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Ex-Weltmeister-Trainer Löw: Niemand braucht einen Abräumer

Joachim Löw beschreibt in einem Interview den Spielertypen, der heutzutage gefragt ist. Namhafte Beispiele führt er auch auf.

Von dpa

16.04.2026

Joachim Löw (r) erklärt in einem Interview die gefragten heutigen Spielertypen und nennt beispielhaft auch Joshua Kimmich. (Archivbild)  Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Joachim Löw (r) erklärt in einem Interview die gefragten heutigen Spielertypen und nennt beispielhaft auch Joshua Kimmich. (Archivbild) Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

© Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Für Joachim Löw geht auf internationalem Topniveau die Zeit der Spezialisten unter den Fußballern zu Ende. „Niemand sucht mehr nach einem Regisseur, nach einer klassischen Nummer 10, niemand braucht mehr einen reinen ‚Abräumer‘“, sagte der ehemalige Weltmeister-Trainer in einem Interview der „Zeit“. 

Beispiele für die Profis, die für die neue Generation stehen, nannte Löw auch: „Die Weltklassespieler von heute, nehmen Sie bis vor Kurzem Toni Kroos oder heute Joshua Kimmich oder Pedri von Barcelona, sie alle sind auf hohem Niveau Generalisten.“ 

Das zeichnet solche Fußballer besonders aus

Soll heißen: Es sind Spieler, die nicht fix auf einer Position eingesetzt werden müssen. Kimmich spielt mal in der Abwehr, mal als Sechser vor der Defensiv-Kette. Spaniens Pedri ist offensiver ausgerichtet, agiert im Mittelfeld, aber auch mal im Sturm bei den Katalanen. Kroos, Weltmeister unter Löw 2014, spielte während seiner ruhmreichen Karriere zentral, aber auch defensiv im Mittelfeld. Für alle drei gilt, dass sie vor allem auch durch ihre Spielintelligenz eine Mannschaft führen können. 

„Sie erkennen Situationen, bevor sie entstehen“, erklärte Löw in dem Interview: „Sie verfügen über eine überragende Technik, ihre Bewegungen führen immer weg vom Gegner, ihre Blicke suchen die freien Räume, die vor ihnen liegen. Sie grätschen nicht – und nur im Notfall spielen sie Foul. Sie laufen nicht weniger, aber sie laufen intelligenter.“ Mannschaften, die vor allem rennen, kämpfen und häufig foulen würden, würden auf oberstem Niveau keine Spiele gewinnen, befand Löw.

„In Deutschland wird gern gesagt: Wir müssen mehr kämpfen, wir müssen dreckig spielen. Damit gewinnt man vielleicht mal ein Spiel oder zwei, aber so wird man nie ein großes Turnier gewinnen oder die Champions League, auch nicht die Bundesliga“, ergänzte der mittlerweile 66-Jährige, der nach der WM 2006 in Deutschland vom Assistenten von Jürgen Klinsmann zum Nationaltrainer aufgestiegen war. Im Sommer 2021 endete die Ära Löw beim DFB. 

Das Thema Trainer-Comeback: Kann, muss aber nicht sein

Eine Rückkehr auf die Trainerbank schließt Löw nicht aus, er bekräftigte aber: „Tatsächlich sehe ich keinen großen Reiz darin, Wochenende für Wochenende Bundesligaspiele zu bestreiten. Aber ein Team mit internationalen Ambitionen mit Ausdauer an die europäische Spitze zu führen, das könnte ich mir vorstellen.“ Käme kein entsprechendes Angebot, sei das für ihn aber auch „völlig in Ordnung“.

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