OB von Frankfurt ruft nach Gewaltattacke zu Zivilcourage auf
Vor einer Oberschule in Frankfurt (Oder) wird ein 14-Jähriger brutal angegriffen. An der Aufarbeitung sind mehrere Behörden beteiligt und wollen reagieren. OB Strasser geht es auch um Zivilcourage.
Der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder), Axel Strasser, sucht mit Polizei, Schulen und anderen Behörden nach Wegen gegen Jugendgewalt. Carsten Koall/dpa
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Nach einer brutalen Gewaltattacke Jugendlicher hat der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) die Bürger zu mehr Zivilcourage aufgerufen. Es könne nicht hingenommen werden, dass Menschen daneben stünden und nicht einschritten, sagte Rathauschef Axel Strasser (parteilos) nach einer Sicherheitskonferenz mit Behördenvertretern in der Oderstadt. „Wir appellieren wirklich an diese Stadtgesellschaft, Zivilcourage zu zeigen (...).“ Laut Polizei hatten bei dem Gewaltvorfall vor einer Oberschule unbeteiligte Dritte nichts unternommen.
Polizei und Staatsanwaltschaft, aber auch Schulen, Jugendhilfe und die Ausländerbehörde sind in die weitere Aufarbeitung des Gewaltangriffs Jugendlicher gegen einen 14 Jahre alten Schüler eingeschaltet. Die zehn Tatverdächtigen sind zwischen 13 und 15 Jahren alt, darunter Syrer, Polen und Tschetschenen.
OB: Dimension der Jugendgewalt neu
„Es ist in dieser Dimension der erste Fall“, sagte Oberbürgermeister Strasser. „Allen ist die Dramatik der Situation sofort bewusst gewesen.“ Aber es handele sich bei der Gewaltattacke in der Stadt - anders als in Potsdam - nicht um verfestigte Strukturen unter Jugendlichen.
Was wird unternommen?
Nach den Herbstferien soll es Elternkonferenzen an Schulen geben, wie nach dem Sicherheitsgespräch in Frankfurt (Oder) angekündigt wurde. „Das bewegt alle“, sagte die Referatsleiterin vom Bildungsministerium, Regina Büttner. Die Schulen seien vorbereitet.
Auch die Präsenz von Polizei und Ordnungsamt werde vor den Schulen erhöht, um das Sicherheitsgefühl zu stärken. Geprüft werden auch aufenthaltsrechtliche Möglichkeiten. Hier sieht der OB jedoch keine große Aussicht auf Erfolge, wie er sagte. Einfache Lösungen als Antwort auf das Phänomen zunehmender Jugendgewalt in Deutschland und den Einfluss der sozialen Medien wird es laut Strasser ohnehin nicht geben.
Entschuldigen sich Verdächtige beim Opfer?
Gespräche mit den Verdächtigen und ihren Familien hatte die Polizei bereits durchgeführt. Auch das Opfer werde über die Schule und zuständigen Stellen intensiv betreut, sagte OB Strasser. „Hilfsangebote sind da und werden auch angenommen.“ Auch Anti-Mobbing-Programme wurden unter anderem genannt. Zudem prüft das Jugendamt, inwiefern Maßnahmen möglich seien.
Strasser sagte, es gebe auch „Angebote“ auf der Seite der Verdächtigen, sich bei dem Opfer zu entschuldigen. Der Leiter der zuständigen Polizeiinspektion, Ronny Koch, sagte zudem, es habe in Einzelfällen auch ein Einsehen bei Verdächtigen gegeben.
„Ehrverletzung“ als mögliches Motiv
Gegen die Jugendlichen wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Das Motiv für den Angriff auf den 14-Jährigen sieht die Polizei nach den bisherigen Erkenntnissen im persönlichen Bereich. Polizeiinspektions-Leiter Koch sprach davon, dass die Motivlage eher mit einer „Ehrverletzung“ zu tun habe. Weitere Angaben dazu machte er aber nicht.