Ruf nach strenger Glücksspiel-Werbung: kein harmloser Spaß
Millionen Menschen sind glücksspielsüchtig oder zocken riskant viel. Die Werbung müsse strenger reguliert werden, fordern Fachstellen vor einem Aktionstag. Wie sprechen Anbieter ihre Zielgruppen an?
Wer zockt, sollte sich der Risiken bewusst ein, sagt die Landesfachstelle Sucht. (Archivbild)Julian Stratenschulte/dpa
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Die Werbung ist manchmal mit Coupons versehen oder lockt mit Bonus-Versprechen: Glücksspiel werde oft als harmloser Freizeitspaß dargestellt, kritisieren Landesfachstellen. Aber: „Werbung trägt dazu bei, Glücksspiel zu normalisieren und als alltäglichen Bestandteil des Lebens erscheinen zu lassen“, kritisiert Verena Küpperbusch, Leiterin der NRW-Fachstelle Glücksspielsucht in Bielefeld. Risiken wie Verschuldung, Kontrollverlust und Sucht würden meistens ausgeblendet.
Millionen riskant Spielende und süchtige Zocker
In Deutschland zocken 3,14 Millionen Menschen Glücksspiele in riskanter Weise, und weitere rund 1,25 Millionen Personen haben eine Glücksspiel-Störung, gelten als pathologische, süchtige Spieler. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen spielen etwa 682.000 Menschen in riskantem Ausmaß und 273.000 Personen werden als glücksspielsüchtig eingestuft, wie Küpperbusch unter Berufung auf den „Glücksspiel-Survey 2025“ schildert.
Zum bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 30. September fordern die Landesfachstellen eine deutlich strengere Regulierung von Glücksspielwerbung. Die Branche arbeite mit emotionalen Botschaften, Gewinnversprechen und einer gezielten Verknüpfung von Glücksspiel mit Sport, Unterhaltung, Gemeinschaft, sagt Küpperbusch. Häufig würden Nutzer auch direkt und individuell über personalisierte Werbung angesprochen.
Landesfachstelle NRW: Branche lässt sich Werbung viel kosten
Die Glücksspielbranche gab in Deutschland 2025 mehr als 620 Millionen Euro für Werbung aus - und gehört damit zu den zehn Branchen mit den größten Werbebudgets, wie die Landfachstelle Glücksspielsucht NRW berichtet.
Ein weiterer Hinweis auf erhebliche Werbeaktivitäten: Es gebe in „massivem Ausmaß“ Abfragen beim Sperrsystem OASIS. Glücksspielanbieter dürfen personifizierte Werbung nur direkt an Personen verschicken, die über dieses bundesweite Register nicht gesperrt sind, erläutert Küpperbusch. Betroffene können sich bei OASIS selbst sperren lassen. Zudem können Angehörige das veranlassen, wenn sie Belege über problematisches Zocken vorlegen.
Spielebetreiber seien verpflichtet, Fremdsperren zu beantragen, sofern sie Anzeichen für Suchtverhalten sehen - wenn etwa ein Kunde wiederholt exzessiv in der Spielhalle zocke. Diese Fremdsperre funktioniere aber nicht gut, solche Meldungen durch Anbieter seien sehr selten, moniert die Expertin. Das bundesweite OASIS-System wird im Regierungspräsidium Darmstadt geführt.
Konkret fordern die Fachstellen unter anderem:
- Werbung und Sponsoring für Angebote mit erhöhtem Suchtpotenzial sollen viel stärker begrenzt werden.
- Werbung in sozialen Medien sollte auf rein sachliche und nicht anreizende Informationen beschränkt werden.
- Werbung mit Boni, Freiwetten, Cashback-Systemen oder vergleichbaren finanziellen Anreizen müsse gänzlich unzulässig sein.
Illegale Angebote problematisch
Glücksspielangebote sind in Nordrhein-Westfalen flächendeckend verfügbar, kommunale Kontrollen aber lückenhaft, hatte jüngst eine Studie der Landesfachstelle Glücksspielsucht im Auftrag des Sozialministeriums ergeben. Hinzu kommen illegale Angebote, die große Sorgen bereiteten, sagt Küpperbusch. „Das ist ein besonders gefährlicher Markt, der auch in Nordrhein-Westfalen definitiv vorhanden ist.“ Wie groß der Schwarzmarkt sei, lasse sich schwerlich erfassen.