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Zidane-Effekt statt Klopp: Real setzt auf kleine Lösung

Ausgerechnet ein enger Freund von Xabi Alonso tritt bei Real Madrid die Nachfolge des früheren Leverkusener Meistertrainers an. Álvaro Arbeloa ist als Coach ein Anfänger. Wie geht es mit ihm weiter?

Von Emilio Rappold, dpa

13.01.2026

Alvaro Arbeloa leitet das Training bei Real Madrid.Manu Fernandez/AP/dpa

Alvaro Arbeloa leitet das Training bei Real Madrid.Manu Fernandez/AP/dpa

© Manu Fernandez/AP/dpa

Jürgen Klopp wollte nach dem Aus von Xabi Alonso bei Real Madrid erst gar keine Spekulationen aufkommen lassen. „Das hat natürlich mit mir gar nichts zu tun, und es hat in mir auch nichts ausgelöst“, sagte der Erfolgscoach beim österreichischen Sender ServusTV nach dem Trainer-Beben beim spanischen Fußball-Rekordmeister.

Das Comeback des Jahres wird es demnach nicht geben - auch wenn Klopp laut Transfer-Experte Fabrizio Romano im Management des Clubs einige Fans hat und der TV-Sender Sky behauptet, der Deutsche sei für eine Sommer-Lösung zumindest nicht abgeneigt. Er fühle sich in seiner aktuellen Rolle als „Global Head of Soccer“ bei Red Bull „am richtigen Ort“, so Klopp, der vor anderthalb Jahren nach seiner langen Zeit in Liverpool aus dem Trainergeschäft ausgestiegen war.

Nach der ersten Trainingseinheit sagte Alonso-Nachfolger Álvaro Arbeloa, er betrachte sich nicht als Notnagel. Er trete den Job mit viel Vorfreude, aber nicht mit hohen Ansprüchen an. „Ich werde bleiben, solange der Club mich will. Ich habe keine Angst vor dem Scheitern.“ Aber Arbeloa weiß auch: „Hier zählen nur Siege. Real Madrid heißt: gewinnen, gewinnen und noch mehr gewinnen.“

Pérez hofft auf Zidane-Effekt

Der allmächtige Real-Präsident Florentino Pérez hofft nach der Trennung des früheren Leverkusener Meistertrainers nun auf den Zidane-Effekt. Ähnlich wie einst bei der Beförderung des französischen Superstars Anfang 2016 soll der 42 Jahre alte Arbeloa als bisheriger Coach der zweiten Mannschaft Real wieder zu neuen Erfolgen führen und die in letzter Zeit sich häufenden Demütigungen von Erzrivale FC Barcelona abstellen.

Die nur kurze Ära von Alonso war am Montag nach nur 232 Tagen zu Ende gegangen - einen Tag nach dem 2:3 im spanischen Supercup-Finale gegen Barça. Schon im Dezember stand der frühere Weltklasse-Spieler vor dem Aus, ehe sich das Team um Superstar Kylian Mbappé und Co. etwas stabilisierte, aber keineswegs glänzte.

„Dieses Kapitel meiner Karriere ist nun zu Ende, und es ist nicht so verlaufen, wie wir es uns gewünscht hätten. Trainer von Real Madrid zu sein, war mir Ehre und Verantwortung zugleich“, schrieb Alonso auf Instagram. Er gehe „mit Respekt, Dankbarkeit und dem Stolz, mein Bestes gegeben zu haben“, so der Coach.

Aufmunternde Worte gab es von Klopp. „Das tut mir wirklich leid für ihn, weil ich halte ihn wirklich für einen großartigen Trainer, und es wird für ihn natürlich auch weitergehen. Aber das war sein Verein und ich glaube, Real Madrid bedeutet für die meisten Trainer so Endstufe. Wenn man mal da ist, dann möchte man da bleiben“, sagte Klopp über Alonso.

Jürgen Klopp wird nicht Trainer bei Real Madrid. (Archivbild)Jan Woitas/dpa

Jürgen Klopp wird nicht Trainer bei Real Madrid. (Archivbild)Jan Woitas/dpa

© Jan Woitas/dpa

Arbeloa mit hervorragender Entwicklung

Nun also Arbeloa. Die Fachzeitung „Marca“ erhob den engen Alonso-Freund gleich zum „neuen Zinédine Zidane“. Der Franzose hatte nach einer erfolgreichen Profikarriere bei Real auch zunächst als Coach des B-Teams angefangen, bevor er schließlich Toni Kroos & Co. dreimal in Serie zum Champions-League-Triumph führte.

Er habe nach der Entscheidung des Clubs „natürlich mit Xabi gesprochen“. „Ihr alle hier wisst, welche Freundschaft mich mit ihm verbindet. Ich schätze ihn sehr, und ich weiß, dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Und so wird es bleiben. Er hat mir alles Gute gewünscht.“ Den Rest des Gesprächs behalte er für sich.

Der frühere Club-Profi Arbeloa - immerhin Welt- und Europameister mit Spanien - habe seit 2020 bei Real als Jugend- und B-Team-Trainer mit insgesamt 151 Siegen in 200 Begegnungen „geglänzt“, schrieb das Fachblatt „AS“. Er sei ein „moderner“ Coach. Der frühere Rechtsverteidiger hat als Coach zwar keine Erfahrung im Elite-Fußball, gilt aber als Mann mit Charakter und einer engen Beziehung zu Club-Boss Pérez. 

Arbeloa hat als Trainer im Elite-Fußball keine Erfahrung. (Archivfoto)Paul White/AP/dpa

Arbeloa hat als Trainer im Elite-Fußball keine Erfahrung. (Archivfoto)Paul White/AP/dpa

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Innerhalb des Klubs wird Arbeloa für seine moderne Herangehensweise geschätzt, etwa für den Einsatz von Drohnen für Trainingsaufnahmen und seine aktive Einflussnahme während der Spiele, mit der er das B-Team auf Platz vier der dritten Liga führte. Zudem wird seine enge Verbindung zu mehreren Profis des Teams und seine Erfahrung als ehemaliger Spieler hervorgehoben, die ihm - wie es in Madrid heißt - Glaubwürdigkeit und Autorität im Kader verschaffen.

„Special One“ als Vorbild

Er könne mit dem vorhandenen Kader ähnliche Erfolge wie Zidane erringen, heißt es in Madrid - auch wenn er als Coach und charakterlich eher mit dem früheren portugiesischen Clubtrainer José Mourinho verglichen wird. 

Der „Special One“ galt als Motivationskünstler, war aber auch ein umstrittener Provokateur. Ein ganz anderer Typ Trainer und Mensch also als der eher ruhige Alonso. Natürlich wurde Arbeloa auf der Pressekonferenz zu Mourinho gefragt: „Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen. Für mich war es ein Privileg, von ihm trainiert zu werden. Es ist eine Person, die mich sehr geprägt hat.“

Enorme Herausforderungen

Leicht wird seine Aufgabe aber nicht sein. Die Nerven liegen an der Avenida Concha Espina blank. Die Trennung von Alonso war eine Folge der sportlichen Krise: Neben Niederlage gegen Barcelona im Supercup-Finale hinkt Real auch in der Liga dem Team von Trainer Hansi Flick mit vier Punkten Rückstand hinterher. In der Champions League rangieren die Madrileños derzeit nur auf Platz sieben – die Playoffs drohen. 

Dass Alonso der Alleinschuldige für die Real-Krise war, wird in Madrid aber nicht überall geteilt. Auch der Zwist mit Ex-Weltfußballer Vinícius Junior beschädigte den Ruf des in Leverkusen noch so gefeierten Alonso.

Die Berichte über den angeblich sehr komplizierten Kader lassen Arbeloa aber vorerst kalt. „Wir haben einen Kader mit großartigen Fußballern, und es sind alles gute Jungs. Niemand ist mehr daran interessiert, Titel zu gewinnen, als die Spieler.“ 

Arbeloa muss sich nun zunächst in der Fußball-Provinz bewähren. Bereits am Mittwochabend steht das Pokal-Achtelfinalspiel gegen den Tabellen-17. der 2. Liga, Balompié Albacete. Für den Neuen gibt es keine große Einarbeitungszeit, schon am Samstag folgt das Liga-Duell gegen UD Levante und am Dienstag darauf erneut vor eigenem, sehr anspruchsvollen Publikum im Bernabeu-Stadion das Champions-League-Duell mit der AS Monaco. Die Probezeit läuft.

Arbeloa gilt als enger Freund seines Vorgängers Xabi Alonso. (Archivfoto)Pablo Garcia/AP/dpa

Arbeloa gilt als enger Freund seines Vorgängers Xabi Alonso. (Archivfoto)Pablo Garcia/AP/dpa

© Pablo Garcia/AP/dpa

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