Leserbrief: „Bewusstes Auseinandersetzen spaltet nicht, es schafft Augenhöhe“
Leserbrief zu den Entscheidungen der Schützenvereine, Frauen als vollwertige Mitglieder aufzunehmen.
Symbolbild.
© Rolf Vennenbernd/dpa
Die Abstimmung im Schützenverein Heiden zeigt sehr deutlich, dass die Mehrheit der männlichen Mitglieder die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen ablehnt. In Weseke hat es nicht zur notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Satzungsänderung gereicht.
Ich als Frau habe dazu viele Fragen. Ich wünsche mir, dass die Antworten den Männern in Schützenvereinen als Grundlage von bewussten Diskussionen und künftigen Entscheidungen dienen.
Was sagt die Ablehnung der Mitgliedschaft über den gesellschaftlichen Stand in Sachen Gleichberechtigung? Artikel 3 des Grundgesetzes der BRD ist fast 77 Jahre alt.
Was machen solche Entscheidungen mit Frauen, denen eine aktive Mitgliedschaft mit gleichen Rechten wichtig ist? Die dachten, dass ihre bisherige Beteiligung wie das zur Verfügung stehen als Königin, Ehrendame, Röschenmacherinnen, Blumen- und Kartenbesorgerinnen, Büglerinnen, Kinderaufpasserin gesehen wird. Und das im Sinne von Eintracht, Harmonie und Ordnung? Ist das Grundgesetz nicht die Grundlage aller Ordnung in unserem Staat?
Könnten Frauen denken, dass ihr Einsatz für ein gutes Miteinander in den Schützenvereinen nicht gewürdigt wird? Könnten sie denken, „typisch Männer“ und dazu schweigen? Oder könnten sie empört und wütend sein, angesichts der Würdelosigkeit solcher Entscheidungen im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang? Könnten sie ihre Konsequenzen ziehen hinsichtlich einer freiwilligen Teilnahme? Das Geld für das Schützenfest in ein Wellnesswochenende investieren? Oder weitermachen wie bisher, weil alte Traditionen wichtig sind und die Rolle der Frau schon immer so war?
Warum tun sich Männer schwer, für die Mitgliedschaft zu stimmen? Nehmen ihnen die Frauen als aktive Mitglieder etwas weg? Ist es ein Problem, König an der Seite einer Frau zu sein, die den Vogel abgeschossen hat?
Wäre die gleichberechtigte, aktive Mitgliedschaft nicht ein Aspekt des verbesserten Miteinanders zur Zukunftssicherung der Schützenfesttradition?
Die bewusste und offene Auseinandersetzung mit diesen Themen ist keineswegs gefährlich oder spaltend für den Zusammenhalt in der Gemeinschaft. Sie ermöglicht ein würdiges Miteinander auf Augenhöhe und Entscheidungen.
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