Glatzen-Streich und große Rolle: Leana Grozer vor erster EM
Volleyballerin Leana Grozer steht vor ihrem ersten großen Turnier mit dem Nationalteam. Wie sie nach schwierigen Monaten jetzt zur Führungsspielerin reifen möchte und womit sie ihren Vater schockte.
Die 19-Jährige will bei ihrer ersten EM eine tragende Rolle spielen.Andreas Arnold/dpa
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Da jagte Volleyball-Hoffnungsträgerin Leana Grozer ihrem Vater Georg einen kleinen Schrecken ein. Wegen einer verlorenen Wette wolle sich die 19-Jährige kurz vor der EM eine Glatze rasieren, warnte ihn ihre Mannschaftskollegin Hanna Orthmann am Telefon - und bat ihn, das zu verhindern. „Du weißt, dass ich alles Verrückte mit dir mitmache, aber bitte rasier‘ deinen Kopf nicht“, sagte der deutsche Ausnahmespieler inständig über das Telefon, wie in einem Video bei Instagram zu sehen ist.
Die Tochter konnte vor Lachen kaum noch an sich halten und löste den Streich kurz danach auf. Die Haare der 19-Jährigen bleiben dran und der Papa ist beruhigt. „Jedes Mal, wenn ich mir das Video jetzt wieder angucke, muss ich sehr, sehr lachen, und er hat es auch sehr positiv aufgenommen“, erzählt Grozer der dpa. „Er fand es super lustig.“
Die Stimmung bei der Außenangreiferin und ihren Mitspielerinnen ist kurz vor der EM in der Türkei, Schweden, Tschechien und Aserbaidschan offensichtlich gut. Das deutsche Team startet am Samstag (15.00 Uhr) in Istanbul gegen Slowenien in das Turnier. „Wir freuen uns alle, wir sind sehr gehyped. Ich freue mich sehr, es wird meine erste EM sein bei den Frauen“, sagt Grozer. „Natürlich habe ich schon ein Kribbeln auch in mir, wenn wir jetzt darüber reden.“
Grozer ist nach schwierigen Monaten bereit für die EM.Andreas Arnold/dpa
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Grozer: „Hatte mit meinem Körper zu kämpfen“
Die 19-Jährige, die als größtes Talent in Deutschland gilt, hat kein einfaches Jahr hinter sich. Die WM im vergangenen Sommer verpasste sie wegen einer Verletzung und zwei üblen Lebensmittelvergiftungen, wegen der sie sogar ins Krankenhaus musste. Auch in den Monaten danach warfen gesundheitliche Probleme Grozer bei Bundesligist Schwerin immer wieder zurück.
„Es hat mich schon ganz schön runtergehauen“, sagt sie. „Ich hatte immer mit meinem Körper ein bisschen zu kämpfen. Mental war es dann auch natürlich schwer, weil es keine einfache Saison war und ich sie mir komplett anders vorgestellt habe.“
Die Verletzungen seien jetzt gut unter Kontrolle, doch sie müsse immer noch auf die Signale des Körpers achten. „Manchmal müssen die Trainer mich auch ein bisschen bremsen, weil ich einfach super ehrgeizig bin und am liebsten alles machen will“, sagt Grozer. „Das geht aber nicht immer, und das muss ich versuchen zu lernen. Es ist ein Prozess.“
EM „genau die Art von Erfahrung, die sie braucht“
Grozers Spielanteile im Nationalteam sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Welche Rolle sie für sich bei der EM sieht? „Jetzt im dritten Jahr, wo ich auch viel spiele und dem Team auch dort viel geben kann, ist es auf jeden Fall eine Führungsperson zu sein.“ Wie ihr Vater kann die 19-Jährige auch in Drucksituation eine emotionale Anführerin sein.
Trainer Bregoli (l) setzt auf eine starke Gemeinschaft.Andreas Arnold/dpa
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Auch Bundestrainer Giulio Bregoli hofft vor allem, dass Grozer nun von weiteren gesundheitlichen Rückschlägen verschont bleibt. „Wenn alles gut läuft und sie dann regelmäßig auf dem Platz stehen kann, wird sie sich mit Sicherheit verbessern, denn sie hat die Qualität und das Talent dazu“, sagt der Italiener. Die Europameisterschaft sei „genau die Art von Erfahrung, die sie braucht, um das Niveau zu erreichen, das in ihr steckt.“
Der 51-Jährige will aber ungern einzelne Spielerinnen zu sehr herausheben. Die Nationenliga verlief wegen vieler personeller Veränderungen durchwachsen, auch wenn es einen Achtungserfolg gegen Brasilien gab. „Mit einigen Aspekten unseres Spiels sind wir ziemlich zufrieden, insbesondere mit dem Side-Out“, sagt der Trainer. Andere müssten noch verbessert werden. „Aber dieses Team funktioniert sehr gut.“
Schafft das deutsche Team bei der EM den nächsten Schritt?Andreas Arnold/dpa
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Das deutsche Team hat die Turnier-Mitfavoriten Türkei und Polen in der Gruppe. Viel wird von den drei ersten Gruppenspielen gegen Slowenien, Ungarn und Lettland abhängen. Danach muss die DVV-Auswahl dann zeigen, ob sie gegen die Allerbesten auch in entscheidenden Spielen gewinnen kann. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir auf diesem Niveau mithalten können“, sagt Bregoli. „Ich denke, das Wichtigste ist, Konstanz in unserem Spiel zu finden.“
Das Grozersche Anspruchsdenken hat Leana schon verinnerlicht. „Unser Ziel ist es, bei den Medaillen mitzuspielen“, sagt die 19-Jährige, die nach der EM den Schritt in die hochklassige italienische Liga macht. Das Team sei bereit für die Herausforderung, sagt sie.