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Machen Hitze und Trockenheit dem Weizenland Hessen Probleme?

Die Qualität der Weizenernte schwankt stark. Doch die Landwirtschaft passt sich an.

Von dpa

10.07.2026

In Hessen gab es im Juni eine Hitzewelle. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

In Hessen gab es im Juni eine Hitzewelle. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

© Boris Roessler/dpa

Während die Ernte der Wintergerste in Hessen bereits in vollem Gange ist, startet in den nächsten Wochen auch die Ernte des Winterweizens. Das ist nach Angaben des Hessischen Bauernverbandes die mit Abstand wichtigste Getreideart im Bundesland.

Welches Wetter braucht der Winterweizen zum Wachsen?

„Weizen mag es im Herbst zur Aussaat nicht zu feucht“, erklärt der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Im Winter seien auch schon mal Minusgrade im einstelligen Bereich in Ordnung. Im Frühjahr seien eher trockene und strahlungsreiche Wetterphasen gut. 

„Ab Mai ist eine ausreichende Wasserversorgung entscheidend, damit sich die bereits angelegten Ertragsorgane gut entwickeln können“, heißt es. „In den letzten Jahren haben jedoch zunehmende frühsommerliche Hitzeperioden die Weizenentwicklung in der entscheidenden Phase der Kornbildung beeinträchtigt. Im Juni und Juli sollte das Wetter für gute Erträge und Qualitäten zwar strahlungsreich, aber nicht zu heiß sein.“

Hessen biete mit seiner Lage in einer gemäßigten Klimazone grundsätzlich günstige natürliche Voraussetzungen für den Weizenanbau, erklärt Marco Schneider, Beratungsteam Pflanzenbau des Landesbetriebs. 

Und wie war das dieses Jahr?

„Mit dem Klimawandel nehmen Wetterextreme wie längere Trockenphasen, Hitze oder Starkniederschläge zu“, schreibt der Landesbetrieb. „Diese Witterungsextreme zeigten sich auch in 2026 in Hessen deutlich.“ 

Hessen hat eigentlich gute Voraussetzungen für den Weizenanbau. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

Hessen hat eigentlich gute Voraussetzungen für den Weizenanbau. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

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Im Juni hatte auch in Hessen eine Hitzewelle für hohe Temperaturen und ausbleibenden Regen gesorgt. Nach Angaben des Bauernverbandes zeigen sich bereits jetzt Auswirkungen davon - regional seien die jedoch sehr unterschiedlich. „Insbesondere auf schwächeren Standorten werden Hitze- und Trockenschäden sichtbar. Die Auswirkungen auf die Abreife hängen jedoch stark von der jeweiligen Sorte und dem Reifestadium der Bestände ab“, heiß es. In dieser Phase werden Stärke und Nährstoffe in die Körner eingelagert - entscheidend für Ertrag und Qualität. 

„Die Niederschläge der vergangenen Woche haben in weiten Teilen des Landes kaum noch Einfluss auf die Kornausbildung gehabt, da die Bestände bereits zu weit entwickelt waren“, schreibt Pressesprecherin Marie-Claire von Spee. Lediglich in Nordhessen ist die Abreife noch nicht so weit fortgeschritten, hier bleiben die Folgen der Hitze abzuwarten. 

Hat die Hitze Auswirkungen auf die Ernte?

„Die Erträge fallen sehr heterogen aus“, schreibt von Spee. „Teilweise werden Erträge von 70 bis 80 Dezitonnen je Hektar erzielt, in anderen Regionen zeigen sich aber auch Einbußen durch die Hitze.“

Auch die Proteingehalte schwankten sehr. Insgesamt gebe es jedoch eine Tendenz zu niedrigeren Proteingehalten. „Aus Südhessen bis in die südliche Wetterau werden derzeit Proteinwerte zwischen 10 und 12,5 Prozent gemeldet“, erklärt sie. „Damit besteht die Gefahr, dass einzelne Partien die angestrebten Qualitätsanforderungen nicht erreichen.“ 

Gibt es Sorten, die an den Klimawandel angepasst sind?

Ja. „Für die Praxis gewinnen Sorten an Bedeutung, die besser mit Trockenstress und Hitze umgehen können sowie eine höhere Stabilität in Ertrag und Qualität bei schwankenden Witterungsbedingungen aufweisen“, erklärt der Hessische Bauernverband. Die Voraussetzungen an den jeweiligen Standorten und die Witterung seien jedoch entscheidende Faktoren.

Am Freitag teilt der Bauernverband weitere Details mit. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

Am Freitag teilt der Bauernverband weitere Details mit. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

© Boris Roessler/dpa

Der Landesbetrieb testet daher verschiedene Sorten über mehrere Jahre bei verschiedenen Bedingungen, wie er mitteilt. So könne herausgefunden werden, welche die umweltstabilste für die jeweiligen Regionen sei. „Durch die unabhängige und mehrjährige Betrachtung können so fundierte und gesicherte Sortenempfehlungen passgenau erarbeitet werden.“

Was sind die größten Herausforderungen beim Winterweizen?

Die größte Herausforderung für die heimische Landwirtschaft sei der Kostendruck im internationalen Wettbewerb. „Die Preise für konventionellen Weizen bilden sich am Weltmarkt“, sagt Schneider. „Hiesige Betriebe erzielen langfristig gute Weizenerträge, haben aber im weltweiten Vergleich mit hohen Arbeits-, Maschinen- und Administrationskosten zu kämpfen.“

Auch eine langfristige Entwicklung der Weizenerträge sei herausfordernd. „Diese stagnieren in Deutschland seit etwa 20 Jahren. Bei steigenden Kosten und dem Inflationsdruck der letzten Jahre wird aber eine steigende Ertragssituation zur Kompensation benötigt“, erklärt Schneider.

Dieses Jahr ist nach Ansicht des Bauernverbands „die Kombination aus einem trockenen Frühjahr und den hohen Temperaturen während der Kornfüllungs- und Abreifephase“ die größte Herausforderung. „Neben möglichen Ertragseinbußen bereiten insbesondere die Qualitätsentwicklung und die teils niedrigen Proteingehalte Sorgen. Hinzu kommt, dass die Auswirkungen der Hitze je nach Standort, Bodengüte und Sorte sehr unterschiedlich ausfallen, was die Ernteergebnisse schwer vorhersehbar macht.“

Getreidepreise stünden unter Druck, heißt es. Und Kosten für Dünger, Treibstoff, Saatgut, Energie und Maschinen liegen demnach auf hohem Niveau. „Selbst dort, wo ordentliche Erträge erzielt werden, ist die Wirtschaftlichkeit nicht automatisch gesichert“, sagt von Spee. „Für die Betriebe kommt es deshalb in diesem Jahr besonders darauf an, sowohl Ertrags- als auch Qualitätsverluste möglichst gering zu halten, um unter den gegebenen Marktbedingungen auskömmliche Erlöse zu erzielen.“

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