Kein Visum: Russische Weltmeisterin geht vor EM wakeboarden
Erst gibt es keine Visa, dann wird es hektisch: Russlands Turn-Ass Angelina berichtet von der Anreise zur EM und wie sie sich abgelenkt hat.
Vom Wakeboard zu Gold: Angelina Melnikowa (M).Igor Kralj/PIXSELL/dpa
© Igor Kralj/PIXSELL/dpa
Ablenkung auf dem Wasser statt Anreise zu den Europameisterschaften: Weil Russlands Turnerinnen lange Zeit keine Visa zur Einreise nach Kroatien bekommen haben, ist Mehrkampf-Weltmeisterin Angelina Melnikowa kurzerhand aufs Wakeboard gestiegen. „Ich brauchte neue Emotionen, um mich von den schlechten Nachrichten abzulenken. Ich habe einen neuen Sport kennengelernt“, sagte die 26-Jährige in Zagreb nach ihrem Sieg im Mehrkampf und berichtete von noch schmerzenden Händen vom wakeboarden.
Eigentlich wollte das russische Team am vergangenen Sonntag nach Kroatien fliegen. Am Samstag sei ihr dann gesagt worden, dass sie nicht reisen könne. „Am Montag - unerwartet - wurde ich angerufen und mir wurde gesagt, dass die Visa ausgestellt sind, Du musst Deine Sachen packen und zum Flughafen fahren. Das war sehr stressig, weil ich eigentlich schon entspannt war“, erzählte Melnikowa.
Was vor der Anreise passierte
„Nach andauernden Gesprächen zwischen der kroatischen Regierung, dem kroatischen Turnverband und dem europäischen Turnverband hat der Großteil der russischen Delegation nun seine Visa erhalten und wird rechtzeitig zum Podiumstraining in Zagreb eintreffen“, hatte European Gymnastics am Montag mitgeteilt. Das Podiumstraining ist die einzige Möglichkeit, an den Wettkampfgeräten zu trainieren, bevor der Wettkampf beginnt.
So flogen Melnikowa und ihre Teamkolleginnen kurzfristig von Moskau über Doha nach Zagreb und landeten dort am Dienstag. „Wir sind um 7.00 Uhr auf dem Flughafen angekommen und um 11.00 Uhr mussten wir bereit sein fürs Podiumstraining“, erzählte sie.
Die russischen Turnerinnen dürfen in Zagreb nur ohne Flaggen, Hymne und jegliche nationalen Symbole antreten und werden als „World Gymnastics 2“ geführt. Gleiches gilt für Belarus, das als „World Gymnatics 1“ antritt.
Die Sportler beider Nationen waren wegen des Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine, bei dem Belarus als Unterstützer gilt, seit Februar 2022 von Wettkämpfen ausgeschlossen und durften unter bestimmten Voraussetzungen als neutrale Athleten starten. Im vergangenen Mai hatten der Weltverband (Fig) und European Gymnastics alle Sanktionen aufgehoben.