Politik Inland

Spaltung bei Polens rechtskonservativer PiS

Mehr als 30 Abgeordnete kehren Polens größter Oppositionspartei den Rücken – was steckt hinter dem Machtkampf zwischen Ex-Ministerpräsident Morawiecki und dem alternden Parteichef Kaczynski?

Von dpa

24.07.2026

 PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski erlebt gerade einen Bruch in seiner Partei. (Archivbild)Czarek Sokolowski/AP/dpa

PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski erlebt gerade einen Bruch in seiner Partei. (Archivbild)Czarek Sokolowski/AP/dpa

© Czarek Sokolowski/AP/dpa

Polens größte Oppositionspartei hat sich gespalten. Nach einem Richtungsstreit in der rechtskonservativen PiS werden mehr als 30 Abgeordnete um den Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki die Partei verlassen. Die genaue Zahl stehe noch nicht fest, sagte Parteichef Jaroslaw Kaczynski in Warschau. Ob auch Morawiecki selbst darunter ist, ließ er offen. Die PiS stellte bislang mit 186 Abgeordneten die größte Fraktion im polnischen Parlament.

Hintergrund ist ein Konflikt um die künftige Ausrichtung der Partei. Im März hatte der 77 Jahre alte Kaczynski den rechten Hardliner Przemyslaw Czarnek zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bei der Parlamentswahl 2027 gekürt. Die Nominierung zeigte, dass Kaczynski darauf spekuliert, Wähler rechtsradikaler Parteien für sich zu gewinnen. 

Ehemaliger Regierungschef stemmt sich gegen Rechtsdrall

Von dieser Entscheidung fühlt sich der wirtschaftsliberale Vize-Parteichef Morawiecki düpiert. Gemeinsam mit anderen gemäßigten PiS-Vertretern gründete er im Frühjahr eine Gruppierung mit dem Namen „Entwicklung Plus“. Die PiS müsse wieder zu einer großen Mitte-Rechts-Partei werden, forderte er: „In meiner Gruppierung engagieren sich Tausende Menschen, die Unternehmer und junge Leute erreichen wollen.“

Polens Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki ließ es auf eine Machtprobe mit dem Parteivorsitzenden Jaroslaw Kaczynski ankommen. (Archivbild)Krzysztof Zatycki/ZUMA Press Wire/dpa

Polens Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki ließ es auf eine Machtprobe mit dem Parteivorsitzenden Jaroslaw Kaczynski ankommen. (Archivbild)Krzysztof Zatycki/ZUMA Press Wire/dpa

© Krzysztof Zatycki/ZUMA Press Wire/dpa

Ultimatum verstreicht ohne Ergebnis

Doch Kaczynski war die Gruppe ein Dorn im Auge. Er verlangte mit einem Ultimatum ihre Auflösung und wollte, dass alle Mitglieder bis zum Donnerstag eine Solidaritätserklärung unterschreiben. Morawiecki verweigerte beides. Ein Krisengespräch am Donnerstag verlief ergebnislos.

Die rechtskonservative PiS, deren Name „Prawo i Sprawiedliwosc“ übersetzt Recht und Gerechtigkeit bedeutet, regierte Polen von 2015 bis 2023. In dieser Zeit baute sie das Justizsystem maßgeblich um, was unter anderem zur Konfrontation mit der EU-Kommission führte. Im Oktober 2023 verlor die PiS die Parlamentswahl und ist seitdem die größte Oppositionspartei des Landes.

Karte

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren
Zur Umbildung des Kabinetts ist als Nächstes der Bundespräsident gefragt. (Archivbild)Bernd von Jutrczenka/dpa
Update -

Politik Inland

zur Merkliste

Wie geht es jetzt bei der Regierungsumbildung weiter?

Den ersten Schritt zur Regierungsumbildung hat Kanzler Merz getan. Um ihn abzuschließen, ist auch Bundespräsident Steinmeier gefragt. Und dann soll es ja noch weitere personelle Veränderungen geben.

Das sind zunächst einmal die wichtigsten Personalien des großen Merz-Tableaus: Warken und Linnemann.Sebastian Gollnow/dpa
Update -

Politik Inland

zur Merkliste

Merz baut Regierung um - Wirbel um Schnieder

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich für die große Lösung bei seinem Personalumbau entschieden. Es läuft aber nicht alles wie geplant. Ein Puzzleteil scheint vom Tisch gefallen zu sein.