernisse gingen die EM-Titel an Gesa Krause und Frederik Ruppert, im Marathon an Amanal Petros. Auf den längeren Distanzen mischen vor allem die deutschen Männer derzeit kräftig mit, auch bei Rennen der hochklassig besetzten Diamond League, in der Konkurrenten aus aller Welt antreten.

„Der Laufbereich generell hat einen extremen Aufschwung bekommen“, sagte Ruppert. „Freddy und ich haben gezeigt, dass wir in Europa zur Spitze gehören oder Spitze sind. Das gilt es jetzt halt, in den nächsten Jahren in der Welt zu zeigen“, sagte Bebendorf.

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