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Praktisch, aber auch riskant - E-Scooter-Unfälle nehmen zu

Zwischen Freizeitspaß und Risiko - die Unfallzahlen mit E-Scootern steigen auch in Hessen. Warum gerade Leih-Scooter-Fahrer häufig betroffen sind – und wie die Polizei für mehr Sicherheit sorgen will.

Von Christine Schultze, dpa

29.04.2026

Sie sind handlich und wendig - aber ihre Nutzung kann auch riskant sein: Auch in Hessen steigt die Zahl der E-Scooter-Unfälle. (Symbolbild)Jens Büttner/dpa

Sie sind handlich und wendig - aber ihre Nutzung kann auch riskant sein: Auch in Hessen steigt die Zahl der E-Scooter-Unfälle. (Symbolbild)Jens Büttner/dpa

© Jens Büttner/dpa

E-Scooter sind wendig, in großen Städten leihweise verfügbar und für ihre Nutzung braucht man weder Prüfung noch Führerschein - das macht sie als Verkehrsmittel vor allem für junge Leute und für die letzte Meile von Bus und Bahn zur eigenen Haustür attraktiv. Doch schwere und auch tödliche Unfälle wie zuletzt wieder in Frankfurt verdeutlichen die Risiken. Dort stürzten zwei 18-Jährige auf einem E-Scooter an einer Straßenbahnlinie, einer von ihnen starb, als er von einer Tram erfasst wurde. Wie lässt sich für mehr Sicherheit rund um die Elektro-Flitzer sorgen? 

Was macht das Fahren mit E-Scootern riskant?

„Die vergleichsweise kleinen Räder machen das einspurige Fahrzeug recht instabil“, erklärt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicher im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. E-Scooter reagieren dadurch empfindlich auf Bodenunebenheiten, Hindernisse und Schlaglöcher. Hinzu kommen ein hoher Schwerpunkt und kurze Radstände, die das Bremsen erschweren. Entscheidend hänge das Unfallrisiko aber vom Fahrverhalten der Nutzer ab. „Häufigste Unfallursache ist die falsche Benutzung der Fahrbahn oder der Gehwege sowie Alkohol“, so Zeidler. Teils missachteten Fahrer das Ampel-Rotlicht oder nutzten die Scooter verbotenerweise mit mehreren Menschen. 

Auch ein Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen spricht von einer „erschreckenden Regelunkenntnis“ mancher Nutzer, die immer wieder auf Bürgersteigen oder entgegen der Fahrtrichtung unterwegs seien und oft versuchten, sich durch kleinste Lücken im Verkehr zu quetschen. Das mache es auch Autofahrern teils „extrem schwer“, die Verkehrssituationen und Gefahren einzuschätzen. Man appelliere daher zu Vorsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme. 

Wie häufig kommt es zu Unfällen?

Bundes- und auch hessenweit sind die Unfallzahlen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen - was natürlich auch daran liegt, dass mehr Scooter auf den Straßen unterwegs sind. Die hessische Polizei hat laut Innenministerium für 2021 im Bundesland 677 E-Scooter-Verkehrsunfälle registriert - nahezu doppelt so viele waren es mit 1.081 Unfällen im Jahr 2024. 

Auch die Zahl verunglückter Menschen verdoppelte sich im selben Zeitraum nahezu - von 391 im Jahr 2021 auf 716 im Jahr 2024. Eine ähnliche Entwicklung registrierten die Versicherer auch bundesweit: „Seit 2021 werden Scooterunfälle erfasst, seither hat sich die Zahl der Getöteten von 5 in 2021 auf 32 in 2025 entwickelt“, so Zeidler. 

Welche Unterschiede bei privaten und Leih-Scootern gibt es?

„Wir wissen aus unseren Untersuchungen: Wer einen eigenen Scooter fährt, ist in der Regel Vielfahrer, nutzt diesen oft für den Arbeitsweg, ist routiniert im Umgang, über 30 Jahre alt, fährt auf dem Radweg oder auf der Straße und trägt häufiger einen Helm“, erklärt Zeidler. Nutzer von Leih-Scootern seien hingegen meist jünger, weniger geübt, würden meist in der Freizeit und öfter auf dem Gehweg fahren - obwohl genau das verboten sei. Auch der Anteil der Leih-Scooter am Unfallgeschehen sei überproportional hoch.

Was spricht für die Nutzung von E-Scootern?

Befürworter heben die Zeitersparnis gerade im dichten Stadtverkehr hervor und verweisen auf die geringe körperliche Anstrengung durch den Elektroantrieb, eine hohe Flexibilität sowie den Wegfall der Parkplatzsuche. Auch Hessens Innenminister Roman Poseck sieht Vorteile: „E-Scooter haben sich in den letzten Jahren als praktische Alternative im Straßenverkehr etabliert.“ Sie würden vor allem von jungen Menschen als schnelles und flexibles Fortbewegungsmittel für kurze Strecken verwendet. „Wir wollen das E-Scooter-Fahren nicht grundsätzlich verbieten oder zurückdrängen, aber wir müssen auf die Gefahren noch konsequenter reagieren“, mahnt der Minister. 

Mehr Verkehrssicherheit - wie kann das gelingen?

Die Polizei sei vor dem Hintergrund steigender Unfallzahlen für das Thema besonders sensibilisiert, erklärt Poseck. „Neben Kontrollen setzen wir verstärkt auf Präventionsmaßnahmen, insbesondere in urbanen Gebieten.“ So bestehe in Hessens größter Stadt Frankfurt eine enge Zusammenarbeit mit der städtischen Verkehrsüberwachung. „Dazu zählen unter anderem Aufklärungsgespräche durch Schutzleute vor Ort, Informationsstände sowie Kooperationen mit weiteren Akteuren der Verkehrssicherheitsarbeit.“

Zur Eindämmung der Gefahren bei der Nutzung von E-Scootern setzt die hessische Polizei auf Prävention und Kontrollen. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Zur Eindämmung der Gefahren bei der Nutzung von E-Scootern setzt die hessische Polizei auf Prävention und Kontrollen. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Wie ist die Lage in Frankfurt? 

Diverse Leih-Systeme haben Frankfurt zu einer E-Scooter-Hochburg Hessens gemacht. Die Stadt hatte die Obergrenze zugelassener Roller kürzlich auf 10.000 reduziert, außerdem sind künftig nur noch drei statt sechs Anbieter zugelassen. Mit Kontrollen geht das Straßenverkehrsamt gegen Verstöße wie das Befahren von Fußgängerzonen wie der Zeil vor, aber auch gegen Abstell-Wildwuchs. Allein im vergangenen Jahr seien rund 780 E-Scooter-Verstöße in Frankfurt dokumentiert worden - meist wegen unzulässigen Abstellens der E-Roller auf Gehwegen, Radwegen oder Parkplätzen.

Worauf müssen Nutzer achten?

E-Scooter sind keine Spielzeuge, sondern versicherungspflichtige Kraftfahrzeuge - deshalb gelten für sie teils auch gleiche Regeln wie für Autofahrer, darunter gleiche Promillegrenzen. Gehwege sind für E-Scooter tabu, die Fahrer müssen Radwege oder die Straße nutzen. Handys dürfen während der Fahrt nicht genutzt werden. Die Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt und dürfen höchstens 20 Kilometer pro Stunde schnell sein.

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