Ministerin: 2026 nicht ohne wirtschaftliche Risiken
Nach einem schwachen Jahr 2025 sind die Prognosen für das neue Jahr nicht gerade vielversprechend. Thüringens Wirtschaftsministerin Boos-John hofft, dass Bund und Land für mehr Schwung sorgen können.
Wirtschaftsministerin Colette Boos-John: „Die momentanen Konjunkturdaten lösen bei mir keine Begeisterungsstürme aus.“ (Archivbild)Martin Schutt/dpa
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Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John rechnet im neuen Jahr mit einem verhaltenen Wirtschaftswachstum im Freistaat von etwa einem Prozent. Thüringen werde damit nach der Prognose etwa im Bundestrend liegen, erklärte die CDU-Politikerin in Erfurt. Mit Hochdruck müsse an der wirtschaftspolitischen Modernisierung Deutschlands gearbeitet werden, erlangte sie. Für Thüringen kündigte Boos-John weitere Schritte beim Bürokratieabbau, einfachere Förderregeln, die Modernisierung der wirtschaftsnahen Infrastruktur sowie ein besseres Standortmarketing an.
Ministerin: 2026 wird kein Selbstläufer
Boos-John: „2026 wird in wirtschaftlicher Hinsicht kein Selbstläufer. Die momentanen Konjunkturdaten lösen bei mir keine Begeisterungsstürme aus.“ Risiken sieht sie in einigen Auslandsmärkten, darunter den USA mit der Zollpolitik der Regierung, aber auch in Standortproblemen in Deutschland. „Es wird Zeit, dass wir das Ruder im neuen Jahr endlich herumreißen“, kommentierte sie die wirtschaftliche Situation.
Schwerpunkte sieht sie in Thüringen unter anderem im Bereich Mikroelektronik und Halbleiterfertigung. Dafür würden aus EU-Programmen 16 Millionen Euro in diesem und 22 Millionen Euro im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Der Topf für die Investitionsförderung der Thüringer Wirtschaft werde um gut zwölf Millionen Euro auf 134 Millionen Euro aufgefüllt. 2027 enthalte er dann 124 Millionen Euro. Das Geld werde als Finanzspritze für Investitionsprojekte von Unternehmen sowie für Infrastrukturvorhaben eingesetzt.
Boos-John für geringere Körperschaftssteuer
2025 habe Thüringen im ersten Halbjahr ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent verbucht – es lag damit über dem Bundesdurchschnitt. „Damit haben wir uns bisher erfolgreich gegen die schwierige globale Konjunkturlage gestemmt“, so Boos-John. Sie sei zuversichtlich, dass sich der Freistaat auch im Gesamtjahr 2025 mit gut einem halben Prozentpunkt Wachstum behaupten könne. Dafür sprächen gestiegene Industrie- und Bauumsätze. Die Daten zum Bruttoinlandsprodukt für 2025 liegen erst im März 2026 vor.
Eine gewisse Zuversicht für die deutsche Wirtschaftsentwicklung schöpfe sie daraus, dass eine Reihe von Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung 2026 greifen sollen. Dazu zählte sie Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung, verbesserte Abschreibungsregeln und eine höhere Forschungszulage für Unternehmen sowie die Senkung der Stromsteuer oder den geplanten Industriestrompreis für energieintensive Unternehmen.
Dem stünden die Konjunktur bremsende Entwicklungen wie steigende Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge gegenüber. Boos-John unterstützte einen Vorschlag von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die für 2028 geplante Senkung der Körperschaftssteuer für Unternehmen auf dieses Jahr oder zumindest auf 2027 vorzuziehen.