Leiharbeit in Thüringen schrumpft – Löhne bleiben niedrig
Thüringen zählt weniger Leiharbeiter – und beim Lohn bleibt die Kluft zu anderen Beschäftigten groß. Wo die meisten Zeitarbeitskräfte arbeiten und was die Gründe für den Rückgang sind.
In Thüringen waren im vergangenen Jahr rund 19.700 Leiharbeiter tätig und damit 15,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. (Archivbild)Oliver Berg/dpa/dpa-tmn
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In Thüringen ist die Zahl der Leiharbeiter weiter gesunken. Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit waren im vergangenen Juni rund 19.700 Menschen in der Zeitarbeit beschäftigt. Das sind etwa 3.700 weniger als ein Jahr zuvor – ein Rückgang um 15,9 Prozent. Damit bleibe Zeitarbeit weiterhin ein Randphänomen auf dem Arbeitsmarkt: Rund zwei Prozent aller Beschäftigten im Freistaat arbeiteten 2025 in der Arbeitnehmerüberlassung.
Der Vorsitzende der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Markus Behrens, sieht konjunkturelle Ursachen für den Rückgang. Wenn die wirtschaftliche Nachfrage sinke, bauten Unternehmen zunächst Zeitarbeitskräfte ab, bevor sie ihre Stammbelegschaft reduzierten. „Zeitarbeit ist oft der erste Bereich, der bei Auftragsrückgang schrumpft.“ Gleichzeitig setzten Betriebe eher auf langfristige Beschäftigungsverhältnisse.
Einsatz vor allem in Logistik - bei geringerer Entlohnung
Sowohl bei deutschen als auch bei ausländischen Beschäftigten schrumpfte die Zahl der Leiharbeitskräfte. Bei den Deutschen sank sie um rund 1.800 Personen, bei den ausländischen Beschäftigten um etwa 1.900. Leiharbeiter werden vor allem in der Logistik und der Industrie eingesetzt. Rund 34 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Lagerwirtschaft sowie in Post-, Zustell- und Güterumschlagberufen. Weitere 20 Prozent sind den Angaben nach in Metall- und Maschinenbauberufen tätig, fünf Prozent in der Lebensmittel- und Genussmittelherstellung.
Die Zeitarbeitsunternehmen meldeten im vergangenen Jahr rund 5.700 neue Stellen bei den Arbeitsagenturen – 500 weniger als im Vorjahr. 41 Prozent der Stellen richteten sich an Helfer und 52 Prozent an Fachkräfte. Beim Verdienst liegen Leiharbeitskräfte laut der Regionaldirektion deutlich unter dem Durchschnitt. Ende 2024 lag das mittlere Bruttomonatsentgelt bei rund 2.300 Euro. Vollzeitbeschäftigte kamen im Median auf etwa 3.300 Euro. Gründe sind unter anderem der hohe Anteil an Helfertätigkeiten, der geringe Einsatz von Spezialisten sowie eine tarifliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden in der Zeitarbeit.