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Rudern zwischen Wellen und Sand: Was ist Coastal Rowing?

Coastal Rowing verbindet Strandstimmung und Rudersport. Vor der Olympia-Premiere 2028 geht es bei der WM in China um wichtige Titel. Auch die deutschen Starterinnen und Starter hoffen auf Medaillen.

Von Jana Glose, dpa

13.10.2026

Coastal Rowing feiert 2028 Premiere bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. (Archivbild) Robert Michael/dpa

Coastal Rowing feiert 2028 Premiere bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. (Archivbild) Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

Der Golden Beach im chinesischen Qingdao gilt als „Strand Nummer eins in Asien“. Wo sonst Urlauber Sand, Wellenrauschen und entspannte Atmosphäre genießen, geht es ab Sonntag um WM-Medaillen: Rund 300 Ruderinnen und Ruderer treten im Coastal Rowing Beach Sprint an. Die noch junge Disziplin feiert 2028 in Los Angeles ihre olympische Premiere. Das steckt hinter der Sportart:

Was ist Coastal Rowing?

Coastal Rowing, auf Deutsch Küstenrudern, ist eine eigenständige Disziplin des Ruderns und gilt auch als Wildwasser-Variante. Die Rennen finden auf dem Meer oder auf großen Seen statt – nicht auf geraden, möglichst ruhigen Regattastrecken. Neben der vier bis sechs Kilometer langen Langstrecke („Endurance“) gibt es den kurzen und dynamischen Beach Sprint, der 2028 Olympia-Premiere feiert und daher im Fokus steht. 

Wie läuft ein Rennen beim Beach Sprint ab?

Die Athletinnen und Athleten sprinten von einer Startlinie am Strand zu ihren im Wasser liegenden Booten. Sie rudern durch einen Slalomkurs, umrunden zwei Bojen und wenden an einer dritten um 180 Grad.

Zurück am Strand steigen sie aus ihren Booten aus und sprinten zur Ziellinie, an der sie einen Buzzer drücken müssen. Ein Rennen dauert je nach Bootsklasse und Bedingungen etwa Zweieinviertel bis drei Minuten. 

Im Ziel muss ein Buzzer gedrückt werden. (Archivbild) Robert Michael/dpa

Im Ziel muss ein Buzzer gedrückt werden. (Archivbild) Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

Was ist das Besondere an der Sportart? 

„Im klassischen Rudern fährt man von A nach B. Beim Coastal Rowing kommen viele neue Elemente hinzu – das bricht das traditionelle Rudern völlig auf“, sagte Bundestrainer Adrian Bretting der Deutschen Presse-Agentur. „Den ganzen Tag läuft Musik, am Strand herrscht ein wenig Partystimmung. Show-Elemente wie der Buzzer sorgen für zusätzliche Spannung – mit engen Entscheidungen und viel Dynamik hat es einen Hauch von „Ninja Warrior“.“

Wie funktioniert das Wettkampfsystem?

Zunächst absolvieren alle Starter ein Einzelzeitfahren, das sogenannte „Time Trial“. Die besten 16 erreichen das Achtelfinale. Der Rest scheidet aus. Danach geht es im direkten K.-o.-System weiter: Der Erste trifft auf den 16., der Zweite auf den 15. und so weiter. Die Sieger ziehen jeweils in die nächste Runde ein. Ab dem Viertelfinale folgen die Rennen unmittelbar aufeinander. Neben Schnelligkeit ist daher auch eine gute Grundlagenausdauer gefragt. 

Statt auf einer Regattastrecke wird auf offenen Gewässern gerudert. (Archivbild) Robert Michael/dpa

Statt auf einer Regattastrecke wird auf offenen Gewässern gerudert. (Archivbild) Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

Warum ist das Format für Zuschauer besonders spannend?

Beim Coastal Rowing folge ein Rennen deutlich schneller auf das nächste als beim klassischen Rudern, erklärte Bretting. „Dort liegen teils Tage zwischen den Rennen. Beim Coastal Rowing soll es bei Olympia vom Start des ersten Viertelfinals bis zum Goldmedaillengewinner weniger als eine Stunde dauern.“ Der kompakte Ablauf sorge für viel Dynamik und mache die Sportart auch für die Fernsehübertragung interessant.

Was ist das Besondere an den Booten?

Die Boote sind breiter und robuster als klassische Ruderboote und damit besser für Wellen und unruhiges Wasser geeignet. Sie haben ein offenes Heck, durch das Wasser abfließen kann. Bei Wettkämpfen werden sogenannte Pool-Boote genutzt: Sechs bis acht baugleiche Boote stehen allen Teams zur Verfügung. Das reduziert den Transportaufwand enorm. Zugleich bleiben nur wenige Minuten für individuelle Einstellungen. Eigene Skulls (Ruder) dürfen genutzt werden. 

Die Rudervariante verbindet sportliche Höchstleistung mit Strand, Musik und Partystimmung. (Archivbild) Robert Michael/dpa

Die Rudervariante verbindet sportliche Höchstleistung mit Strand, Musik und Partystimmung. (Archivbild) Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

Wer startet für Deutschland?

Die deutschen Coastal-Rower kommen aus dem klassischen Rudern. Einige suchen nach erfolgreichen Jahren dort neue sportliche Herausforderungen. Zum WM-Aufgebot gehört etwa auch Moritz Wolff. 2024 bei Olympia in Paris war er Schlagmann des deutschen Männer-Doppelvierers. Unter den 222 Crews aus 52 Nationen bei den Titelkämpfen in China sind deutsche Ruderer im Männer- und Frauen-Solo, im Mixed-Vierer sowie im Mixed-Doppelzweier. 

Wie bereitet sich das deutsche Team vor?

Die Grundlagen fürs Coastal Rowing werden am Bundesstützpunkt in Berlin gelegt. Neben Fitness, Kraft und Ausdauer werden auch die Sprints im Sand, das Ein- und Aussteigen sowie Wenden trainiert. Trainingslager am Meer, etwa in Portugal, ergänzen die Vorbereitung. Länger als etwa zwei Wochen bleibe das Team dort meist nicht, weil das Rudern auf dem Meer sehr intensiv sei, berichtete Bundestrainer Bretting.

Aus den extra fürs Coastal Rowing gebauten Booten geht es nach dem Parcours zurück zum Strand. (Archivbild) Robert Michael/dpa

Aus den extra fürs Coastal Rowing gebauten Booten geht es nach dem Parcours zurück zum Strand. (Archivbild) Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

Was macht Beach Sprint so anspruchsvoll?

Hinter der Sportart mit dem lässigen Surfer-Lifestyle steckt ein taktisch anspruchsvoller Wettkampf. Ein Rennen kann bereits beim Start entschieden werden. Wer schneller zum Boot kommt, hat einen Vorteil – muss diesen aber auf dem Wasser und beim Zielsprint verteidigen. Auch die Position auf dem Kurs ist wichtig: Wellen und Wind können einzelne Bahnen unterschiedlich stark beeinflussen. Anspruchsvoll ist auch die Wende um die Boje. 

Wie steht es um die deutschen Medaillenchancen?

Im Mixed-Doppelzweier ist Deutschland amtierender Europameister im Beach Sprint, im Männer-Solo gab es zuletzt Bronze. Beide Boote schielen auch bei der WM auf die Medaillen. „Es kann alles passieren, weil es super eng ist und ein Fehler schon das Ende bedeuten kann. Vor allem durch die Olympia-Premiere wird alles enger. Aber unsere Paradeboote haben wir schon die Ambition in Richtung der Medaillen mitzufahren“, sagte Bretting.

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